DESSAU. Der Kabarettist Uwe Steimle hat die laufenden Ermittlungen gegen ihn scharf kritisiert. „Gegen das Missverstehenwollen bin ich ohnmächtig“, sagte er der JUNGEN FREIHEIT. „Es gibt da einen schönen Satz von Kurt Tucholsky: ‚In Deutschland gilt derjenige, der auf den Schmutz hinweist, als viel gefährlicher als derjenige, der den Schmutz macht’“
Zuvor war bekannt geworden, dass die Staatsanwaltschaft gegen den Komiker ein Verfahren nach Paragraph 126 des Strafgesetzbuches eingeleitet hat. Demnach macht sich strafbar, wer in einer Weise, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören, Straftaten ankündigt.
Stauffenberg-Enkel ist wütend
Anlass waren Äußerungen, die Steimle während eines Auftritts auf einer AfD-Veranstaltung in Sachsen-Anhalt getätigt hatte. Über Bundeskanzler Merz sagte er: „Wo ist eigentlich Stauffenberg, wenn man ihn mal wirklich braucht?“ Der Widerstandskämpfer Claus Schenk Graf von Stauffenberg hatte im Juli 1944 versucht, Adolf Hitler bei einem Bombenattentat zu töten.
„Wo ist eigentlich Stauffenberg, wenn man ohne mal wirklich braucht“ – sagt Kabarettist Steimle. Auf einer Veranstaltung mit #AfD Chef #Chrupalla und Spitzenkandidat #Siegmund. pic.twitter.com/XEpGvyYv4Y
— gabor halasz (@gaborhalasz1) July 14, 2026
Ein Enkel des Hitler-Attentäters Stauffenberg hatte Steimle daraufhin scharf kritisiert. „Ich bin sprachlos. Das ist Geschichtsklitterung par excellence“, sagte Karl Graf von Stauffenberg der Bild. Sein Großvater habe versucht, „Recht, Ordnung und Freiheit wiederherzustellen“. Die Äußerungen Steimles würden ihn in den Schmutz ziehen.
Streit um DDR-Hymne
Für Aufmerksamkeit hatte zudem eine Szene gesorgt, auf der Steimle gemeinsam mit AfD-Chef Tino Chrupalla und dem AfD-Spitzenkandidaten aus Sachsen-Anhalt, Ulrich Siegmund, die Nationalhymne der DDR sang (JF berichtete). Der entsprechende Text war in der DDR allerdings bereits ab den 70er Jahren verboten worden. „Ich wollte eigentlich auch noch die zweite Strophe singen, weil die noch immer tagesaktuell ist. Wir müssen nicht versuchen, kriegstüchtig zu sein, wir müssen friedenssüchtig sein“, betonte Steimle gegenüber der JF.
Auch Äußerungen über Ex-Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) werden von der Staatsanwaltschaft beanstandet. Angesichts des neuen Porträtbildes Merkels scherzte er: „Warum hat sie sich im Stehen malen lassen? Weil sie ahnt, sie wird bald sitzen.“ Im Moment hänge sie erst mal. Aber wenn „alle Stricke“ reißen würden, „dann stellen wir sie an die Wand. Uns wird schon was einfallen“. (lb)





