OMAHA. US-Investor Warren Buffett setzt seine übliche Jahresspende an die Gates Foundation vorerst aus. Der 95jährige wolle zunächst die Ergebnisse einer internen Prüfung zu Verbindungen der Stiftung zum verstorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein abwarten, berichtet das Wall Street Journal unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen.
Buffett spendet seit 2006 regelmäßig Berkshire-Hathaway-Aktien in Milliardenwert an die Stiftung von Bill Gates. Üblicherweise überträgt er die Anteile im Juni oder Anfang Juli.
In diesem Jahr soll die Entscheidung nun später fallen, möglicherweise erst im Umfeld seines traditionellen Thanksgiving-Briefs. Die Gates Foundation selbst hat die Kanzlei WilmerHale mit einer Überprüfung ihrer Verbindungen zu Epstein beauftragt. Die Ergebnisse werden dem Bericht zufolge in diesem Sommer erwartet. Buffett und Personen aus seinem Umfeld hätten Kontakt zur Stiftungsführung gehabt, darunter zu Geschäftsführer Mark Suzman, um mehr über die Prüfung zu erfahren.
Epsteins Schatten über Gates‘ und Buffetts Freundschaft
Buffett selbst lehnte gegenüber der US-Zeitung eine Stellungnahme ab. Die Gates Foundation reagierte demnach zunächst ebenfalls nicht auf Anfragen. Seit 2006 hat Buffett rund 48 Milliarden Dollar an die Gates Foundation gespendet. Er war lange eng mit Bill Gates verbunden und saß bis 2021 im Kuratorium der Stiftung. Nach der Scheidung von Bill und Melinda Gates legte er dieses Amt nieder.
Das Verhältnis zwischen Buffett und Gates gilt seit der Veröffentlichung von Akten des US-Justizministeriums im Epstein-Komplex als belastet. In einem CNBC-Interview im März sagte Buffett, er habe seit der Veröffentlichung der Epstein-Unterlagen nicht mehr mit Gates gesprochen. Er wolle abwarten, was er aus den Akten noch erfahre, bevor er seine jährliche Spendenentscheidung treffe.
Gates sagte seinerseits Mitte Juni in einer Aussage vor dem Aufsichtsausschuss des Repräsentantenhauses, er habe zuletzt im Januar mit Buffett gesprochen. Damals sei es um gesundheitliche Fragen und andere Themen gegangen.

Gates-Stiftung soll 2045 geschlossen werden
Auch beim jährlichen Aktionärstreffen von Berkshire Hathaway im Mai fehlte Gates erstmals seit vielen Jahren. Nach Angaben des Wall Street Journal war er nicht ausgeladen worden, doch hätten ihm mehrere Personen von einer Teilnahme abgeraten. Zudem sei seinem Team mitgeteilt worden, dass Gates nicht in dem Bereich sitzen könne, der Buffett, Berkshire-Direktoren und anderen Spitzenvertretern vorbehalten ist.
Von Buffetts Entscheidung nicht betroffen sein sollen seine jährlichen Spenden an Familienstiftungen, darunter Einrichtungen seiner drei Kinder und die Susan Thompson Buffett Foundation, die nach seiner ersten Ehefrau benannt ist.
Die Gates Foundation zählt zu den größten privaten Stiftungen der Welt. Seit ihrer Gründung hat sie rund 110 Milliarden Dollar für wohltätige Zwecke ausgegeben. Bill Gates hatte im vergangenen Jahr angekündigt, die Stiftung solle in den kommenden 20 Jahren mehr als 200 Milliarden Dollar ausschütten und Ende 2045 geschlossen werden. (rr)






