Luftballon beim „Marsch für das Leben“ 2016 Foto: dpa
„Marsch für das Leben“

„Die Schwächsten schützen“

Die Zahlen, die das Statistische Bundesamt vergangene Woche veröffentlichte, sind alarmierend. Obwohl die Zahl der Frauen im gebärfähigen Alter in den vergangenen Jahren stetig gesunken ist, nimmt seit diesem Jahr die Zahl der Abtreibungen wieder zu. Eine Steigerung von zwei Prozent verzeichneten die Statistiker zwischen Januar und Juli 2017 verglichen mit dem Vorjahr. 52.200 Kinder, die nie geboren wurden.

96 Prozent aller Abtreibungen erfolgten zudem ohne einen zwingenden Grund gemäß der sogenannten Fristenregelung. Diese besagt, daß ein Schwangerschaftsabbruch zwar illegal, jedoch mit der Vorlage eines Beratungsscheins straffrei ist. Dem wollen sich am Samstag Lebensschützer aus der ganzen Republik entgegenstellen und für eine Kultur werben, die den Wert menschlichen Lebens wieder in den Mittelpunkt stellt. Zum 13. Mal findet der „Marsch für das Leben“ nun in Berlin statt.

Rekordteilnehmerzahl im vergangenen Jahr

Im vergangenen Jahr konnten sich die Veranstalter des Bundesverbands Lebensrecht (BVL) über eine Rekordteilnehmerzahl von 7.500 freuen. Das diesjährige Motto lautet: „Die Schwächsten schützen: Ja zu jedem Kind.“ Ändern soll sich erstmals der Ablauf der Veranstaltung: „Die Auftaktkundgebung vor dem Bundeskanzleramt wird kürzer“, verspricht die neue BVL-Vorsitzende Alexandra Maria Linder gegenüber der jungen freiheit. Der Marsch sei dieses Jahr vielmehr integriert in ein Lebensrechtswochenende. Dieses beginnt bereits am Freitag mit einer Fachtagung „Bioethik und Menschenwürde“ und geht am Samstag vormittag weiter mit einem Requiem für ungeborene Kinder in der Kirche St. Marien in Berlin-Spandau.

Auch in diesem Jahr sind wieder zwei Gegenkundgebungen angemeldet. Am Brandenburger Tor, das an der Marschroute der Lebensschützer liegt, veranstaltet das „Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung“ einen Aktionstag. Gewaltbereite Linksextremisten haben zur „kämpferischen queer-feministischen und antifaschistischen“ Gegendemo „What the fuck“ aufgerufen. Ihre „Kundgebung“ erschöpfte sich in der Vergangenheit in wüsten Beschimpfungen der Lebensrechtler, Spuckattacken und dem Entreißen der weißen Kreuze, die von den Teilnehmern des „Marsches für das Leben“ hochgehalten werden.

Linksextreme wollen Transfrauen nicht diskriminieren

Während die Kundgebung der Lebensschützer um 13 Uhr beginnt, wollen die Antifa-Randalierer bereits um 10.30 Uhr auf der Straße sein. Für die selbsternannten Aktivisten offenbar keine einfache Übung. Wie eine Beschwörung liest sich da schon fast der Aufruf: „Doch wir sind früher wach und nehmen uns die Straße zurück.“ Dabei warnt das Antifa-Bündnis dieses Jahr, Trans-Frauen nicht zu diskriminieren. Weil: „Innerhalb feministischer Bewegungen werden leider immer noch die an Körpern festgemachten Geschlechtergrenzen nicht genug hinterfragt.“

Deswegen empfiehlt „What the fuck“, auf die Darstellung von Vulven zu verzichten, da diese „stark auf Körperlichkeiten bezogene Symboliken insbesondere für Trans- und Inter*personen negativ vorbelastet“ sein könnten. Auch Slogans wie „Könnten Männer schwanger werden, wäre Abtreibung legal“ gelte es tunlichst zu unterlassen. Die Begründung: Auch Trans-Männer könnten schwanger werden.

Umfrage zu Abtreibungen Quelle: Insa Foto: JF-Grafik

Linder sieht die Antifa-Gegendemo auf dem absteigenden Ast: „Sie werden zunehmend aggressiver, weil sie zunehmend bedeutungsloser werden“. Wie in den vergangenen Jahren haben wieder zahlreiche Prominente aus Politik und Kirchen Grußworte an die Lebensschutzdemo gesandt. Darunter sind der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, der evangelische Bischof im Sprengel Mecklenburg und Pommern, Hans-Jürgen Abromeit, sowie die aus dem Bundestag ausscheidenden Abgeordneten Wolfgang Bosbach (CDU) und Johannes Singhammer (CSU).

Daß die Menschen im Land zum Thema Abtreibung Antworten von der Politik erwarten, belegt auch eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Insa im Auftrag der jungen freiheit (siehe Grafik). 50 Prozent der Bundesbürger sind demnach der Meinung, daß der Gesetzgeber schwangeren Frauen, die sich trotz Konfliktsituation zur Austragung des Kindes entscheiden, eine finanzielle Unterstützung anbieten sollte. Dabei ist die Zustimmungsrate unter Frauen noch höher (52 Prozent). Nur 27 Prozent sprechen sich dagegen aus. Auch die Frage, ob der Bundestag Adoptionen erleichtern sollte, um Abtreibungen zu verhindern, bejaht eine deutliche Mehrheit (64 Prozent). Nur 15 Prozent sind dagegen.

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Luftballon beim „Marsch für das Leben“ 2016 Foto: dpa

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