BERLIN. Der Druck auf die UN-Sonderberichterstatterin für die palästinensischen Gebiete, Francesca Albanese, hat sich nach einem Auftritt beim katarischen Nachrichtensender Al Jazeera deutlich verschärft. Deutschlands Außenminister Johann Wadephul (CDU) und sein französischer Amtskollege Jean-Noël Barrot fordern ihren Rücktritt.
Auslöser ist ein Auftritt am vergangenen Wochenende. Albanese trat dort gemeinsam mit hochrangigen Funktionären der Hamas auf und sprach in ihrem Redebeitrag von einem „gemeinsamen Feind“.
Zudem erklärte sie, der größte Teil der Welt habe Israel bewaffnet und dem jüdischen Staat mit politischen Ausreden, politischem Unterschlupf sowie wirtschaftlicher und finanzieller Unterstützung geholfen. Wörtlich sagte sie: „Wir sehen jetzt, daß wir als Menschheit einen gemeinsamen Feind haben.“ Später legte Albanese auf X nach. Der gemeinsame Feind der Menschheit sei „das System, das den Genozid in Palästina ermöglicht“ habe, ebenso wie das Kapital, das ihn finanziere.
Ich respektiere das System unabhängiger Berichterstatter der UN. Frau Albanese hat sich jedoch bereits in der Vergangenheit vielfach Ausfälle geleistet. Ich verurteile ihre jüngsten Aussagen über Israel. Sie ist in ihrer Position unhaltbar.
— Johann Wadephul (@AussenMinDE) February 12, 2026
Frankreich stimmt Wadephul zu
Wadephul erklärte auf X, er respektiere grundsätzlich das System unabhängiger Berichterstatter der Vereinte Nationen. Albanese habe sich jedoch „bereits in der Vergangenheit vielfach Ausfälle geleistet“. Ihre jüngsten Aussagen über Israel seien untragbar, sie sei in ihrer Position nicht zu halten. Barrot bezeichnete Albanese als politische Aktivistin, die mit ihrer Wortwahl sowohl der palästinensischen Sache als auch den Vereinten Nationen schade.
Kritiker verweisen zudem auf frühere Äußerungen der Italienerin. Albanese hatte Israels Politik mit der des Dritten Reichs verglichen und Ministerpräsident Benjamin Netanjahu mit Adolf Hitler gleichgesetzt. Außerdem fiel sie mit der antisemitischen Behauptung auf, die USA seien von einer „jüdischen Lobby unterjocht“.
Albanese weist die Rücktrittsforderungen zurück. In einem Interview mit dem italienischen Fernsehsender La7 sprach sie von einem „beispiellosen Angriff gegen eine Expertin der Vereinten Nationen“. Alle gegen sie erhobenen Vorwürfe seien falsch und diffamierend. UN-Sonderberichterstatter sind keine Mitarbeiter der Vereinten Nationen im eigentlichen Sinn, sondern gelten als unabhängige Experten. Die US-Regierung hatte Albanese bereits im Juli mit Sanktionen belegt. (rr)






