HAMBURG. Das Erzbistum Hamburg hat mit Beginn des neuen Schuljahres sein umstrittenes Konzept für sexuelle Bildung an allen 15 katholischen Schulstandorten eingeführt. Das 33 Seiten starke Rahmenkonzept mit dem Titel „Männlich, weiblich, divers“ soll fächerübergreifend von der ersten Klasse bis zur gymnasialen Oberstufe umgesetzt werden. Jede Schule musste dafür ein eigenes Curriculum erstellen.
Bereits Erstklässler sollen lernen, „unabhängig von der geschlechtlichen Identität und sexuellen Orientierung“ vielfältige Lebensmodelle zu akzeptieren.
In der zweiten Klasse stehen unterschiedliche Familienformen auf dem Plan, in den Klassen fünf und sechs sollen die Schüler verschiedene sexuelle Identitäten wahrnehmen und die Vielfalt von Menschen und ihren Beziehungsformen anerkennen. Das Papier beschreibt Sexualität unter Berufung auf den Sexualwissenschaftler Uwe Sielert als „allgemeine Lebensenergie“. Menschen seien vom ersten bis zum letzten Atemzug sexuelle Wesen. Zur geschlechtlichen Vielfalt heißt es, das biologische Geschlecht müsse nicht mit der „sozialen Identität“ übereinstimmen. Genannt werden neben Mann und Frau auch Transidentität, Intergeschlechtlichkeit und eine nichtbinäre Identität.

Vatikan schaltet sich mit Schreiben an Hamburg ein
Das Erzbistum will mit dem Konzept nach eigenen Angaben Selbstbestimmung und Selbstschutz der Kinder stärken. Generalvikar Sascha-Philipp Geißler bezeichnete das Papier bei seiner Vorstellung als Schritt zu einer „zeitgemäßen, werteorientierten und wissenschaftlich fundierten Sexualpädagogik“. Die katholische Kirche müsse ihre Einstellung zur Sexualität ständig weiterentwickeln und die Vielfalt sexueller Orientierungen und geschlechtlicher Identitäten akzeptieren.
Ein Netzwerk aus mehr als 200 Eltern, Pädagogen, Ärzten und Juristen wirft dem Erzbistum dagegen vor, Kinder zu früh zu sexualisieren und mit der katholischen Lehre zu brechen. Im Konflikt mit den Eltern könne es laut dem Rahmenkonzept Aufgabe der Schule sein, „auf Seiten der Kinder zu stehen“. Das Elternnetzwerk sieht darin einen Angriff auf das vorrangige Erziehungsrecht der Eltern und wandte sich deshalb an den Vatikan.
Das Dikasterium für Kultur und Bildung hat daraufhin bestätigt, dass weiterhin das vatikanische Dokument „Als Mann und Frau“ von 2019 maßgeblich sei. Darin weist Rom die radikale Trennung des biologischen vom sozialen Geschlecht zurück. Die sexuelle Differenz zwischen Mann und Frau sei für die menschliche Identität grundlegend. Zudem dürften andere Beteiligte am Erziehungsprozess nur mit Zustimmung und im Auftrag der Eltern handeln.
Erzbischof Heße hält an neuen Lehrplänen fest
Das Schreiben erwähnt das Hamburger Konzept allerdings nicht ausdrücklich und nimmt auch zu den einzelnen Beschwerden der Eltern keine Stellung. Gestützt auf die grundsätzliche Bestätigung der vatikanischen Position hat das Elternnetzwerk dennoch 20 nach seiner Ansicht schwerwiegende Widersprüche zwischen Hamburg und Rom zusammengestellt. Sie betreffen das Menschenbild, die Stellung von Ehe und Familie sowie die Rechte der Eltern.
Jetzt forderte das Netzwerk Erzbischof Stefan Heße erneut auf, das Konzept zurückzunehmen. Nach einem Bericht von CNA Deutsch erhielt es darauf keine Antwort. Das Erzbistum hatte zuvor erklärt, das Konzept habe bei der Gesamtelternvertretung, den Schulleitungen und den Beauftragten für Schulpastoral „große Zustimmung“ gefunden. Ab dem Schuljahr 2027/28 will der Schulträger untersuchen, welche Wirkung die neuen Lehrpläne an seinen Schulen entfalten.






