BERLIN. Das Amtsgericht Tiergarten hat den aus Burkina Faso stammenden Brandstifter Abdoul T. zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr verurteilt. Der 35jährige hatte im September 2025 mehrere Geschichtsbücher im französischen Kulturzentrum Institut français am Kurfürstendamm mit Benzin und Bremsenreiniger übergossen und angezündet (JF berichtete). Dabei wurden 200 Werke zerstört.
Der entstandene Schaden beläuft sich auf 6.500 Euro. „Für das, was ich getan habe, dafür muss ich bezahlen“, zitierte die B.Z. den wegen versuchter schwerer Brandstiftung und Sachbeschädigung verurteilten Täter im Gericht. Der Oberleitungsmonteur habe „einen großen Fehler gemacht“ und sei bereit, „alles zu bezahlen“.
Westafrikaner begründet Tat mit „schlecht oder sogar falsch“ erzählter Geschichte
Wie sich herausstellte, hatte sich der im sachsen-anhaltischen Weißenfels lebende Abdoul T. über den Inhalt von Büchern über die Sklaverei echauffiert, die er in der Bibliothek las. „Ich dachte, man muss was tun!“, sagte der Westafrikaner vor dem Urteilsspruch. Eigentlich sei er „ein Mensch, der gern liest und der Bücher liebt“. Doch die „schlecht oder sogar falsch“ erzählte Geschichte in den Titeln des Kulturzentrums hätte ihn wütend gemacht.
Daraufhin ist der französische Muttersprachler am nächsten Tag in eine Tankstelle gegangen, um die Brandbeschleuniger zu kaufen. Während eines regen Besucherverkehrs am Mittag zündete Abdoul T. dann die Bücher an. Andere Gäste des Kulturzentrums, darunter Kinder, habe der Burkiner nicht gefährden wollen.
Dennoch bezeugte eine Bibliotheksassistentin einen Streit in der Geschichtsabteilung. Als sie den Brandstifter konfrontierte, begründete dieser seine Tat mit den Worten: „Ihr macht Propaganda!“
Französische Botschaft lobt „schnelles Handeln“
Ein Großbrand konnte durch das Eingreifen eines Besuchers verhindert werden, da dieser die Flammen mit einem Feuerlöscher erstickte. Die Richterin erinnerte Abdoul T. daran, durch „das mutige Eingreifen“ des Besuchers „unfassbares Glück“ gehabt zu haben.
Das Institut, wo der Brandanschlag ausgeübt wurde, ist eine Kulturvertretung des französischen Staates, die in Deutschland an 13 Standorten vertreten ist. Ihre Aufgabe ist es, die französische Sprache und Kultur zu verbreiten. Ein Sprecher der französischen Botschaft ging gegenüber der JF im September noch davon aus, dass etwa 100 Bücher betroffen seien. „Wir danken den Mitarbeitern, der Polizei und den anwesenden Besuchern für ihre Besonnenheit und ihr schnelles Handeln“, betonte er. (rsz)





