Schwanensee-Aufführung am Berliner Staatsballett
Schwanensee-Aufführung am Berliner Staatsballett (Archivbild) Foto: dpa – Report
Vorwürfe von schwarzer Ballerina

Berliner Staatsballett kündigt Antirassismus-Schulungen für alle Mitarbeiter an

BERLIN. Die kommissarische Intendantin des Berliner Staatsballetts, Christiane Theobald, hat Antirassismus-Schulungen für alle Mitarbeiter angekündigt. Hintergrund sind Vorwürfe einer dunkelhäutigen Ballettänzerin. „Es tut mir leid, zu sehen, daß es im Staatsballett Berlin eine beschäftigte Person gibt, die über einen längeren Zeitraum eine für sie sehr belastende Situation ertragen mußte und die Situation nicht schon vorher aufgelöst werden konnte“, sagte Theobald am Wochenende dem Berliner Tagesspiegel.

Neben den Schulungen sehe sie auch eine Notwendigkeit für einen „Code of Conduct“, also Verhaltensregeln für die Oper. „Ich könnte mir vorstellen, daß ein solcher Verhaltenskodex ein Zusatz in den Arbeitsverträgen ist. Mir wäre auch wichtig, daß wir jetzt eine verpflichtende Weiterbildung für Ballettmeister implementieren.“

Die Ballerina Chloé Lopes Gomes hatte vergangene Woche rassistische Vorgehensweisen am Staatsballett kritisiert. Sie habe sich für eine Schwanensee-Aufführung und für ein Fotoshooting weiß schminken müssen, beklagte sie im RBB. Einmal habe eine Ballettmeisterin für eine Probe weiße Schleier ausgeteilt, nur sie habe keine bekommen, berichtete die Künstlerin. „Denn“, habe die Trainerin lachend gesagt: „Du bist schwarz.“ Lopes Gomes war die erste dunkelhäutige Balletttänzerin an der Staatsoper.

„Das Problem ist die Institution, die Tradition“

Der Vorfall mit dem weißen Schminken habe sich 2018 unter der Direktion von Johannes Öhmann zugetragen. Dieser hatte sich laut Tagesspiegel klar gegen „Whitefacing“ ausgesprochen. Dabei handelt es sich einigen Minderheitenvertretern zufolge um eine Entsprechung des als rassistisch eingestuften „Blackfacing“. Allerdings schminken sich auch hellhäutige Ballettänzer weiß.

Die Gruppe „Black Lives Matter“ habe Lopes Gomes schließlich dazu überredet, die Vorgänge öffentlich zu machen. Den entscheidenden Entschluß habe sie gefaßt, als ihr Vertrag am Staatsballett nicht verlängert worden war.

Zwar habe sich die Ballettmeisterin inzwischen entschuldigt, sagte Lopes Gomes dem Blatt. Doch das genüge ihr nicht. „Sie ist für mich nur die Spitze des Eisbergs“, betonte sie. „Das Problem ist die Institution, die Tradition.“ Es gebe immer noch Leute, die das Ballett als weiße, elitäre Kunstform betrachteten. „Ich hoffe, daß sich nun auch andere Tänzer ermutigt fühlen, für ihre Rechte einzutreten.“ (ls)

Schwanensee-Aufführung am Berliner Staatsballett (Archivbild) Foto: dpa – Report

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