BERLIN. Frauen haben laut einer aktuellen Studie eine größere Anfälligkeit für „manifest rechtsextreme Einstellungen“ als Männer in Deutschland. Von insgesamt 4.000 befragten Personen hätten 6,5 Prozent der Frauen derartige Attitüden gezeigt, unter Männern sei das nur bei 4,2 Prozent der Fall gewesen, heißt es im „Motra-Monitor 2024/25“ des Forschungsprojekts „Monitoringsystem und Transferplattform Radikalisierung“, das vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt, dem Bundesministerium des Innern sowie dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert wird.
Das sei der bisherige Höchststand bei der Studie. 2024 habe der Wert bei Frauen noch 5,6 Prozent betragen, 2023 nur fünf Prozent. Bei Männern sei die Zustimmung hingegen zurückgegangen. 2024 habe man unter männlichen Befragten noch einen Wert von 5,6 Prozent gemessen, 2023 einen Wert von fünf Prozent.
„Dieser Unterschied ist statistisch signifikant“, heißt es in der Studie. Die Anfälligkeit für „Rechtsextremismus“ in Abhängigkeit von der Geschlechtszugehörigkeit habe sich „im Verlauf der letzten fünf Jahre also umgekehrt“.
Jüngere Befragte sind häufiger „rechtsextrem“
Nach Aussage des Studienleiters und Kriminologen Peter Wetzels stimmten Frauen „doppelt so häufig der Aussage zu: ’Es gibt zu viele Ausländer in Deutschland’“, berichtet der Stern. Verantwortlich für diese Entwicklung sei vor allem die Wahrnehmung der deutschen Migrationspolitik und die Reaktionen auf Konflikte im Nahen Osten, speziell auf den Hamas-Angriff vom 7. Oktober 2023.
Zudem sei die Affinität für „rechtsextremes, autoritäres Gedankengut“ unter jüngeren Befragten höher als unter älteren. „Im Jahr 2025 finden sich bei unter 40jährigen 27,3 Prozent, die eine Offenheit für rechtsextremes Gedankengut erkennen lassen“, heißt es im Text. Zusätzlich seien 5,7 Prozent der Jüngeren „manifest rechtsextrem eingestellt“. Insgesamt sei demnach „ein Drittel der jüngeren Generation mindestens offen für autoritäres, rechtsextremes Gedankengut“.
Fast 50 Prozent der Muslime sind offen für Islamismus
Ein ähnliches Bild zeige sich auch im Islamismus. „Manifeste islamistische Einstellungen“ seien bei Muslimen, die jünger als 40 Jahre sind, „mit 11,5 Prozent am stärksten verbreitet“. In dieser Altersgruppe habe es seit 2021 auch den höchsten Anstieg an „islamismusaffinen Einstellungen“ gegeben. Insgesamt seien mehr als 45 Prozent der in Deutschland lebenden jüngeren Muslime islamistisch eingestellt oder zeigten Tendenzen in diese Richtung.
„Im Einklang mit Ergebnissen früherer Studien“ zeige sich zudem, dass „antisemitische Einstellungen bei Personen mit muslimischer Religionszugehörigkeit besonders weit verbreitet“ seien. Mehr als 27 Prozent hätten verfestigte antisemitische Einstellungen. 2021 lag dieser Wert noch bei 12,5 Prozent. (lb)






