BERLIN. Jens Spahn hat nach der Leihmutter-Affäre seinen Rücktritt als Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion erklärt. In einem Schreiben an die Abgeordneten der Union teilte der CDU-Politiker mit, er habe die Parteivorsitzenden von CDU und CSU, Friedrich Merz und Markus Söder, über seinen Schritt informiert.
Spahn schreibt, ihm sei in den vergangenen Tagen bewusst geworden, „dass mein persönliches Glück, gemeinsam mit meinem Mann eine Familie zu gründen und Vater zu werden, nicht vereinbar ist mit meinem politischen Amt“.
Der „Spagat“ zwischen seiner privaten Entscheidung zu einem Kind durch Leihmutterschaft und der Erwartung an ihn als Fraktionsvorsitzenden sei größer geworden, als er es erwartet habe. Der Rücktritt folgt auf wachsenden Druck aus der Union. Zuletzt hatte auch Kanzler Friedrich Merz ihn dazu aufgefordert. Spahn und sein Ehemann Daniel Funke waren in den USA mithilfe einer Leihmutter Eltern geworden. Funke ist der leibliche Vater, Spahn hat das Kind adoptiert. In Deutschland sind die Vermittlung von Leihmutterschaften und die ärztliche Mitwirkung daran verboten. Die CDU lehnt die Praxis auch in altruistischen Modellen ab (die JF berichtete).

Druck auf Spahn wurde zu groß
Zuvor hatten mehrere Stimmen aus Partei und Umfeld Konsequenzen gefordert. Die thüringische Frauen-Union-Landesvorsitzende Marion Rosin hatte erklärt, bei verlorener Glaubwürdigkeit sei „Rücktritt eine Frage der Konsequenz“. Auch die Lebensrechtsorganisation ALfA forderte Spahn auf, Amt und Mandat zur Verfügung zu stellen.
Besonders heikel war der Fall, weil Spahn früher selbst eine kritische Haltung zur Leihmutterschaft öffentlich vertreten hatte. Als Gesundheitsminister ließ sein Haus 2020 eine FDP-Forderung nach teilweiser Legalisierung zurückweisen. Begründet wurde dies damals unter anderem mit dem Kindeswohl.

„Meine Familie ist mir das Wichtigste“
In seinem Schreiben dankte Spahn der Fraktion, dem Fraktionsvorstand und den Koalitionspartnern für die Zusammenarbeit. Zugleich äußerte er sich zur öffentlichen Debatte der vergangenen Tage. Die „zunehmende Unerbittlichkeit in der öffentlichen Auseinandersetzung“ habe ihn nachdenklich gemacht.
Spahn rief dazu auf, „bei aller Klarheit und Entschiedenheit in der Sache immer auch menschlich im Ton“ zu bleiben. Am Ende seines Schreibens stellte er seine persönliche Entscheidung in den Vordergrund: „Meine Familie ist mir das Wichtigste.“ (rr)






