BERLIN. Beim Trauergottesdienst für die Opfer des islamistischen CSD-Attentats in Berlin hat Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) vor „Intoleranz“ gewarnt. „Nicht erst ein solcher Anschlag wie gestern Abend gefährdet unsere Freiheit“, sagte er am Sonntagnachmittag in der Marienkirche am Alexanderplatz. „Intoleranz, Ausgrenzung, Diskriminierung, dumme Redensarten, schlechte Witze sind ein Teil solcher Gewalt.“ Dafür erhielt er lautstarken Applaus.
In seiner Trauerrede zum islamistischen Terror auf dem CSD warnt der deutsche Kanzler vor…
Ja genau, vor schlechten Witzen! pic.twitter.com/ajByE5XwYI— Gr@ntlɘr 🥨🍺 (@oida_grantler) July 26, 2026
Merz versicherte, man werde alles tun, um „die Freiheit unseres Landes und unserer Gesellschaft“ zu schützen. „Und allen denjenigen, die meinen, mit ihren Bezeugungen und ihrem Tun unser Land zu spalten, Hass und Zwietracht zu säen, denen will ich sagen: Wir werden mit Bedacht, aber auch mit sehr großer Entschlossenheit alles tun, um genau das zu verhindern.“ Zum Schluss riet Merz den Gästen dazu, den „Gegnern unserer Gesellschaft“ das „fröhliche und das einvernehmliche Gesicht einer offenen, freiheitlichen und liberalen Gesellschaft“ zu zeigen.
„Hass ist tödlich“-Parolen auf CSD-Gedenkveranstaltung
Kurz vor der Rede des Bundeskanzlers hatten dennoch mehrere Besucher die Kirche aus Protest verlassen, berichtet das Nachrichtenportal „Der Westen“. Die Szene ist auf einem Instagram-Video zu sehen. In der Überschrift heißt es: „Die Menschen verlassen die Kirche wegen seiner Heuchelei.“ Die Kurzfilm-Urheberin von der Anti-AfD-Initiative „PRÜF Berlin“, Jana Goese, beklagte in einem weiteren Beitrag, Merz habe vom „Zirkuszelt“ gesprochen und habe sich geweigert, die Regenbogenfahne zu hissen. „Ich war live dabei und traute meinen Ohren nicht.“
Zuvor hatten einige LGBTQ-Gruppierungen eine eigene Trauerfeier für die Opfer und Hinterbliebenen des CSD-Anschlags vor dem Brandenburger Tor veranstaltet. Nach Angaben der Polizei waren bis zu 10.000 Versammelte vor Ort. Auf Plakaten, Bannern und Flaggen standen Parolen wie „Hass ist tödlich“ und „Von Trauer zu Wut und Widerstand“.
Ein Redner betonte, Solidarität dürfe kein Reflex nach einer Tragödie sein. „Sie beginnt nicht nach einem Anschlag, sondern dann, wenn die politischen Entscheidungen getroffen werden, ob queere Menschen sichtbar sein dürfen und ob queere Beratungsstellen weiter finanziert werden“, sagte ein Redner. Laut der taz habe er zudem dazu aufgerufen, den Hass „nicht auf Menschen mit Migrationsgeschichte“ zu übertragen. Eine weitere Rednerin sagte zudem, sie habe darauf gehofft, dass der Täter „kein Kanacke“, sondern „eine christliche, weiße Person“ sei.
Normale Menschen: „Hoffentlich ist niemand gestorben.“
Linke: „Hoffentlich war es ein weißer Christ.“#b2507 #CSD #Berlin pic.twitter.com/YBEQHqy9Uo
— Wustdorf (@wustdorf44883) July 26, 2026
Der islamistische Täter war längst polizeibekannt
Am selben Abend hatte die Neuköllner Linkspartei vor zunehmender „Queer- und Transfeindlichkeit“ durch das „Erstarken der Rechten und antifeministischer Kräfte“ in einem Beitrag auf Instagram gewarnt. „Die gezielte Verbreitung queer- und transfeindlicher Ideologie durch rechte und konservative Akteure bereitet den Boden für Angriffe wie den gestrigen.“
Kein Wort von Islamismus. Rechte und Konservative hätten Boden bereitet. Kampf gegen rassistische, antimuslimische oder sonstige reaktionäre Hetze. Die Linke Neukölln zum Anschlag auf den CSD. pic.twitter.com/kC1gVLt2tu
— Gerrit Seebald (@garstigergerrit) July 27, 2026
Die Linken-Spitzenkandidatin zur Berliner Abgeordnetenhauswahl, Elif Eralp, betonte hingegen, dass „vieles“ auf einen „islamistisch motivierten Hassanschlag“ hindeute. „Jede Form der menschenverachtenden Gewalt verurteile ich, sie muss verfolgt werden“, schrieb sie auf dem Kurznachrichtendienst X.
Nach allem, was wir aus den Medien wissen, deutet vieles auf einen islamistisch motivierten Hassanschlag hin. Jede Form der menschenverachtenden Gewalt verurteile ich, sie muss konsequent verfolgt werden. In Berlin müssen alle Menschen in Sicherheit leben können. (3/3)
— Elif Eralp (@ElifEralpBerlin) July 26, 2026
Am Sonntagabend hatte die Polizei nach einer Fahndung den mutmaßlichen CSD-Attentäter, Abdul Ballout, während des Festnahmeversuchs erschossen (JF berichtete). Der 21jährige war seit Jahren polizeibekannt und wollte sich 2025 dem Islamischen Staat (IS) in Syrien anschließen. Aus diesem Grund hatte sich Ballout noch vor seiner Festnahme in Berlin in Haft im Libanon befunden. Allerdings ließ ihn die libanesische Justiz nach drei Monaten frei, woraufhin er nach Deutschland zurückkehrte. Dort wurde er aber erneut festgenommen. Später hatte ihn das Amtsgericht Tiergarten zu einem Jahr und zehn Monaten Haft auf Bewährung verurteilt.
Am späten Samstagabend war er zunächst mit einem weißen Transporter in die CSD-Besuchermenge am Tiergarten gerast (JF berichtete). Anschließend soll er nach Angaben der Polizei mehrere Personen durch „Stichwerkzeuge“ verletzt haben, darunter mit einer Machete. Dabei starb eine Frau, weitere 29 Personen wurden verletzt. Inzwischen sind die Verletzten außer Lebensgefahr. (kuk)





