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Ein Arzt berät eine Mutter und ihre Tochter im Impfzentrum Foto: picture alliance/dpa | Sina Schuldt
Ein Arzt berät eine Mutter und ihre Tochter im Impfzentrum Foto: picture alliance/dpa | Sina Schuldt

Kampf gegen Pandemie
 

Stiko empfiehlt Corona-Impfung von gesunden Kindern

BERLIN. Die Ständige Impfkommission (Stiko) hat eine Empfehlung zur Corona-Impfung für alle zwölf- bis 17jährigen ausgesprochen. „Nach sorgfältiger Bewertung von neuen wissenschaftlichen Beobachtungen und Daten kommt die Stiko zu der Einschätzung, daß nach gegenwärtigem Wissenstand die Vorteile der Impfung gegenüber dem Risiko von sehr seltenen Impfnebenwirkungen überwiegen“, teilte die Organisation am Montag morgen mit.

Am 10. Juni noch hatte die Stiko Impfungen nur für Kinder und Jugendliche empfohlen, die unter Vorerkrankungen litten. Doch aufgrund neuer Überwachungsdaten aus dem US-amerikanischen Impfprogramm mit knapp zehn Millionen Minderjährigen „können mögliche Risiken der Impfung für diese Altersgruppe jetzt zuverlässiger quantifiziert und beurteilt werden“. So sei es nur sehr selten zu Herzmuskelentzündungen bei männlichen Jugendlichen gekommen, die als Impfnebenwirkungen gewertet würden. Bei entsprechender medizinischer Versorgung im Krankenhaus seien diese ohne Komplikationen verlaufen.

Unterdessen warnte der Vizepräsident der Ärztekammer Sachsen-Anhalt, Thomas Dörrer, davor, Impfdruck auf Eltern und Kinder auszuüben. „Der Nutzen einer Impfung ist für Kinder überhaupt nicht vorhanden“, sagte er am Montag der Mitteldeutschen Zeitung. Über die Gefahr der Delta-Variante für Kinder sei außerdem nur wenig bekannt. Daher müßten Eltern und Kinder die Risiken möglicher Impfrisiken und die Gefahr durch das Virus abwägen können.

Ärzteverbände kritisieren Impfempfehlung für Kinder

Laut Angaben des Gesundheitsministeriums in Magdeburg sei zudem in dem Bundesland bislang kein Kind an Corona gestorben. Keiner der bisherigen Corona-Toten war demnach jünger als 24 Jahre. Außerdem seien von den 4.691 Corona-Patienten, die in einem Krankenhaus behandelt werden mußten, nur 55 minderjährig gewesen. Das entspreche einem Anteil von weniger als einem Prozent.

Bereits Anfang August hatten mehrere Ärzteverbände den Beschluß der Gesundheitsminister von Bund und Ländern kritisiert, die Corona-Impfung künftig auch allen gesunden Kindern im Alter von zwölf bis 17 Jahren zu empfehlen. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) warb für die Immunisierung: „Jeder, der will, kann im Sommer geimpft werden. Wir haben genügend Impfstoff für alle Altersgruppen.“

Die Zustimmung von Ärzten zur Corona-Impfung sei insgesamt groß, bestätigte der Kinderarzt und stellvertretende Direktor der Münchner Klinik Großhadern, Johannes Hübner, damals. Davor müsse es aber „vernünftige Daten“ geben. Die Zahl der Testpersonen bei Corona-Impfstudien sei bislang so niedrig, daß seltenere Verläufe in den Untersuchungen nicht ausreichend berücksichtigt würden. „Für verläßliche wissenschaftliche Aussagen reicht das nicht aus. Und die braucht man, wenn man ruhigen Gewissens gesunde Kinder impfen will“, mahnte Hübner. (ag)

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