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Monarchiegeschichte: Das Reich des Schah sollte fortan Iran heißen

Monarchiegeschichte: Das Reich des Schah sollte fortan Iran heißen

Monarchiegeschichte: Das Reich des Schah sollte fortan Iran heißen

Geschichte des Iran: Reza Schah Khan Pahlavi (r.) überreicht seinem zweiten Sohn Ali Reza die Offiziersurkunde 1941.
Geschichte des Iran: Reza Schah Khan Pahlavi (r.) überreicht seinem zweiten Sohn Ali Reza die Offiziersurkunde 1941.
Reza Schah Khan Pahlavi (r.) überreicht seinem zweiten Sohn Ali Reza die Offiziersurkunde 1941. Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Uncredited
Monarchiegeschichte
 

Das Reich des Schah sollte fortan Iran heißen

Am 25. April 1926 wurde Reza Pahlevi zum Schah von Persien gekrönt. Sein Enkel Cyrus Reza wäre heute dynastischer Nachfolger im Iran.
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Die Geschichte geht oft seltsame Wege. So war der Begründer der Herrscherdynastie der Pahlavi, Reza Chan Savadkuhi, welcher am 25. April 1926 zum Schah von Persien gekrönt wurde, eigentlich ein überzeugter Republikaner.

Der am 15. März 1878 geborene Sprössling einer Offiziersfamilie aus der nordiranischen Provinz Mazanderan trat beizeiten selbst dem Militär bei und avancierte zwischen 1892 und 1918 vom einfachen Soldaten zum Brigadegeneral in der Persischen Kosakenbrigade. In den Wirren nach dem Ersten Weltkrieg, als in Persien Millionen Menschen an Gewalt, Hunger und Seuchen starben, während die Bolschewisten und Briten das Land unter ihre Kontrolle zu bringen versuchten, erzwang Reza Chan am 21. Februar 1921 mit einem unblutigen Putsch den Rücktritt der schwachen Regierung von Premierminister Fathollah Akbar Sepahdar, die von dem ebenso lethargischen Ahmad Schah, siebter Herrscher der turkmenischstämmigen Kadscharen-Dynastie, eingesetzt worden war.

Anschließend fungierte der General als Kriegsminister. In dieser Eigenschaft schuf er eine schlagkräftige persische Armee, welche erfolgreich gegen kurdische und andere Separatisten operierte.

Reza Chan modernisierte Persien

Am 26. Oktober 1923 wurde Reza Chan zum Premierminister ernannt. Drei Tage später rief Marschall Mustafa Kemal Pascha in der Türkei die Republik aus. Das gleiche plante Reza Chan auch für Persien, jedoch scheiterte sein Vorhaben im April 1924 am Widerstand der drei höchsten Ajatollahs des Landes, welche einen Machtverlust der Geistlichkeit befürchteten. Allerdings nutzte Reza Chan dann seine Möglichkeiten als Regierungschef, um die Modernisierung Persiens voranzutreiben. Davon zeugten etliche Gesetze nach türkischem Vorbild.

Währenddessen beschlossen Reza Chans Anhänger, Ahmad Schah Kadschar zu stürzen: Wenn schon keine Ausrufung einer Republik möglich sei, dann solle wenigstens der sehr viel fähigere Reza Chan auf den Pfauenthron gelangen. Und tatsächlich verabschiedete das Parlament in Teheran am 31. Oktober 1925 ein formelles Gesetz zur „Absetzung der Kadscharen-Dynastie und der zeitlich befristeten Ernennung Reza Chans zum neuen Staatsoberhaupt“, welches auch die Zustimmung der Geistlichkeit fand. Damit konnte der bisherige Premierminister am 15. Dezember 1925 zum neuen Schah ausgerufen werden, wobei die offizielle Krönungszeremonie erst vier Monate später erfolgte. So lange benötigte man für die Anfertigung der Pahlavi-Krone, denn Reza Chan hatte es abgelehnt, die Kadscharen-Krone zu tragen.

Nach der Zeremonie setzte der Herrscher alles daran, das Land weiter voranzubringen. Er gab den Anstoß zu dessen Industrialisierung, beschleunigte den Eisenbahnbau, etablierte ein nationales Schul- und Gesundheitssystem und initiierte grundlegende Justizreformen, die unter anderem zur Abschaffung der Scharia-Gerichtsbarkeit führten. Außerdem legte der Schah 1935 fest, dass sein Reich nicht mehr Persien, sondern Iran genannt werden sollte. Ein Jahr später verhängte er gegen den Widerstand der Konservativen noch ein Verbot des Tschadors, also der traditionellen Verhüllung der Frauen.

Briten und Sowjets marschierten im Iran ein

Zentrale Bedeutung erlangte zudem auch die Neufassung der Verträge mit der 1908 gegründeten Anglo-Persian Oil Company (APOC), welche sich mehrheitlich in der Hand des britischen Staates befand und die Perser regelmäßig um die ohnehin schon viel zu niedrigen Konzessionsabgaben betrog. Die eigentlich bis 1961 geltenden Abmachungen wurden 1932 unter maßgeblicher persönlicher Beteiligung des Schahs revidiert, wodurch der Iran endlich in den Genuss einer fairen, marktüblichen Bezahlung durch die APOC kam.

Dass der Schah es vermocht hatte, sein Land aus der Umklammerung der Briten zu lösen und die APOC in die Schranken zu weisen, war für den Westen bereits Affront genug. Und dann nahm der Iran im Zweiten Weltkrieg auch noch eine neutrale beziehungsweise deutschfreundliche Haltung ein. Das lief den Plänen der Alliierten zuwider, die Sowjetunion über den sogenannten Persischen Korridor mit Kriegsmaterial zu versorgen. Deshalb marschierten am 25. August 1941 35.000 britische und 120.000 sowjetische Soldaten in den Iran ein. Anschließend forderten Moskau und London den Schah ultimativ auf, abzudanken – ansonsten werde die persische Monarchie abgeschafft.

Folgt ein neuer Schah aufs Mullah-Regime?

Daraufhin unterzeichnete Reza Pahlavi am 16. September 1941 eine Abdankungserklärung, durch die sein Sohn Mohammad Reza Pahlavi zum neuen Schah avancierte. Dieser schlug sich dann zunehmend auf die Seite der Briten und Amerikaner, weil die dem Iran nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges halfen, die sowjetischen Besatzer aus dem Lande zu drängen und von der UdSSR unterstützte Separatistenbewegungen im Grenzbereich zu Armenien und Aserbaidschan auszuschalten.

Reza Pahlavi wurde von den Briten zunächst nach Mauritius verbannt, bevor Churchill ihm den Umzug nach Südafrika gestattete. Der Begründer der Pahlavi-Dynastie und des modernen Iran starb am 26. Juli 1944 in Johannesburg an den Folgen eines Herzinfarktes. Sein Leichnam wurde im Mai 1950 in ein Mausoleum in Teheran umgebettet, welches die Mullahs nach der Revolution von 1979 und dem Sturz von Schah Mohammad Reza Pahlavi sprengen ließen. Heute gilt der älteste Enkel des vor hundert Jahren gekrönten Reza Pahlavi, Kronprinz Cyrus Reza Pahlavi, als mögliches neues Staatsoberhaupt des Iran, wenn es zum Kollaps der Islamischen Republik kommt. Er genießt die Unterstützung der liberal-konservativen Opposition im Lande sowie der USA, Israels, Saudi-Arabiens und der islamischen Monarchien am Persischen Golf.

Aus der JF-Ausgabe 18/26.

Reza Schah Khan Pahlavi (r.) überreicht seinem zweiten Sohn Ali Reza die Offiziersurkunde 1941. Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Uncredited
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