Berlin

Universität sagt Veranstaltung mit Sarrazin ab

9.12_03
Sarrazin bei der Vorstellung seines Buchs „Deutschland schafft sich ab“ im August 2010 Foto: rg

BERLIN. Die Technische Universität (TU) Berlin hat eine für Montag geplante Veranstaltung mit dem ehemaligen Berliner Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) aus Sicherheitsgründen abgesagt. Dies sei aber nicht auf Anraten der Polizei geschehen, sondern eine Entscheidung der Universität gewesen, begründete die Wirtschaftsfakultät gegenüber dem Tagesspiegel ihre Entscheidung.

Ursprünglich hatte Sarrazin am Institut für Volkswirtschaftslehre und Wirtschaftsrecht auf Einladung des Leiters der Fakultät, Klaus-Dirk Henke, einen Vortrag zum Thema „Zuwanderung und Integration“ halten sollen. Dagegen hatten linke Gruppen, darunter das „Berliner Bündnis Rechtspopulismus stoppen“, zu Protesten aufgerufen.

„Rassismus und Sozialdarwinismus“

Der Allgemeine Studentenausschuß (ASstA) warf Sarrazin vor, „unter dem Label vermeintlicher Tabubrüche gegenüber einer phantasierten ‘Diktatur der Gutmenschen’“ Rassismus und Sozialdarwinismus wieder hoffähig zu machen.

„Wenn derart menschenverachtende Argumentationsketten auch in Hochschulen immer wieder Raum gegeben wird, werden diese als quasi-akademisch wahrgenommen, können sich auf einer diskursiv höheren Ebene verbreiten und finden so immer mehr Gehör“, warnte der AStA auf seiner Internetseite. Zugleich kündigte das Studentengremium indirekt an, „der Demagogie solide Aufklärung zum Wohl des Menschen entgegensetzen“ zu wollen.

Sarrazin reagierte empört auf die Absage der Veranstaltung: „Diese Linksfaschisten verhindern die freie Meinungsäußerung an einer deutschen Universität“, sagte er der Bild-Zeitung. Das Verhalten der linken Gruppen sei „eine Analogie zum Auftreten von Studenten in SA-Uniform, die Anfang der 30er-Jahre vor der Machtergreifung der Nazis Andersdenkende niederbrüllten“.

TU-Präsident kritisiert Sarrazin

Der Präsident der TU, Jörg Steinbach, forderte Sarrazin auf, solche Vergleiche zu unterlassen: „Über diese Zitate von Herrn Sarrazin sind wir erschüttert. Derartige politische Einordnungen können wir nicht stehen lassen und verwahren uns entschieden dagegen“, sagte Steinbach in einer Mitteilung.

Als Universitätsleitung stehe man hinter der Entscheidung der Fakultät und spreche sich „mit allen Mitteln gegen die politische Diffamierungen unserer Universität und unserer Studierenden durch Herrn Sarrazin aus“. (krk)

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