Die Jungwähler wenden sich von den Grünen ab und wechseln zur AfD und zur Linkspartei. Das war einer der zentralen Befunde der Bundestagswahl im vergangenen Jahr. Bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg sah es nun aber deutlich anders aus.
Fast jeder dritte 16 bis 24jährige stimmte laut infratest dimap für die Grünen – die Partei landete bei den Jungwählern mit 28 Prozent deutlich vor der Konkurrenz. AfD und CDU teilten sich den zweiten Rang und mussten sich mit jeweils 16 Prozent begnügen.

Linke kommt auf 14 Prozent
Auf die Linkspartei entfielen 14 Prozent der jungen Stimmen. Vor dem Hintergrund des Gesamtergebnisses (4,3 Prozent) ist das eine beeindruckende Zahl. Allerdings hatte die Reichinnek-Partei bei der Bundestagswahl noch 25 Prozent und damit so viele Jungwähler wie keine andere Partei hinter sich versammeln können.
SPD und FDP rangieren bei der Jugend in Baden-Württemberg unter ferner liefen. Beide kamen in dieser Wählergruppe auf sechs Prozent. 14 Prozent der 16 bis 24jährigen stimmten zudem für andere Parteien.
Grüne Jugend ist trotzdem unzufrieden
Bei der Jugendorganisation der Grünen dominierten am Wahlabend trotz des starken Abschneidens Zweifel am Kurs von Spitzenkandidat Cem Özdemir. Grund ist der eher bürgerliche Kurs des Ministerpräsidenten in spe. Die Grüne Jugend will, dass die Partei weiter nach links rückt.
Die Vorsitzende der Grünen Jugend, Henriette Held, sagte der Bild zufolge nach dem Wahlsieg ihrer Partei: „Wir freuen uns natürlich, dass die grüne Partei so ein gutes Ergebnis erzielen konnte. Aber jetzt geht es darum zu zeigen, dass wir keine CDU mit grünem Anstrich bekommen, sondern eine konsequente Klimapolitik.“ Ihr Co-Vorsitzender Luis Bobga äußerte sich bei ntv ähnlich. Es bleibe bei ihm „ein Fragezeichen hängen, ob das am Ende grüne Politik ist“.
Konkret forderten die beiden, Özdemir müsse nun linke Themen in den Vordergrund rücken, etwa Umverteilungsfragen, eine Vermögenssteuer und Wohnkosten. Darüber hinaus müsse er die Prüfung eines AfD-Verbotsverfahrens zur Bedingung für Koalitionsverhandlungen machen. Ferner müsse die Bundespartei verhindern, dass Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer ein Ministeramt in der neuen Landesregierung bekommt.






