KIEL. Ein Mitarbeiter einer linken Veranstaltung in Kiel hat einer jungen Mutter den Zutritt verweigert, weil sie ein Deutschlandtrikot trug. „Kurz nach unserer Ankunft kam ein Sicherheitsmann auf mich zu und forderte mich auf, mein Deutschlandtrikot auszuziehen, es umgedreht zu tragen oder die Nationalsymbole darauf abzudecken“, sagte die Betroffene am Dienstag den Kieler Nachrichten.
Der Mitarbeiter begründete seine Aufforderung mit der politischen Ausrichtung des „Muddi Marktes“, der im Rahmen der Kieler Woche stattfindet. „Er sagte, es sei eine linke Veranstaltung, daher seien Nationalflaggen und ‑symbole nicht geduldet“, führte die Frau aus. Obwohl sie unter dem Trikot nur einen BH getragen habe, beharrte der Mitarbeiter auf seiner Anweisung. Er drohte ihr damit, dass sie ansonsten den Platz verlassen müsse.
Das Ereignis „auf dem ‚Muddi Markt‘ hat mich mit Kopfschütteln zurückgelassen“, sagte die Mutter. „Ich dachte immer, die Kieler Woche wäre unpolitisch.“ Sie verließ den Platz nach dem Vorfall. Auch weitere Personen haben sich laut Angaben der Kieler Nachrichten bei der Zeitung mit derartigen Erfahrungen gemeldet. Zudem seien über das Kieler-Woche-Büro weitere Beschwerden eingegangen.
„Muddi Markt“ bietet Kurse für Flintas an
Der „Muddi Markt“ bezeichnet sich selbst als „Musik-, Kultur- und Erlebnisareal“. Mit „Mitmachmöglichkeiten“ wolle der Verein „für eine nachhaltigere Lebensweise anregen und begeistern“, heißt es auf der Internetseite.
Unter anderem organisiert der Verein für „Jugendliche ab 15 Jahren, Schüler*innen und pädagogische Fachkräfte“ in einem Zirkuszelt den Workshop „Gemeinsam gegen antimuslimischen Rassismus“.
Zudem wird ein „Finta*-Selbstverteidigungsworkshop“ angeboten, der sich an „Flinta*-Personen“ richtet – darunter fallen „Frauen, Lesben, intergeschlechtliche, nichtbinäre, transgeschlechtliche und agender Personen sowie alle geschlechtlichen Identitäten (*)“, schreibt der Veranstalter in einer Ankündigung. Ausgenommen sind Männer, die sich mit dem männlichen Geschlecht identifizieren.
Grund für Deutschlandtrikot-Vorfall soll ein Missverständnis sein
Als Grund für das Trikot-Verbot nennt der Vorstand des „Muddi Markts“ ein Missverständnis. Auf der Fläche seien lediglich große Fahnen und Flaggen verboten, sagte der Vorstand der Zeitung. „Wer uns besucht – ob im Fußball-Trikot, Festival-Outfit oder Alltagskleidung –, ist selbstverständlich willkommen.“

Verboten seien jedoch Kleidung mit diskriminierenden, rassistischen, menschenfeindlichen, gewaltverherrlichenden oder verfassungsfeindlichen Botschaften. (mas)






