OSNABRÜCK. Der Staatsfonds von Katar hat offenbar einen Rüstungsauftrag für das VW-Werk Osnabrück ausgebremst. Nach Berichten lehnt der Großaktionär eine dauerhafte Zusammenarbeit von Volkswagen mit dem israelischen Rüstungskonzern Rafael Advanced Defense Systems ab (die JF berichtete).
Der Auftrag aus Israel galt als mögliche Anschlusslösung für das Werk mit 2.000 Mitarbeitern. Geplant war die Fertigung von Komponenten für Iron Dome.
Mit dem Raketenabwehrsystem schützt sich Israel gegen Raketen- und Drohnenangriffe. Volkswagen und Rafael hatten Ende April bereits eine Absichtserklärung unterzeichnet. Die Qatar Investment Authority ist drittgrößter Einzelaktionär bei Volkswagen. Der Staatsfonds hält zwar keine Mehrheit, hat im Konzern aber erhebliches Gewicht. Eine Rüstungskooperation mit einem israelischen Unternehmen ist für Doha politisch offenbar nicht hinnehmbar.
VW und Frage der nationalen Sicherheit
Seit dem dem jüngsten Krieg im Gazastreifen sind die Beziehungen zwischen Katar und Israel angespannt. Doha tritt international immer wieder als Vermittler auf, beherbergte aber zugleich Teile der Hamas-Führung. Für Israel könnte der Auftrag nun an Deutschland vorbeigehen. Laut Bild wird inzwischen Indien als möglicher Produktionsstandort geprüft. In den USA lässt Rafael bereits im Bundesstaat Arkansas fertigen.
In Deutschland wird der Vorgang zum Politikum. Grünen-Politiker Omid Nouripour sieht nicht nur eine VW-Frage, sondern ein Problem nationaler Souveränität. Wenn ein Investor strategische Technologien und industrielle Sicherheitskapazitäten blockieren könne, gehe es um mehr als Unternehmenspolitik, sagte er dem Handelsblatt.
Volkswagen kommentiert die Berichte bisher nicht. Ein Sprecher erklärte, der Konzern äußere sich weiter nicht zu Spekulationen über den Standort Osnabrück. Auch Niedersachsen sucht nach Wegen für das Werk. Das Land hält 20 Prozent der Stimmrechte bei Volkswagen. Eine Entscheidung über die Zukunft des Standorts soll bis Ende des Jahres fallen. (rr)







