BERLIN. Der Platz vor dem Bahnhof Lichtenberg in Berlin bekommt einen neuen Namen. Der Bezirk will ihn nach einem obdachlosen Mann aus Moldawien benennen, der bei einem Ladendiebstahl erwischt und von dem Filialleiter mißhandelt wurde. Tage später verstarb der Obdachlose an den zu spät behandelten Folgen eines Hirntraumas.
Die Mehrheit von SPD, Grünen und Linkspartei des Bezirksamtes Lichtenberg beschloß gegen die Stimmen von CDU, AfD und FDP die Benennung des Platzes, die nun amtlich veröffentlicht wurde. Neben dem Namen soll der Platz eine Gedenktafel mit der Inschrift erhalten: „An der rechten Motivation für diese menschenverachtende Tat bestand vor Gericht kein Zweifel.“
Berliner Anwohner sind skeptisch
Anwohner sehen das anders, wie die BZ Berlin berichtete. „Er war Alkoholiker. Die Zustände hier stören viele Leute. Sie sitzen auch vor unserem Hauseingang, streiten viel, nehmen keine Rücksicht“, schilderte der 66jährige Nuri Turan die Verhältnisse vor Ort. Andere kritisierten die Ehrung eines Kriminellen oder äußerten Zweifel an einer politischen Motivation der Tat. „Es gibt viele Opfer, die keinen Platz bekommen“, sagte eine Frau.
Botnari kam 2015 mit der Flüchtlingswelle nach Deutschland, wo er polizeilich auffiel. Zuletzt hielt sich der Obdachlose in der Gegend um den Bahnhof Lichtenberg auf. In einer nahegelegenen Edeka-Filiale erhielt er wegen verschiedener Delikte Hausverbot. Dennoch erwischte ihn Filialleiter André S. im September 2016 bei dem Versuch, eine Schnapsflasche zu stehlen.
„Zeichen gegen menschenfeindliche Diskriminierung“
André S. soll den Ladendieb daraufhin schwer verprügelt haben. Drei Tage später verstarb Botnari in einem Unfallkrankenhaus, nachdem der nicht krankenversicherte Moldawier erst spät zu einem Arzt ging. André S. wurde wegen Körperverletzung mit Todesfolge zu drei Jahren und drei Monaten Haft verurteilt.
Die Platzbenennung solle „ein klares Signal setzen, daß Gewalt, Rassismus, Antisemitismus und jede andere Form menschenfeindlicher Diskriminierung keinen Platz haben hier in Lichtenberg“, hofft der rot-rot-grün geführte Bezirk. Gegen die Benennung kann noch Einspruch erhoben werden.
Aus der AfD kam Kritik an der Umbenennung. „Warum der Lichtenberger Bahnhofsvorplatz nach einem Opfer von Selbstjustiz benannt werden soll, erschließt sich nicht. Es wird ja nicht jedes Gewaltopfer mit einer Platzbenennung geehrt“, sagte der Bezirksverordnete Heribert Eisenhardt. (JF)