LONDON. Großbritannien hat eine deutliche Verschärfung der Visa-Regeln angekündigt. Die Regierung unter Premierminister Keir Starmer (Labour) blockiert ab dem 26. März 2026 die Vergabe von Studienvisa an Staatsangehörige aus Afghanistan, Kamerun, Myanmar und dem Sudan. Zudem sollen Arbeitsvisa für Afghanen gestoppt werden, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtete. Als Begründung nannte das Innenministerium einen starken Anstieg von Asylanträgen, die über legale Einreisewege gestellt werden.
Innenministerin Shabana Mahmood betonte: „Großbritannien wird Menschen, die vor Krieg und Verfolgung fliehen, stets Zuflucht gewähren, aber unser Visasystem darf nicht mißbraucht werden.“ Deshalb ziehe die Labour-Regierung die „Notbremse“, um Staatsbürgern der genannten Länder bestimmte Visa zu verwehren. Man wolle „hart gegen Visamißbrauch“ vorgehen, fügte ein Regierungssprecher hinzu, „damit Großbritannien seine Fähigkeit und stolze Tradition, wirklich Bedürftigen zu helfen, bewahren kann“.
Asylanträge haben sich seit 2021 mehr als verdreifacht, Studienvisa verfünffacht
Offiziellen Angaben zufolge haben sich die Asylanträge nach legaler Einreise seit 2021 mehr als verdreifacht. Im vergangenen Jahr machten sie rund 39 Prozent der insgesamt etwa 100.000 gestellten Asylanträge aus.
Besonders betroffen seien die Länder Afghanistan, Kamerun, Myanmar und der Sudan, aus denen sich die Zahl der Studentenvisa mehr als verfünffacht habe. Personen, die aufgrund eines Studienvisums Asyl beantragen, machen allein 13 Prozent aller derzeit im System befindlichen Asylanträge aus. Bei Afghanen überstiegen die Anträge auf Arbeitsvisa mittlerweile die Zahl der ausgestellten Visa.
Derzeit werden rund 16.000 Personen aus diesen vier Ländern auf Staatskosten unterstützt, darunter mehr als 6.000 in Hotels. Die Gesamtkosten für die Asylunterbringung beziffert das Innenministerium auf jährlich vier Milliarden Pfund (etwa 4,6 Milliarden Euro). Der Druck auf die linke Starmer-Regierung hatte sich durch diese Ausgaben in den vergangenen Monaten erhöht.
Großbritanniens Labour-Regierung reagiert auf politischen Druck
Einwanderung gehört in Großbritannien wie in Deutschland zu den wichtigsten politischen Themen. Starmer steht auch deshalb unter Zugzwang, da die rechte Reform-UK-Partei von Nigel Farage in Umfragen weiter an Boden gewinnt. Starmer hatte bereits früher moniert, die britischen Asylregeln seien im europäischen Vergleich zu großzügig und wirkten als Anreiz für Zuwanderung.

Künftig plane das Kabinett – nach einer Stabilisierung des Asylsystems – gedeckelte, sichere und legale Einreisewege zu schaffen. Seit 2021 hat Großbritannien mehr als 37.000 Afghanen über Umsiedlungsprogramme aufgenommen und im vergangenen Jahr rund 190.000 humanitäre Visa erteilt.
Die Zusammenarbeit mit mehreren afrikanischen Staaten bei Rückführungen sei nach Angaben der Regierung in London gesichert worden, nachdem Großbritannien im November gewarnt hatte, daß bei mangelnder Kooperation der Visaentzug für deren Staatsangehörige erfolge. Dazu gehörten Angola, Namibia und die Demokratische Republik Kongo. Starmer hatte zudem Pläne vorgestellt, den Flüchtlingsstatus zeitlich zu befristen und Abschiebungen bei illegaler Einreise zu beschleunigen (JF berichtete). (rsz)





