Stadler

Österreich
 

„Steigen Sie in den Orientexpreß und zurück nach Istanbul“

Stadler
Ewald Stadler bei seiner Brandrede Foto: Youtube

WIEN. In Österreich treibt die rechte Opposition die Regierungsparteien mit den Themen Zuwanderung und Integration vor sich her. Der neuen Vizebürgermeisterin von Wien Maria Vassilakou (Grüne) etwa wirft das Bündnis Zukunft Österreich vor, Masseneinwanderung zu planen. Die Freiheitliche Partei (FPÖ) hingegen warnt vor der Ostöffnung des Arbeitsmarktes und fordert eine Weiterbildung der heimischen Arbeitskräfte.

Das größte Thema der vergangenen Wochen war jedoch das schroffe Interview des türkischen Botschafters Kadri Ecvet Tezcan, der sich in undiplomatischer Art über die Österreicher geäußert hat. Das BZÖ forderte daraufhin seine Abberufung. FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache hingegen wollte den Abbruch der Beitrittsverhandlungen zwischen EU und Türkei. FPÖ-Generalsekretär Harald Vilimsky verlangte gar die Aussetzung der diplomatischen Beziehungen zur Türkei.

Stadler-Rede im Parlament

Den Höhepunkt der Auseinandersetzung bildete eine Parlamentsdebatte, während der der BZÖ-Abgeordnete Ewald Stadler die Kritik an seinem Heimatland umdrehte und mit der Türkei hart ins Gericht ging. Stadler begann seine Rede in Anwesenheit von Angehörigen der türkischen Botschaft mit den Worten „Sehr geehrte Herren von der türkischen Botschaft – und ich werde jetzt nicht so devot wie der Kollege van der Bellen sein und von Exzellenzen reden und mich in den Staub werfen.“

Stadler erhob schwere Vorwürfe gegen die Türkei. Er erinnerte an verschiedene Morde an katholischen Geistlichen in dem muslimischen Land. Der österreichischen Regierung, die dazu schweige, warf er vor, das Bekenntnis zur Religionsfreiheit nicht ernst zu nehmen und sich nicht für die verfolgten Christen in der Welt einzusetzen. „Wenn einem katholischen Erzbischof der Kopf abgeschnitten wird, dann gibt es keine Reaktion“, sagte er mit einem Fingerzeig auf die politische Linke Österreichs. Und weiter: „Ich möchte mir das Gezeter gar nicht vorstellen, wenn einem muslimischen Imam oder sonst einem Würdenträger – von Geistlichem kann man nicht reden – auch nur ein Haar gekrümmt würde.“

„Analphabeten“ und „Steinzeitislamisten“

Die Türkei habe ihre „Analphabeten“ und „Steinzeitislamisten“ nach Österreich geschickt, so Stadler weiter. Dort würden herabsetzende Äußerungen gegen den Staat, wie Tezcan sie über Österreich gemacht hat, mit Gefängnisstrafen geahndet. „Herr Botschafter, besteigen Sie den Orientexpress und zurück nach Istanbul in Ihr Traumparadies!“

Die österreichische Opposition ist empört über Äußerungen Tezcans, die die unter Diplomaten sonst übliche Zurückhaltung vermissen lassen. Tezcan hatte in einem Zeitungsinterview behauptet, Österreicher interessierten sich nur im Urlaub für fremde Kulturen. Außerdem seien die Österreicher selbst schuld an der Ghettoisierung mancher Stadtteile: „Wenn Türken in Wien Wohnungen beantragen, werden sie immer in dieselbe Gegend geschickt, gleichzeitig wirft man ihnen vor, Ghettos zu formen. Österreichische Familien schicken ihre Kinder nicht an Schulen, in denen ethnische Minderheiten die Mehrheit stellen. So werden Türken in die Ecke gedrängt.“ Inzwischen hat er sich für seine Entgleisungen entschuldigt. (rg)

Video: Hier geht es zur Rede von Ewald Stadler

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