CAPE CANAVERAL. Die NASA hat in der Nacht auf Donnerstag ihre erste bemannte Mondmission seit mehr als fünf Jahrzehnten erfolgreich gestartet. Vom Kennedy Space Center in Florida hob die Schwerlastrakete Space Launch System ab und brachte die Raumkapsel Orion mit vier Astronauten sicher ins All. Der Start verlief nach Jahren von Verzögerungen und technischen Problemen reibungslos.
Kurz nach dem Abheben meldete Kommandant Reid Wiseman aus der Kapsel: „Wir haben einen wunderschönen Mondaufgang. Wir fliegen direkt darauf zu.“
Die Mission „Artemis II“ ist auf etwa zehn Tage angelegt und führt die Besatzung weiter von der Erde weg als jede bemannte Mission seit dem Ende des Apollo-Programms im Jahr 1972. Neben Wiseman gehören die NASA-Astronauten Victor Glover und Christina Koch sowie der Kanadier Jeremy Hansen zur Crew. Sie sollen den Mond umrunden, ohne auf seiner Oberfläche zu landen. Die geplante minimale Annäherung an die Mondoberfläche liegt bei etwa 8.000 Kilometern.
Liftoff.
The Artemis II mission launched from @NASAKennedy at 6:35pm ET (2235 UTC), propelling four astronauts on a journey around the Moon.
Artemis II will pave the way for future Moon landings, as well as the next giant leap — astronauts on Mars. pic.twitter.com/ENQA4RTqAc
— NASA (@NASA) April 1, 2026
Artemis: Ein Programm mit strategischer Dimension
Hinter „Artemis II“ steht weit mehr als ein technisches Experiment. Die Mission ist Teil des groß angelegten Artemis program, mit dem die USA eine dauerhafte Präsenz auf dem Mond aufbauen wollen. Anders als in den 1960er und 1970er Jahren geht es diesmal nicht um eine einmalige Demonstration technologischer Überlegenheit, sondern um Infrastruktur und kontinuierliche Missionen.
Während die Apollo-Missionen im Kontext des Kalten Krieges stattfanden, richtet sich der Blick heute auf China. Peking arbeitet an einer eigenen Mondstation und hat mit mehreren unbemannten Missionen bereits Proben vom Mond zur Erde gebracht. Parallel treiben die USA ihre eigenen Systeme voran.
An dem Programm sind zudem internationale Partner beteiligt. Die europäische Raumfahrtorganisation ESA liefert unter anderem das Servicemodul der „Orion“-Kapsel, das für Energieversorgung, Antrieb und Lebenserhaltungssysteme zuständig ist und im Airbus-Werk in Bremen gebaut wurde.
So spektakulär der Start ist, der eigentliche Zweck von „Artemis II“ liegt im Test. Die Mission ist der erste bemannte Flug der neuen Systeme. Weder die Rakete noch die Kapsel haben bislang Menschen transportiert. Das bedeutet, dass alle Systeme unter realen Bedingungen überprüft werden. Dazu gehören das Lebenserhaltungssystem, die Bordnavigation, die Energieversorgung und die Kommunikation über Distanzen von mehreren hunderttausend Kilometern.
Geplant ist auch ein manueller Steuerungstest der Kapsel durch die Besatzung. Zudem wird überprüft, wie sich die Systeme bei längerer Funkverzögerung verhalten, wenn sich das Raumschiff hinter dem Mond befindet. NASA-Manager haben klargemacht, dass die Mission jederzeit angepasst werden kann. Sollte ein System nicht die erwartete Leistung liefern, wird der Flug verkürzt.

Der Weg zum Mond
Der Flugverlauf folgt einem klar definierten Ablauf. Nach dem Start bringt die Rakete die Kapsel zunächst in eine Erdumlaufbahn. Anschließend zündet die Oberstufe erneut und beschleunigt das Raumschiff auf Mondkurs. Dieses Manöver bringt „Orion“ auf eine Flugbahn von mehr als 400.000 Kilometern. Die Reise zum Mond dauert mehrere Tage. Am Mond angekommen, umrundet die Kapsel den Erdtrabanten und passiert dabei auch dessen Rückseite.
Während dieser Phase wird die Kommunikation mit der Erde zeitweise unterbrochen, da keine direkte Funkverbindung besteht. Die Astronauten sollen dabei Bilder aufnehmen und technische Daten sammeln, die für zukünftige Missionen benötigt werden.
Beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre erreicht die Kapsel Geschwindigkeiten von bis zu 40.000 Kilometern pro Stunde. Die Außentemperatur steigt auf etwa 2.700 Grad Celsius. Der Hitzeschild der Kapsel arbeitet ablativ. Das bedeutet, dass Material gezielt abgetragen wird, um die entstehende Hitze abzuleiten. Erst nach dieser Phase öffnen sich die Fallschirme, die die Kapsel abbremsen. Die Wasserung erfolgt im Pazifik, wo Bergungsschiffe der US-Marine bereitstehen. Während der Mission lebt die Besatzung in einem Raum von etwa neun Kubikmetern. Das entspricht ungefähr dem Innenraum zweier Kleinbusse.
Die tägliche Routine umfasst körperliches Training, wissenschaftliche Experimente und Systemtests. Die Astronauten trainieren etwa 30 Minuten pro Tag, um Muskelabbau und Knochenschwund entgegenzuwirken. Die Nahrung besteht aus vorverpackten, erhitzbaren Mahlzeiten. Zusätzlich gibt es eine begrenzte Auswahl an Getränken.
Auch grundlegende Abläufe sind technisch gelöst. Die Bordtoilette arbeitet mit einem Luftstromsystem, das Abfälle in geschlossenen Behältern sammelt.
Der Blick nach vorn
„Artemis II“ ist die zweite Mission des Artemis-Programms. Der Vorgängerflug „Artemis I“ im Jahr 2022 verlief unbemannt. Als nächster Schritt ist eine weitere Mission geplant, bei der Andockmanöver im Erdorbit getestet werden sollen. Eine bemannte Mondlandung ist derzeit für das Jahr 2028 vorgesehen.
Parallel entwickeln Unternehmen wie Lockheed Martin die Systeme weiter. Zudem arbeiten private Raumfahrtfirmen an Landemodulen, die künftig Astronauten auf die Mondoberfläche bringen sollen.
Mit dem erfolgreichen Start hat die NASA erstmals seit 1972 wieder Menschen auf eine Flugbahn zum Mond geschickt. Die Mission liefert nun die entscheidenden Daten dafür, ob eine dauerhafte Rückkehr des Menschen zum Mond technisch umsetzbar ist.






