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Irankrieg: Verhandlungen im Schatten eines Machtkampfs

Irankrieg: Verhandlungen im Schatten eines Machtkampfs

Irankrieg: Verhandlungen im Schatten eines Machtkampfs

US-Vizepräsident JD Vance bei den Verhandlungen in Islamabad. (Themenbild)
US-Vizepräsident JD Vance bei den Verhandlungen in Islamabad. (Themenbild)
US-Vizepräsident JD Vance bei den Verhandlungen in Islamabad. Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Jacquelyn Martin
Irankrieg
 

Verhandlungen im Schatten eines Machtkampfs

Das Scheitern der Friedensverhandlungen zwischen Washington und Teheran war wenig überraschend. Allerdings spielte auch der Streit zwischen Regime-Hardlinern und Reformorientierten im Iran selbst eine wichtige Rolle.
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Nicht ohne Grund hatte die iranische Regierung die Arg-e Bam, die berühmte Zitadelle in der östlichen Provinz Kerman, als Symbolbild für den neuesten Geldschein des iranischen Rial erwählt. Am 21. März – gut drei Wochen nach Kriegsausbruch – erstmals von der Zentralbank in Umlauf gebracht, spiegelt die Note jedoch ebenso den Niedergang des Iran unter seinem derzeitigen Regime wider. Denn der aufgeprägte Nennwert von zehn Millionen Rial, der höchste jemals im Iran gedruckte Schein, besitzt umgerechnet keine sieben Euro mehr an Wert.

Spätestens seit dem Beginn des Irankriegs am 28. Februar befindet sich der Rial und somit auch die iranische Wirtschaft auf rapider Talfahrt. Allein die Preise für Lebensmittel haben sich im Vergleich zu vergangenem Frühjahr mehr als verdoppelt, Gehälter und Geldfluss hingegen und somit auch der Handel stagnieren. Und mit der Blockade der iranischen Seehäfen durch die US-Marine, die am Montag um 16 Uhr deutscher Zeit begann, könnte der Abwärtsstrudel der iranischen Wirtschaft weiter an Geschwindigkeit gewinnen.

Große Hoffnung dürften viele iranische Bürger von daher in die bilateralen Gespräche zwischen den USA und dem Iran im pakistanischen Islamabad gesetzt haben, auch wenn ein Vertrauensvorschuss prinzipiell voreilig gewesen wäre.

Teilweise konnten sich die Verhandlungspartner einigen

Erstmals seit der Islamischen Revolution von 1979 trafen sich am Samstag die Führungsebenen der beiden Staaten unter der Vermittlung der pakistanischen Regierung im luxuriösen Serena Hotel zu einem am Ende 21 Stunden währenden Verhandlungsmarathon; angeführt auf US-amerikanischer Seite von Vizepräsident JD Vance sowie den hochrangigen Unterhändlern Steve Witkoff und Jared Kushner.

Auf iranischer Seite und unter Geleitschutz der pakistanischen Luftwaffe trafen Parlamentssprecher Mohammad Ghalibaf und Außenminister Abbas Araghtschi, begleitet von einem 75köpfigen Berater- und Presseteam, bereits am Freitag in Islamabad ein. Beide Delegationen brachten ihre eigenen Vorstellungen vom Kriegsende mit: So forderte der Iran insbesondere seine Kontrolle der Straße von Hormus sowie Reparationszahlungen für Kriegsschäden und die Fortsetzung seines zivilen Atomprogramms. Die USA wiederum bestanden auf einer kompletten Abkehr Teherans von nuklearen Ambitionen – und ebenso auf einer Wiederherstellung der freien Schiffahrt in jener strategisch wichtigen Meerenge.

„Die schlechte Nachricht ist, dass wir keine Einigung erzielt haben“, verkündete Vance im Anschluss der Gespräche. „Und ich denke, das ist für den Iran viel schlimmer als für die USA. Sie haben sich entschieden, unsere Bedingungen nicht anzunehmen.“ In der Tat bestand eine Zeitlang beiden Delegationen die Option offen, sich zumindest in nebensächlichen Streitfragen zu verständigen, speziell der Einstellung der iranischen Unterstützung für Terrorgruppen wie die Huthi im Jemen und der Hisbollah im Libanon.

Die Revolutionsgarden machten Druck in Islamabad

Doch dem inneriranischen Machtkampf zwischen den Reformorientierten um Präsident Massud Peseschkian und den Prinzipialisten um den Islamischen Revolutionsgarden (IRGC) nahestehende Politiker zollte auch das Treffen in Islamabad Tribut: Während die Verhandlungen bereits liefen, landete überraschend ein weiteres Flugzeug der IRGC in Pakistan, vorgeblich um die Delegation vor Ort beratend zu unterstützen. Doch von Beobachtern der Konferenz wurde vielmehr ein Druckaufbau der IRGC auf ihre Delegation gemutmaßt, um in keinerlei US-amerikanischen Position einzuwilligen.

„Die Exekutive im Iran steht vor dem gefährlichsten Wendepunkt ihrer jüngeren Geschichte, da durchgesickerte Berichte aus den Entscheidungsgremien in Teheran offenbaren, dass Peseschkian in einen Zustand völliger politischer Lähmung geraten ist. Den dokumentierten Informationen zufolge ist es der Revolutionsgarde gelungen, einen strengen Sicherheitsring um das Machtzentrum zu errichten, was praktisch dazu geführt hat, dass souveräne und administrative Angelegenheiten der Regierung entzogen wurden und der Präsident zu einer reinen Marionette degradiert wurde“, berichtete die ägyptische Onlinezeitung Ahlmasr News am Montag.

Es dürften diese Mutmaßungen gewesen sein, die US-Präsident Donald Trump dazu bewogen hatten, die iranische Blockade der Straße von Hormus militärisch zu brechen. Zwei Lenkwaffenzerstörer der US Navy, die USS „Frank E. Petersen Jr.“ und die USS „Michael Murphy“, wurden vom US-Verteidigungsministerium mit der Zielsetzung in Marsch gesetzt, die vom Iran gelegten Seeminen zu lokalisieren und zu eliminieren. Mindestens ein Dutzend dieser Minen vom Typ Maham-3 und Maham-7, erstere mit 120 Kilogramm schweren Sprengköpfen ausgerüstet, habe der Iran bislang gelegt, wie das saudi-arabische Könighaus in Berufung auf US-Geheimdienste berichtete.

Pakistan pflegt keine guten Beziehungen zu Teheran

Die Blockade der iranischen Seehäfen als Reaktion auf die iranische Blockade der Straße von Hormus stellt indessen eine überraschende Gegenmaßnahme der USA auf den iranischen maritimen Hegemonialanspruch dar. Laut Experten dürfte diese gerade hinsichtlich weiterer Verhandlungsrunden hohe Wirkung erzielen: So schätzt der iranisch-amerikanische Sanktionsexperte Miad Maleki, der für die USA federführend bei vorherigen Iran-Sanktionen tätig war, bei einer umfassenden US-Blockade den Ausfall für die iranische Wirtschaft auf mindestens 159 Millionen US-Dollar bei Importen und 276 Millionen US-Dollar bei Exporten – nämlich täglich.

In die von Pakistan am Montag verkündeten „baldigen neuen Gespräche“ wird das iranische Regime somit mit oder ohne Wohlwollen der IRGC einwilligen müssen, um seinen eigenen Machterhalt zu garantieren. Und auch Islamabad ist gut beraten, weiter seine Mediatorenrolle zu pflegen: Die pakistanische Regierung steht traditionell nicht nur in guter Beziehung zu Teheran; im September 2025 unterzeichnete Pakistan überdies ein Verteidigungsabkommen mit Saudi-Arabien.

Sollte Riad die fortwährenden Drohnenangriffe des Iran als kriegerischen Akt bewerten, ist Islamabad somit verpflichtet, militärisch gegen den Iran vorzugehen. Die Wahrscheinlichkeit hierzu ist so gering nicht mehr: Noch am Samstag verlegte Pakistan mehr als 13.000 Soldaten und 18 Kampfflugzeuge präventiv ins östliche Saudi-Arabien.

Aus der JF-Ausgabe 17/26.

US-Vizepräsident JD Vance bei den Verhandlungen in Islamabad. Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Jacquelyn Martin
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