MAGDEBURG. Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff hat angekündigt, sein Amt noch vor dem Ende der laufenden Legislaturperiode abzugeben. Das berichteten die Mitteldeutsche Zeitung sowie die Frankfurter Allgemeine Zeitung übereinstimmend. Nachfolger soll Wirtschaftsminister Sven Schulze werden, der bereits als Spitzenkandidat der CDU für die Landtagswahl 2026 nominiert ist.
Nach Informationen der Mitteldeutschen Zeitung soll sich Schulze Ende Januar im Landtag zur Wahl stellen. Zuvor soll am Montag ein Treffen der Parteiführungen von CDU, SPD und FDP stattfinden, um das Vorgehen innerhalb der Koalition abzustimmen.
Schulze selbst äußerte sich zurückhaltend. Gegenüber dem MDR sagte er, er könne den Bericht nicht bestätigen und werde sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht dazu äußern. Die CDU Sachsen-Anhalt hatte Schulze bereits im November zum Spitzenkandidaten für die Landtagswahl am 6. September 2026 gewählt. Haseloff hatte damals erklärt, nicht erneut anzutreten, zugleich aber angekündigt, das Amt zunächst weiterzuführen.
Sozialdemokraten überrascht über Haseloff
Bereits im August hatte Haseloff gesagt, diese Legislaturperiode werde seine letzte sein. Zugesagt gewesen sei, den Nachfolgekandidaten ein Jahr vor der Wahl zu benennen, um den Wahlkampf faktisch zu eröffnen. Haseloff ist seit 2011 Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt. Der 71jährige führt derzeit eine Koalition aus CDU, SPD und FDP. Schulze ist nicht nur Wirtschaftsminister, sondern auch Landesvorsitzender der CDU.
Die Sozialdemokraten reagierten auf die Ankündigung zurückhaltend. Man nehme die Berichte über einen möglichen Wechsel an der Spitze der Landesregierung zur Kenntnis, teilte die Partei mit. Es handele sich um einen internen Vorgang der CDU. Ein möglicher Wechsel im Amt sei mit den Koalitionspartnern zu klären und werde im Landesvorstand beraten. Grundlage der Zusammenarbeit bleibe der Koalitionsvertrag, Ziel sei der Fortbestand der sogenannten Deutschland-Koalition.
In der AfD wurde der vorzeitige Rückzug Haseloffs als Beleg für die Inkonsequenz der CDU gedeutet. „ Heute sehen wir wieder einmal aufs Neue, dass die CDU nicht einmal in Personalangelegenheiten in der Lage ist, ihre eigenen Wahlversprechen zu halten“, teilte der Landesvorsitzende Martin Reichardt mit. Mit dem Personalwechsel würden die Christdemokraten ihre „Verzweiflung“ offenbaren. Die Bürger würden sich davon jedoch nicht beeindrucken lassen und, da zeigte sich Reichardt sicher, am 6. September ihr Kreuz bei der AfD machen.
Aktuelle Umfragen sehen die AfD in dem Bundesland mit 40 Prozent klar vor der CDU, die mit 26 Prozent rechnen könnte. Die Linkspartei käme auf elf Prozent. SPD und BSW müssen mit jeweils sechs Prozent um den Wiedereinzug in den Landtag bangen. Grüne und FDP haben mit drei Prozent derzeit wenig Chancen, wieder im Parlament vertreten zu sein. (sv)






