KIEL. Schleswig-Holsteins Sozialministerin Aminata Touré (Grüne) hat Kritik an Identitätspolitik und Woke-Ideologie geäußert. Diejenigen, die sich für diese Themen einsetzten, hätten sich „zu lange auf Begriffsdebatten eingelassen“, monierte Touré gegenüber der Zeit. Bei Identitätspolitik gehe es nicht primär um Symbole und sprachliche Debatten, sondern darum, „über Ungerechtigkeiten zu sprechen, die zu einer Minderheit gehören oder weiblich sind – und diese politisch anzugehen“, betonte die 33jährige.
Gleichzeitig verteidigte sie Wokeness und Identitätspolitik an sich. Diese seien von schwarzen Frauen in den Vereinigten Staaten geprägt worden, um gesellschaftliche Benachteiligungen zu bekämpfen und zu beenden. Sie habe „kein Problem“ damit, mit diesen Begriffen assoziiert zu werden.
Touré zeigte sich jedoch darüber genervt, dass Identitätspolitik „unterkomplex“ diskutiert werde, „vor allem von Rechten und Konservativen“. Schließlich betrieben Bundeskanzler Friedrich Merz und Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (beide CDU) selbst „konservative Identitätspolitik“, nämlich „für reiche Leute“ und „für fossile Unternehmen“. Der Begriff „Identitätspolitik“ falle nur, wenn es um Minderheiten gehe, „um sie zu diskreditieren“, monierte die Politikerin.
Touré verspricht: „Veränderung wird kommen“
Gegnern dieser weltanschaulichen Konzepte warf die Grünen-Politikerin vor, „sich da reingesteigert“ zu haben. Diese Personen habe es genervt, „dass sie die Macht, die sie über Jahrzehnte wie selbstverständlich hatten, ein bisschen abgeben sollten“. Für die Gegner von Wokeness sei es ein Problem gewesen, „dass in Medien, Politik und Unternehmen seit 2019, 2020 auch über und mit Schwarzen Menschen, behinderten oder queeren Personen geredet wurde“.
Inzwischen habe es einen gesellschaftlichen „Rollback“ gegen die Woke-Weltanschauung gegeben. Mit Blick auf diese Entwicklung sagte Touré, die unlängst bekanntgab, bei den Landtagswahlen 2027 als Spitzenkandidatin der Grünen anzutreten: „Wir müssen dranbleiben. Veränderung wird kommen.“ (st)







