AUGSBURG. Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) hat die katholische Kirche zurechtgewiesen und zur Rückbesinnung gemahnt. „Wenn Kirche den Eindruck macht, sie sei wie ein Parteitag – ganz gleich welcher Partei –, wird sie nicht das erfüllen, was die Menschen in ihr suchen.“ Stattdessen müsse sie „mehr sein als eine Nichtregierungsorganisation, die gesellschaftspolitische Wünsche im Hier und Jetzt erfüllen soll“, sagte Klöckner gegenüber der Augsburger Allgemeinen am Freitag.
Die Kirchen sollten den Bürgern spirituelle Impulse bieten. Wenn sie „dem Zeitgeist gefallen und sich ständig neuen innerweltlichen Trends anpassen will, verliert sie ihr Alleinstellungsmerkmal“.
Zwar könne sich die Kirche auch „um Verkehrsregeln kümmern“, aber sie dürfe „sich in der Wahrnehmung doch nicht darin erschöpfen“. Sie müsse sich selbst treu bleiben, „über das Hier und Jetzt hinausweisen und Halt bieten in den grundlegenden Fragen, denen von Anfang und Ende des Lebens“, mahne Klöckner.
In anderen Ländern findet die Kirche mehr Zustimmung
Im Vergleich zu Deutschland gewinne die Kirche etwa in England und Frankreich an Zustimmung. „Nicht, weil sie tagespolitisch ist, sondern weil sie es eben nicht ist und die Sinnfragen des Lebens stärker in den Blick nimmt“, merkte die Bundestagspräsidentin an.

Besonders die jüngere Generation suche in einer Zeit voller „Krisen, Kriege oder Klimafragen“ nach einem Sehnsuchtsort. „Das kann keine NGO leisten, aber Kirche hat genau hier Relevanz.“ Sie könne mit „ihren Ritualen, der Liturgie, den jahrtausendealten Geschichten der Bibel“ der gewünschte Anziehungspunkt sein.
AfD-Funktionäre vom Katholikentag ausgeschlossen
Für Klöckner sei es kein Problem, dass es in der Glaubensgemeinschaft unterschiedliche Meinungen gebe. „Dass Kardinal Marx – wie ich finde zurecht – sagt, dass homosexuelle Paare gesegnet werden sollen, der Papst das aber anders sieht, ist so ein Beispiel.“ Darüber dürfe inhaltlich und „den Ton nicht verletzend“ gestritten werden.
Obwohl die Bundestagspräsidentin für einen argumentativen Austausch sei, widersprach sie nicht der Entscheidung, dass AfD-Politiker vom Katholikentag ausgeschlossen werden. „Das habe ich nicht zu entscheiden, da ich weder in der Organisation des Katholikentages noch im Zentralkomitee der Katholiken bin.“ (mas)





