PEKING/WASHINGTON. Chinas Staatspräsident Xi Jinping hat angesichts der Eskalation im Nahen Osten eine sofortige Waffenruhe und die Wiederherstellung der freien Schiffahrt durch die Straße von Hormus gefordert. In einem Telefonat mit dem saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman erklärte Xi laut chinesischem Außenministerium, die Meerenge müsse „normal passierbar bleiben“, da dies im Interesse der Region und der internationalen Gemeinschaft liege.
Die Volksrepublik sieht sich durch die Krise unmittelbar betroffen. Rund die Hälfte der chinesischen Ölimporte stammt aus den Golfstaaten und läuft über die Straße von Hormus. Eine längere Blockade würde Lieferketten unterbrechen, Energiepreise treiben und damit die exportabhängige Wirtschaft unter Druck setzen.
Peking kritisiert den Iran-Krieg nach anfänglichem Schweigen nun deutlich und verweist auf das Völkerrecht. Die Militärschläge der USA und Israels ohne Mandat des UN-Sicherheitsrats seien ein Verstoß gegen internationales Recht, erklärte Außenamtssprecherin Mao Ning. Gleichzeitig versucht China, seinen Einfluss in der Region geltend zu machen: Als wichtigster Abnehmer iranischen Öls und enger Partner Teherans gilt die Volksrepublik als einer der wenigen Akteure, die tatsächlich Druck auf die Führung in Teheran ausüben können.
Iran will „neue Karte ausspielen“
Strategisch setzt Peking dabei auf mehrere Optionen. Hohe Ölreserven von geschätzt 900 Millionen Barrel verschaffen kurzfristig Spielraum. Zugleich baut China seine Energiepartnerschaft mit Russland aus und prüft langfristig Alternativen wie die arktische „Seidenstraße“. Dennoch bleibt die Stabilität im Persischen Golf für die chinesische Versorgung zentral.
Während Peking zur Deeskalation aufruft, spitzt sich die Lage zwischen den USA und dem Iran weiter zu. Die von US-Präsident Donald Trump verkündete Waffenruhe läuft am Mittwoch aus. Ob es danach Gespräche gibt, ist offen. Selbst in Washington herrscht Unklarheit über mögliche Verhandlungen und deren Teilnehmer. Aktuellen Berichten zufolge soll Trumps Vize J.D. Vance erneut nach Pakistan reisen. Aus Teheran gab es zuletzt zumindest leise Signale, ebenfalls eine Delegation nach Islamabad schicken zu wollen.
Die zentrale Streitfrage bleibt die See-Blockade von Irans Häfen durch die US-Streitkräfte. Washington hält daran fest, Teheran verweigert offiziell unter diesem Druck jede Gesprächsbereitschaft. Irans Parlamentspräsident Mohammed Bagher Ghalibaf erklärte, man akzeptiere „keine Verhandlungen unter dem Schatten von Drohungen“ und sei bereit, „auf dem Schlachtfeld neue Karten auszuspielen“. (rr)






