„Neue deutsche Medienmacher“

Wie ich vergeblich versuchte, Mitglied eines Migrantenvereins zu werden

Deutschland ist ein Einwanderungsland. Ausländer sind hier willkommen. Das betonen Politiker unermüdlich. In vielen deutschen Stadtteilen bilden Einwohner mit ausländischen Wurzeln bereits die Mehrzahl. Tendenz steigend. In Führungspositionen und einflußreichen Branchen sieht das allerdings anders aus. Dort sind Migranten noch deutlich unterrepräsentiert.

Das gilt auch für die Medien. Der Anteil von Journalisten mit Einwanderungshintergrund wird auf lediglich fünf Prozent geschätzt. Damit sich das ändert, gibt es seit 2009 den Verein „Neue deutsche Medienmacher“ mit Sitz in Berlin. „Unser Netzwerk versteht sich als Interessenvertretung für Medienschaffende mit Migrationsgeschichte und tritt für eine ausgewogene Berichterstattung ein, die das Einwanderungsland Deutschland adäquat wiedergibt.“

Ausgewogene Berichterstattung ist nicht immer gegeben

Weil auch ich finde, daß in deutschen Redaktionsstuben einiges schief läuft und eine ausgewogene Berichterstattung nicht immer gegeben ist, entschloß ich mich kurzerhand, Mitglied der „Neuen deutschen Medienmacher“ zu werden. Als Südtiroler, also als Teil einer Minderheit in Italien samt italienischer Staatsbürgerschaft, und als Redakteur einer deutschen Zeitung sollte ich qualifiziert genug sein, um Teil des Vereins zu werden.

Das dachte ich zumindest. Voller Vorfreude, endlich auch einen Beitrag für die Vielfalt in den Medien leisten zu können, füllte ich vor rund zwei Wochen den Mitgliedsantrag aus. Gab an, wo ich geboren bin und für welches Medium ich arbeite. Einige Tage später landete eine kurze E-Mail des Vereins in meinem Posteingang: „Vielen Dank für Ihr Interesse an den Neuen deutschen Medienmachern. Leider müssen wir Ihren Antrag auf Mitgliedschaft ablehnen. Mit freundlichen Grüßen, der NdM-Vorstand.“

Habe ich einen falschen Namen?

Ein Stich ins Herz. Selbstzweifel drängen sich auf. Hätte ich mich vielleicht mit einem arabisch klingenden Namen anmelden sollen? Man liest ja immer wieder von Diskriminierung aufgrund des Namens. Was war der Grund für die schmallippige Ablehnung? Eine erste Nachfrage blieb unbeantwortet. Also rief ich an.

Frau Hartwig meldete sich. Am Telefon, meinte sie, könne sie mir dazu keine Auskunft geben. Ich solle aber nochmals eine Nachfrage schriftlich stellen, vielleicht erhalte ich dann eine Antwort. Am nächsten Tag fand ich erneut Post in meinem E-Mail-Fach.

Diesmal schrieb der NdM-Vorstand etwas ausführlicher:

Die Neuen deutschen Medienmacher sind ein Zusammenschluß von Journalist*innen mit und ohne Migrationsgeschichte, die sich für mehr Medienpersonal mit Migrationsbezug und für diskriminierungsarme Medienberichterstattung einsetzen.
Bestehen begründete Zweifel, daß diese Ziele und die Werte unseres Vereins geteilt werden, behalten wir uns vor, Anträge auf Mitgliedschaft nicht anzunehmen. Wir bitten Sie, die Entscheidung des Vorstandes zu respektieren und von weiteren Nachfragen abzusehen.

Migranten, die Migranten diskriminieren? Kann es nicht geben

Im Vorstand sitzt als erste Vorsitzende die freie Journalistin Sheila Mysorekar. Deutlich bekannter ist die zweite Vorsitzende, Ferda Ataman. Ihretwegen blieb Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) im Juni dem Integrationsgipfel fern. Für Spiegel Online schreibt sie Kolumnen mit Titeln wie „Achtung, das Kopftuch kommt!“, „Integrierte Mitbürger machen Streß“ oder „Sind Ossis auch nur Migranten?“

Als Einwanderer zweiter Klasse fühle ich mich trotz der Ablehnung der „Neuen deutschen Medienmacher“ nicht. Migranten, die Migranten diskriminieren? Das kann es in Deutschland nun wirklich nicht geben.

Vielleicht habe ich aber nur noch nicht richtig gelernt, persönliche Rückschläge in Deutschland ausschließlich auf meine Herkunft zurückzuführen, und gehöre tatsächlich nicht in den Verein.

JF-Redakteur Lukas Steinwandter / NdM-Vorsitzende Sheila Mysorekar (r.) Foto: dpa / privat / JF-Montage

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