BRÜSSEL/WASHINGTON. Wegen neuer Drohungen von US-Präsident Donald Trump gegen Grönland und Dänemark hat die EU-Abgeordnete Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP) die 27 EU-Mitgliedsländer aufgefordert, den US-Botschafter einzubestellen. „Jedes EU-Land sollte den US-amerikanischen Botschafter einbestellen, um klarzumachen, daß das inakzeptabel ist“, sagte sie dem NDR.
Zudem sollten die europäischen Staaten den Amerikanern klarmachen, daß sie sich „auf Dauer verschlucken werden, wenn sie glauben, überall gleichzeitig Truppen entsenden zu können“, äußerte Strack-Zimmermann. Von Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (CDU) und deren Kabinett forderte die FDP-Politikerin, die europäische Wirtschaft von der Bürokratie zu befreien, „die die europäische Wirtschaft seit Jahren abschnürt“.
Europa habe wirtschaftlich „natürlich ein viel größeres Potential als die USA“, und die wirtschaftliche Kraft sei „die Basis für eine robuste Verteidigungspolitik“, erklärte Strack-Zimmermann. „Wenn Sie Trump treffen wollen, bei aller Freundschaft, dann ist es wirtschaftlich.“
„Brauchen Grönland aus Gründen der nationalen Sicherheit“
Der US-Präsident hatte nach dem erfolgreichen Angriff auf Venezuela (JF berichtete) die Drohung wiederholt, Grönland zu annektieren. „Wir brauchen Grönland aus Gründen der nationalen Sicherheit“, machte Trump gegenüber Reportern an Bord der Air Force One deutlich. „Das ist so strategisch wichtig. Im Moment ist Grönland überall mit russischen und chinesischen Schiffen übersät. Wir brauchen Grönland aus Sicht der nationalen Sicherheit“, beharrte er.
🚨 JUST IN: Denmark is PANICKING after President Trump insisted the US NEEDS Greenland, and Denmark isn’t treating it properly
„We need Greenland! For national security.“
„You know what Denmark did to ‚boost security?!‘ Added ONE MORE DOG SLED! It’s true!“ 😭
„Greenland is… pic.twitter.com/t7lijNpX4J
— Eric Daugherty (@EricLDaugh) January 5, 2026
Trump räumte zwar ein, Grönland habe derzeit nicht oberste Priorität: „Wir reden jetzt über Venezuela, Rußland, die Ukraine.“ Zugleich gab er jedoch zu verstehen, daß die Insel, die zum Königreich Dänemark gehört, weiterhin auf seiner Agenda steht. „Wir werden uns in etwa zwei Monaten Gedanken über Grönland machen. Lassen Sie uns in 20 Tagen über Grönland sprechen.“
Darüber hinaus kritisierte der US-Präsident, Dänemark könne nicht für Grönlands Sicherheit sorgen. „Wissen Sie, was Dänemark kürzlich unternommen hat, um die Sicherheit in Grönland zu verbessern? Sie haben einen weiteren Hundeschlitten angeschafft. Das ist wahr. Sie hielten das für eine großartige Maßnahme“, spottete er.
Trump-Berater schließt Militäreinsatz nicht aus
Auch Trumps stellvertretender Stabschef, Stephen Miller, hatte den US-Anspruch auf Grönland bekräftigt. „Es war von Anfang an die offizielle Position der Trump-Regierung, daß Grönland Teil der Vereinigten Staaten sein sollte“, betonte er am Montagabend in einem Interview mit CNN. Auf die Frage, ob er einen Militäreinsatz der USA gegen Grönland ausschließen könne, antwortete Miller: „Das wäre kein Militäreinsatz gegen Grönland.“ Die eigentliche Frage sei, mit welchem Recht Dänemark Kontrolle über Grönland ausübe.
Stephen Miller says „Greenland should be part of the US.“
„By what right does Denmark assert control over Greenland? The US is the power of NATO. Nobody is gonna fight the US militarily over the future of Greenland.“ pic.twitter.com/x3wE1WYbgd
— The American Conservative (@amconmag) January 5, 2026
Als Führungsmacht der Nato müßten die USA die Kontrolle über die Arktis haben, um die Nato und Nato-Interessen schützen zu können. „Deshalb sollte Grönland natürlich Teil der Vereinigten Staaten sein“, führte Miller aus. Wenige Tage vor dem Interview hatte seine Frau Katie Miller auf X eine Karte Grönlands in den Farben der US-Flagge gepostet und dazu geschrieben: „BALD“.
Bundesregierung gibt Erklärung ab
Dänemarks Ministerpräsidentin Mette Frederiksen reagierte mit drastischen Worten auf die Aussagen aus Washington. „Wenn die Vereinigten Staaten beschließen, ein anderes Nato-Land militärisch anzugreifen, dann ist alles vorbei“, sagte sie dem Fernsehsender TV2. „Das heißt, auch unsere Nato und damit die Sicherheit, die seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs gewährleistet ist.“ Wenn Trump Grönland für die USA fordere, müsse man das ernst nehmen, warnte Frederiksen und fügte hinzu: „Wir werden eine Situation, in der wir und Grönland auf diese Weise bedroht werden, nicht akzeptieren.“
Unterstützung erhielt sie von der deutschen Bundesregierung, die gemeinsam mit sechs weiteren Ländern eine Erklärung abgab. „Es ist allein Sache Dänemarks und Grönlands, über Angelegenheiten zu entscheiden, die Dänemark und Grönland betreffen“, heißt es darin.

Neben Deutschland gaben Frankreich, Italien, Polen, Spanien, Großbritannien und Dänemark die Erklärung ab, in der die sieben Staaten betonten: „Grönland gehört seinem Volk“. Sie verwiesen auf die große Bedeutung der UN-Charta mit den Prinzipien der Souveränität, territorialen Integrität und Unverletzlichkeit der Grenzen und machten deutlich, Grönland sei „Teil der Nato“. Die Sicherheit in der Arktis müsse deshalb gemeinsam erreicht werden – mit den USA als „wesentlicher Partner“.
Unterdessen sagte Grönlands Ministerpräsident Jens-Frederik Nielsen, sein Land erwarte trotz der neuen Ankündigungen aus den USA keine Intervention der Amerikaner. „Wir gehen nicht davon aus, daß eine Übernahme des Landes über Nacht geschehen könnte“, sagte er. Man könne Grönland nicht mit Venezuela vergleichen. „Wir sind ein demokratisches Land.“ (dh)






