Rede auf dem Bundeskongreß der Jungen Alternative

Scharfe Kritik an Gauland für Aussagen zur Nazi-Zeit

BERLIN. Politiker aller Parteien haben den AfD-Fraktionschef im Bundestag, Alexander Gauland, für dessen Äußerung zur nationalsozialistischen Vergangenheit kritisiert. Gauland hatte beim Bundeskongreß der Jungen Alternative in Thüringen gesagt: „Hitler und die Nazis sind nur ein Vogelschiß in über 1.000 Jahren erfolgreicher deutscher Geschichte.”

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier verurteilte die Rede.„Wer heute den einzigartigen Bruch mit der Zivilisation leugnet, kleinredet oder relativiert, der verhöhnt nicht nur die Millionen Opfer, sondern will ganz bewußt alte Wunden aufreißen und sät neuen Haß, und dem müssen wir uns gemeinsam entgegenstellen.”

SPD: „Erschreckende Verharmlosung des Nationalsozialismus”

CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Kartenbauer schrieb dazu auf Twitter: „50 Millionen Kriegsopfer, Holocaust und totaler Krieg für AfD und Gauland nur ein Vogelschiß! So sieht die Partei hinter bürgerlicher Maske aus.”

Für SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil sind Gaulands Einlassungen eine „erschreckende Verharmlosung des Nationalsozialismus”. Es sei eine Schande, „daß solche Typen im Deutschen Bundestag sitzen”.

Die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Katrin Göring-Eckardt, sprach von einem „unfaßbaren Schlag ins Gesicht von allen Überlebenden des Holocaust, ihren Nachfahren und Angehörigen”. Der Parlamentarische Geschäftsführer der FDP-Bundestagsfraktion nannte die Äußerung eine „Geschmacklosigkeit”.

Kritik von Publizist Roger Köppel

Auch innerhalb der AfD gibt es Kritik. Parteichef Jörg Meuthen sagte, der Begriff Vogelschiß sei „in der Tat ausgesprochen unglücklich und die Wortwahl unangemessen”. Gleichzeitig verteidigte er seinen Kovorsitzenden: „Im Kontext seiner Rede wird jedoch vollkommen deutlich, daß er dort in gar keiner Weise die entsetzlichen Gräueltaten der Nazizeit verharmlost oder relativiert hat, wie ihm nun reflexartig unterstellt wird.”

Der Bundestagsabgeordnete Uwe Witt forderte eine Entschuldigung von Gauland. Ob dieser als Parteichef noch haltbar sei, werde sich „auf dem nächsten Bundesparteitag zeigen und der ist schon bald”, sagte Witt, der auch Sprecher der Alternativen Mitte ist, der Welt. „Der größte Massenmörder Deutschlands, Hitler, ist beileibe kein Vogelschiß ergänzte er auf Twitter.

Gaulands Worte stieß auf Unverständnis über die deutschen Grenzen hinaus. Der Schweizer Publizist und Nationalratsabgeordnete Roger Köppel schrieb auf Facebook: „Und welcher Vogel hat Gauland ins Hirn geschi..? Der Mann sollte abtreten.

Der Krieg, den Hitler angefangen habe, „hat unsägliches Leid über die Welt und auch über die Deutschen gebracht“. Wer dies mit solchen Sprachbildern abtue, habe nichts begriffen. „Sollte so ein Politiker jemals etwas in Deutschland zu sagen haben, müssen wir die Bestände unserer Armee wieder hochfahren, so Köppel.

Gauland rechtfertigt sich

Über Fraktionssprecher Christian Lüth ließ Gauland seine Sicht der Dinge ausrichten.„Vogelschiß ist das, was ich von der Nazi-Zeit halte. Quantitativ auf die rund tausend Jahre deutsche Geschichte gesehen. Inhaltlich sowieso. Wer das mißversteht, will es auch und der AfD schaden.” Unmittelbar vor dem kritisierten Satz hatte Gauland in seiner Rede am Samstag auch gesagt: „Ja, wir bekennen uns zu unserer Verantwortung für die zwölf Jahre.” (tb)

Der AfD-Bundesvorsitzende Alexander Gauland auf dem Bundeskongreß der Jungen Alternative Foto: picture alliance/ dpa

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