Angela Merkel und Alexander Gauland
Angela Merkel und Alexander Gauland Fotos: dpa
„Vogelschiß in über 1.000 Jahren erfolgreicher deutscher Geschichte”

Bundesregierung verurteilt Gaulands Äußerungen zu NS-Zeit

BERLIN. Die Bundesregierung hat AfD-Chef Alexander Gauland für seine Äußerungen zur NS-Zeit kritisiert. „Es ist beschämend, daß wir uns mit solchen Äußerungen eines Bundestagsabgeordneten befassen müssen“, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. „Die nationalsozialistische Herrschaft und das vom NS-Regime ersonnene Verbrechen des Holocaust sind singulär, ein wirkliches Menschheitsverbrechen. Unmeßliches Leid war die Folge in vielen Ländern, auch bei uns in Deutschland“, betonte Seibert. Nur dadurch, daß sich die Deutschen zu ihrer immerwährenden Verantwortung bekannt hätten, sei Deutschland in der Lage gewesen, wieder ein gerechter Staat zu werden.

Gauland hatte am Wochenende beim Bundeskongreß der Jungen Alternative in Thüringen gesagt: „Hitler und die Nazis sind nur ein Vogelschiß in über 1.000 Jahren erfolgreicher deutscher Geschichte.” In seiner Rede betonte er jedoch auch, daß sich die AfD ebenfalls zur Verantwortung aus der nationalsozialistischen Vergangenheit bekenne: „Nur wer sich zur Geschichte bekennt, hat die Kraft, die Zukunft zu gestalten.“ Und weiter: „Ja, wir bekennen uns zur Verantwortung für die zwölf Jahre.“ Die Deutschen hätten aber eine „ruhmreiche Geschichte“, die länger sei „als die verdammten zwölf Jahre“.

Höcke: Zitat aus dem Zusammenhang gerissen

Gauland betonte am Montag nochmals, er habe mit seinen Äußerungen keinesfalls die Verbrechen der Nationalsozialisten kleinreden wollen. „‘Vogelschiß’ ist und bleibt für mich der letzte Dreck, ein animalischer Auswurf mit dem ich den Nationalsozialismus verglichen habe“, teilte Gauland mit.

„Ich muß aber zur Kenntnis nehmen, daß viele in dem Begriff eine unangemessene Bagatellisierung gesehen haben. Nichts lag mir ferner, als einen solchen Eindruck entstehen zu lassen, was sich aus dem übrigen Teil der Rede auch zweifelsfrei ergibt. Die entstandene Wirkung bedaure ich. Niemals war es meine Absicht, die Opfer dieses verbrecherischen Systems zu bagatellisieren oder gar zu verhöhnen.“

Unterstützung erhielt Gauland vom Thüringer AfD-Chef Björn Höcke. „Das Zitat ist wieder einmal von Journalisten aus dem Zusammenhang gerissen worden“, sagte Höcke am Montag in Berlin. Gauland habe in vier Sätzen ausführlich dargelegt, daß man selbstverständlich zur Verantwortung für die Zeit des Nationalsozialismus stehe.

Alternative Mitte ruft Gauland zu Entschudigung auf

„Die Hypermoralisten, die jetzt aufschreien“ und wie CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer als Teil der Etablierten Mitschuld an illegaler Einwanderung und der damit verbundenen Plünderung der Sozialkassen sowie der Erschütterung der Inneren Sicherheit trügen, hätten „jedes Recht verwirkt, sich moralisch über AfD-Politiker zu äußern“. Kritik aus den Reihen der AfD an Gaulands Rede bezeichnete Höcke hingegen als „nicht hilfreich“.

Die Alternative Mitte, eine Interessensgemeinschaft innerhalb der AfD, hatte sich am Sonntag für Gaulands Äußerungen entschuldigt und den AfD-Chef dazu aufgerufen, sich ebenfalls zu entschuldigen. „Als Politiker und Mitglieder der AfD entschuldigen wir uns öffentlich bei allen Opfern des Naziregimes sowie deren Familien für die als unglaubliche Bagatellisierung der Nazizeit empfundene Äußerung unseres Parteivorsitzenden“, hieß es in einer Mitteilung. „Wir bitten auch Alexander Gauland selbst, bei allem Respekt vor seiner Person und seinen Verdiensten für die AfD, sich öffentlich zu entschuldigen.“ (kr)

Angela Merkel und Alexander Gauland Fotos: dpa

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