BERLIN. Die Zahl der Anträge auf Kriegsdienstverweigerung ist in den ersten sechs Monaten dieses Jahres deutlich gestiegen. Bis zum 30. Juni gingen beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben 5.862 Anträge ein, sagte ein Sprecher der Behörde am Dienstag dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.
Damit seien allein im ersten Halbjahr mehr Anträge eingegangen als im gesamten Jahr 2025, in dem die Zahl bei 3.867 lag. Sie liegt auch höher als die im Jahr 2011, als die Wehrpflicht ausgesetzt wurde. Damals hatte es 4.348 Anträge gegeben.
Seit 2026 erhalten 18jährige Männer einen Fragebogen, der ihre Motivation und Eignung erfasst (JF berichtet). Für Männer ist die Beantwortung verpflichtend. Mit Inkrafttreten des Gesetzes beginnt anschließend die stufenweise Ausweitung der Musterung auf alle ab dem 1. Januar 2008 geborenen Jahrgänge. Die vollständige Erfassung des Jahrgangs beginnt ab dem 1. Juli 2027.
Tausende Anträge auf Kriegsdienstverweigerung bereits angenommen
Bis Ende Mai wurden beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben bereits 2.667 Anträge rechtskräftig anerkannt (JF berichtete). Damit dürfte 2026 der höchste Stand seit Aussetzung der Wehrpflicht erreicht werden. Im gesamten Jahr 2025 waren 2.830 Anträge anerkannt worden. Dieser Wert könnte bereits im ersten Halbjahr übertroffen werden.

Der Anstieg fällt in eine Zeit, in der Deutschland wieder über Wehrdienst, Reserven und die Verteidigungsfähigkeit des Landes diskutiert. Wer im Spannungs- oder Verteidigungsfall keinen Dienst an der Waffe leisten will, kann sich vorsorglich als Kriegsdienstverweigerer anerkennen lassen. Nach dem Ende der Wehrpflicht brachen die Zahlen zunächst ein. 2010 wurden noch 87.590 Kriegsdienstverweigerungen gezählt, 2011 waren es 5.177. Im Jahr 2012 sank die Zahl auf 370. Seit der Debatte um einen neuen Wehrdienst nimmt sie wieder zu. (mas)





