Ruinen von Bürgerhäusern und Trümmerberge am Marktplatz in der Altstadt von Warschau, aufgenommen 1945 Foto: dpa – Report
Aufbau des Sächsischen Palais

Geld für Polen: Weyel bringt Rückgabe des Deutschlandlieds ins Spiel

BERLIN. Der AfD-Bundestagsabgeordnete Harald Weyel hat die Bundesregierung aufgefordert, möglichen polnischen Reparationsforderungen zum Aufbau des Sächsischen Palais in Warschau nicht ohne entsprechende polnische Gegenleistung zuzustimmen.

Anlaß ist die Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage Weyels, laut der Deutschland die Diskussion um den Wiederaufbau des Sächsischen Palais „aufmerksam“ verfolge. Eine Anfrage polnischer Behörden an Berlin habe es bislang aber nicht gegeben.

„Geste des guten Willens“

Zuvor hatte die Bild-Zeitung berichtet, Polen erhoffe sich Geld aus Deutschland, da die Kosten für den Wiederaufbau in Höhe einer dreistelligen Millionensumme lägen. Weyel sagte in diesem Zusammenhang, Deutschland dürfe sich bei der Frage eines möglichen Wiederaufbaus nicht erpressen lassen. „Wenn die Bundesregierung so etwas aufmerksam verfolgt, ist Vorsicht geboten“, warnte er gegenüber der JUNGEN FREIHEIT. „Wir kennen ihre moralische Erpreßbarkeit aus anderen Zusammenhängen.“

Laut Weyel wäre es nicht das erste Mal, daß die Bundesregierung solchen Forderungen als Zeichen des guten Willens nachkommen würde. „Bevor so etwas überhaupt gedanklich erwogen darf, ist es zwingend geboten, die Polen mal an einige ausstehende Gesten des guten Willens zu erinnern: Die Rückgabe der Handschrift des Deutschlandliedes, um nur ein Beispiel zu nennen, wäre da ein Anfang.“

Eine handschriftliche Version des Lieds der Deutschen von Hoffmann von Fallersleben gelangte nach dem Zweiten Weltkrieg durch die ostdeutschen Gebietsverluste in den Besitz Polens. Dort befindet sie sich mittlerweile in der Biblioteka Jagiellonska in Krakau.

„Sichtbares Symbol für das wachsende Polen“

Das Sächsische Palais war Ende 1944 nach dem Warschauer Aufstand von der Wehrmacht zerstört worden. Erworben hatte es 1713 der sächsische König August der Starke, der es zum Barockschloß ausbauen ließ. Bereits 2004 gab das polnische Innenministerium grünes Licht für einen Wiederaufbau, der bislang aber nicht realisiert wurde.

Anläßlich der Feierlichkeiten zum hundertjährigen Bestehen der Republik Polens sprach sich Präsident Andrzej Duda im November 2018 für den Wiederaufbau aus. Das Schloß sei integraler Bestandteil des nationalen Erbes und seine Wiedererrichtung so ein „sichtbares Symbol für das wachsende Polen“. (krk)

Ruinen von Bürgerhäusern und Trümmerberge am Marktplatz in der Altstadt von Warschau, aufgenommen 1945 Foto: dpa – Report

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