KiKA-Sendung „Malvina, Diaa und die Liebe“ Foto: Screenshot KiKA
KiKA-Sendung

Hessischer Rundfunk verteidigt Doku über Flüchtlingsliebe

BERLIN. Der Hessische Rundfunk (hr) hat die Kritik an der Dokumentation über eine minderjährige Deutsche und einen erwachsenen syrischen Flüchtling zurückgewiesen. „Viele Menschen in Deutschland haben einen Migrationshintergrund. Unsere Töchter und unsere Söhne werden sich in Menschen verlieben, die nicht deutsch sind, und es wird immer häufiger gemischte Paare geben. Nicht erst seit der letzten Flüchtlingswelle“, sagte die betreuende Redakteurin Tanja Nadig der Welt.

„Wir wollen niemanden vorführen, und wir haben keinen pädagogischen Zeigefinger“, erklärte Nadig. „Wir haben eine reine Beziehungsgeschichte erzählt, eine individuelle Geschichte. Weder davon noch von Kandel kann man Generalaussagen ableiten.“ Die Folge mit der minderjährigen Malvina und dem erwachsenen Syrer Diaa hatte der hr für die KiKA-Reihe „Schau in meine Welt!“ gedreht.

Seit dem vergangenen Wochenende wird die Dokumentation heftig diskutiert. In der Sendung erzählen die 16 Jahre alte Malvina und der angeblich 17 Jahre alte Diaa von ihrem Liebesglück und den kulturellen Verschiedenheiten. Nach Protesten änderte KiKA am Montag nachmittag die Altersangabe des Syrers in der Beschreibung sowie in den Bildunterschriften von 17 auf 19 Jahre. „Recherche und Drehbeginn für die Dokumentation lagen am Beginn 2017. Diaa war zu der Zeit 19 Jahre alt.

Aufgrund der Proteste sorgten sich die Redakteure nun um die beiden Protagonisten. „Die beiden haben ja nichts getan“, sagte Nadig. „Wir müssen sehen, daß wir die beiden schützen. Wir kümmern uns natürlich um sie.“ Ihnen gehe es nicht gut, warnte sie in einem Interview mit dem hr. „Ganz offen haben die im Fernsehen über ihre Liebesbeziehung gesprochen … und jetzt werden sie unglaublich angegriffen, und meine Aufgabe ist jetzt auch einfach, die beiden zu schützen.“

Unions-Politiker fordern Stopp von Doku

Zuvor hatten die Unionspolitiker Alexander Hoffmann (CSU) und Alexander Krauß (CDU) gegenüber der JUNGEN FREIHEIT den Stopp des Films gefordert, der nach wie vor auf der KiKA-Webseite aufrufbar ist. „Die Macher dieser Doku lassen jedwede Sensibilität vermissen, was die Folgefragen bezüglich der Alterseinschätzung des Flüchtlings angeht. Da werden seine Angaben naiv geglaubt, anstatt mit journalistischer Sorgfalt, wie ich sie gerade von den öffentlich-rechtlichen Medien erwarte, das wahre Alter zu recherchieren“, sagte der CSU-Bundestagsabgeordnete Hoffmann.

Die Dokumentation zeichne ein „Zerrbild einer angeblichen Integration“. Ihm fehle die eindeutige Klarstellung, daß sich kein Mädchen und keine Frau den Wünschen ihres Freundes unterordnen müßten, monierte der Rechtsexperte.

Was Hoffmann meint, zeigt sich beispielhaft an einer Stelle der Dokumentation. Die 16jährige Malvina äußert sich dort nachdenklich über ihren Freund: „Ich habe das Problem mit ihm, daß ich oft in eine Richtung gelenkt werde, in die ich gar nicht kommen möchte. Ich kann oder ich darf keine kurzen Sachen anziehen, immer nur lange Sachen, das heißt, Kleider dürfen nur bis zum Knie gehen und das war’s und nicht kürzer.“

Diaas Antwort: „Ich kann so was nicht akzeptieren, daß meine Frau so aussieht.“ Auch andere Jungen umarmen ginge „gar nicht“. Malvina beugt sich dieser Ansage und verzichtet fortan darauf, kurze Kleidung zu tragen. Ebenso ißt sie kein Schweinefleisch mehr. Die Liebe sei ihr wichtiger, betont sie.

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Krauß bezweifelte die Kindertauglichkeit des Films. „Der Film sollte nicht mehr ausgestrahlt und gezeigt werden. Er ist pädagogisch nicht geeignet, vor allem nicht für den Kinderkanal“, forderte er gegenüber der JF. Eine solche Liebesgeschichte zwischen einer Minderjährigen und einem Erwachsenen eigne sich nicht, die Probleme, die durch kulturelle Unterschiede entstehen könnten, kindgerecht zu vermitteln.

KiKA weist Kritik zurück

KiKA hatte die Dokumentation bereits auf JF-Nachfrage verteidigt. Daß der Film bei vielen Zuschauern gerade mit Blick auf den Mordfall im rheinland-pfälzischen Kandel, wo ein afghanischer Flüchtling seine 15 Jahre alte deutsche Ex-Freundin ermordet hatte, für Unverständnis sorgt, könne der Sender nicht verstehen. „Nein. Die Doku wurde VOR dem Vorfall in Kandel produziert und im November 2017 gesendet. Nach Ausstrahlung gab es keine einzige Reaktion“, teilte eine KiKA-Sprecherin am Dienstag mit.

Auch das Alter von Malvina und Diaa sei für die Autoren und Redakteure des hr, die die Folge gedreht hätten, nicht ausschlaggebend gewesen. „Das ist Privatsache der beiden jungen Leute. Sie haben sich ohne unser Zutun kennengelernt, der hr hat ihre Geschichte erzählt.“ (ls/krk)

KiKA-Sendung „Malvina, Diaa und die Liebe“ Foto: Screenshot KiKA

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