BERLIN. Der Spitzenkandidat der AfD in Sachsen-Anhalt, Ulrich Siegmund, hat die Vorwürfe der Vetternwirtschaft als „orchestrierte Kampagne“ zurückgewiesen. Die Kritik entbehre „jeder Verhältnismäßigkeit“, betonte Siegmund im exklusiven TV-Interview mit der JUNGEN FREIHEIT.
Es mache einen Unterschied, ob, wie im Fall des Grünen-Politikers Patrick Graichen, Stellen bei der Regierung mit Verwandten besetzt werden, oder ob ein Abgeordneter sich sein eigenes Büroteam zusammenstelle. Dort brauche es eine gesteigerte Loyalität. Zugleich wies der Politiker die Behauptung zurück, daß sein Vater bei einem AfD-Bundestagsabgeordneten mehr als 7.700 Euro verdient.
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Vater soll deutlich weniger verdienen
Dies sei eine „veraltete Zahl“. Die Summe habe er lediglich projektbezogen für einige Monate erhalten. Regulär verdiene er nun unter 5.500 Euro. Dies sei auch angemessen, da sein Vater Diplom-Ingenieur sei und im Bundestag gute Arbeit leiste. „Ich kann meinem Vater nicht vorschreiben, wo er sich bewirbt, und den Abgeordneten nicht, wen sie anstellen.“
Dennoch zeigte sich Siegmund auch selbstkritisch. Die Brisanz der Vorwürfe habe er „höchstwahrscheinlich unterschätzt“. Grundsätzlich gebe es „eine gewisse Häufung“ von eingestellten Familienmitgliedern, da diese nach der Gründung der AfD mit noch wenigen Mitgliedern, oft zusammen Aufbauarbeit geleistet hätten. Da der Landesverband nun mehr als 3.000 Mitglieder habe, würden sich solche Häufungen aber mit der Zeit auch auflösen.
Kritik an AfD-Abgeordneten und der Union
Kritik äußerte der Spitzenkandidat am ehemaligen Generalsekretär seines Landesverbandes, Jan Wenzel Schmidt. Viele Mitglieder hätten den Verdacht, dieser sei von Geheimdiensten gesteuert. Er selbst könne dazu natürlich nichts sagen, sprach aber von einem „mutmaßlichen V-Mann“.
Schmidt hatte bereits Ende Dezember, nachdem er innerparteilich unter Druck geraten war, angekündigt, Belege vorzulegen, die zeigten, daß AfD-Landtagsabgeordnete Ehefrauen, Kinder oder Geschwister von Mitgliedern des Landesvorstands beschäftigten (JF berichtete). Außerdem behauptet er, AfD-Parlamentarier hätten Dienstreisen gegenüber dem Landtag Sachsen-Anhalt falsch abgerechnet.
Der CDU warf Siegmund „Doppelmoral“ vor, wenn diese jetzt die AfD kritisiere. „Was bei anderen toleriert wurde, wird bei der AfD skandalisiert.“ (ho)
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