STUTTGART. Bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg haben moslemische Wähler überdurchschnittlich häufig linke Parteien unterstützt. Laut einer Wahltagsbefragung der Forschungsgruppe Wahlen, über die die evangelische Nachrichtenagentur IDEA berichtet, entfielen 20 Prozent in dieser Gruppe auf die SPD und 17 Prozent auf die Linkspartei. Beide Parteien kamen insgesamt allerdings nur auf 5,5 beziehungsweise 4,3 Prozent.
Unterdurchschnittlich schnitten dagegen die Grünen mit Spitzenkandidat Cem Özdemir ab. Sie erhielten insgesamt mehr als 30 Prozent aller Stimmen bei der Landtagswahl, aber nur 16 Prozent unter moslemischen Wählern. Unterdurchschnittlich waren auch die Ergebnisse der AfD mit acht Prozent (Gesamt: 18,8 Prozent) und der CDU mit 16 Prozent (Gesamt: 29,7 Prozent).
CDU punktet bei alten Kirchengängern
Besonders stark blieb die CDU dagegen unter älteren Katholiken. In der Gruppe der über 60jährigen Katholiken erreichte sie 47 Prozent und kam damit näher an die absolute Mehrheit heran als jede andere Partei in einer vergleichbaren konfessionellen Altersgruppe. Bei jüngeren Protestanten zwischen 16 und 34 Jahren fiel der Wert der Union dagegen auf 17 Prozent. Damit ergibt sich zwischen beiden Gruppen ein Abstand von 30 Prozentpunkten.
Unter Konfessionslosen kam die CDU nur auf 20 Prozent. Noch schwächer war ihr Ergebnis lediglich unter Moslems mit 16 Prozent. Die Grünen profitierten dagegen besonders stark von konfessionslosen Wählern. Sie erreichten in dieser Gruppe 37 Prozent und lagen damit deutlich über ihren Werten unter Katholiken mit 27 Prozent und Protestanten mit 30 Prozent.
Ein Unterschied zeigte sich auch bei der Häufigkeit des Gottesdienstbesuchs. Nach den Befragungen spielte dieser Faktor für SPD, FDP, Linkspartei und AfD praktisch keine erkennbare Rolle. Bei CDU und Grünen wirkte er sich dagegen aus. Wer regelmäßig Gottesdienste besuchte, wählte häufiger die CDU (jede Woche: 40 Prozent; ab und zu: 41 Prozent; selten oder nie: 30 Prozent). Wer selten oder nie am Kirchgang teilnahm, entschied sich etwas öfter für die Grünen (jede Woche: 25 Prozent; ab und zu: 26 Prozent; selten, nie: 30 Prozent).
AfD bei jüngeren Christen beliebt
Auch Geschlecht und Alter wirkten sich aus. Die AfD schnitt vor allem bei männlichen Kirchenmitgliedern überdurchschnittlich ab. Unter katholischen Männern wählten sie 20 Prozent, unter evangelischen Männern 23 Prozent. Bei Frauen lagen die Werte mit 15 Prozent unter Katholiken und 16 Prozent unter Protestanten merklich niedriger. Umgekehrt erzielten die Grünen bei katholischen und evangelischen Frauen jeweils bessere Ergebnisse als bei den Männern derselben Konfession.
Bei jüngeren Kirchenmitgliedern lag die AfD zudem teils vor der CDU. Unter Katholiken bis 34 Jahre erreichte sie 25 Prozent, unter Protestanten derselben Altersgruppe 24 Prozent. Die CDU kam dort nur auf 22 beziehungsweise 17 Prozent. Während ältere Katholiken also weiter klar zur Union tendierten, zerfiel diese Bindung bei jüngeren kirchlich gebundenen Wählern deutlich. (sv)







