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Kinderimpfung (Symbolbild): Ärzteverbände wollen verläßliche Daten abwarten, bevor Minderjährige geimpft werden
Kinderimpfung (Symbolbild): Ärzteverbände wollen verläßliche Daten abwarten, bevor Minderjährige geimpft werden Foto: picture alliance / Laci Perenyi

Beschluß der Gesundheitsminister
 

Ärzteverbände kritisieren Corona-Impfempfehlung für Kinder

BERLIN. Mehrere Ärzteverbände haben den Beschluß der Gesundheitsminister von Bund und Ländern kritisiert, die Corona-Impfung künftig auch allen gesunden Kindern im Alter von zwölf bis 17 Jahren zu empfehlen. Mit der Entscheidung mißachte die Behörde die Kompetenz der Ständigen Impfkommission (Stiko) und verursache Verunsicherung in der Bevölkerung, sagte der Vorsitzende des Deutschen Hausärzteverbands, Ulrich Weigeldt, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Es sei ihm schleierhaft, weshalb das Gesundheitsministerium nicht auf die Empfehlung der Stiko warte, die sich „auf der Basis von fundierten Studien“ zeitnah äußern wolle. Das Risiko liege ohnehin mehr bei den Erwachsenen als bei Jugendlichen. Das Ganze klinge ein wenig nach „Wahlkampfgetöse“.

Ärzte verweisen auf Stiko

Obwohl die Stiko Jugendlichen eine Corona-Impfung bislang nur dann empfiehlt, wenn sie mit hoher Wahrscheinlichkeit schwer an dem Virus erkranken würden, hatten die Gesundheitsminister von Bund und Ländern am Montag beschlossen, das Impfangebot auch auf gesunde Kinder auszuweiten. „Jeder, der will, kann im Sommer geimpft werden. Wir haben genügend Impfstoff für alle Altersgruppen“, bekräftigte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Die Stiko will sich in den kommenden zehn Tagen zu einer Empfehlung für oder gegen die Kinderimpfung äußern.

Auch der Bundesverband der Kinder- und Jugendärzte verweist auf die Stiko. „Die Ständige Impfkommission ist die medizinische Expertengruppe, hier sollten die Entscheidungen fallen, was richtig und falsch ist, und nicht in der Politik“, sagte der Bundespressesprecher des Verbandes, Jakob Maske, gegenüber dem Sender Phoenix.

Urteil über Impfung müsse medizinisch sein, nicht politisch

Grund für die Zurückhaltung des Gremiums sei eine noch nicht ausreichend gesicherte und ausgewertete Datenlage über Nebenwirkungen wie Herzmuskelentzündungen bei den Minderjährigen. „Wir machen keine große Angst vor der Impfung, aber wir wollen hundertprozentige Sicherheit für die Kinder und Jugendlichen. Und da verlassen wir uns nicht auf ein politisches Urteil über die Impfung, sondern lieber auf ein medizinisches“, führte Maske aus.

Die Zustimmung von Ärzten zur Corona-Impfung sei insgesamt groß, bestätigte der Kinderarzt und stellvertretende Direktor der Münchner Klinik Großhadern, Johannes Hübner, im Gespräch mit der FAZ. Davor müsse es aber „vernünftige Daten“ geben. Die Zahl der Testpersonen bei Corona-Impfstudien sei bislang so niedrig, daß seltenere Verläufe in den Untersuchungen nicht ausreichend berücksichtigt würden. „Für verläßliche wissenschaftliche Aussagen reicht das nicht aus. Und die braucht man, wenn man ruhigen Gewissens gesunde Kinder impfen will“, mahnte Hübner. (zit)

Kinderimpfung (Symbolbild): Ärzteverbände wollen verläßliche Daten abwarten, bevor Minderjährige geimpft werden Foto: picture alliance / Laci Perenyi
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