Bibliothek des Konservatismus
Bibliothek des Konservatismus: Ein Gegengewicht Foto: JF

Streiflicht
 

Wie ein Wunder gelang

Kaum beachtet, sind in den letzten Jahren die staatlichen Gelder für Parteistiftungen in Deutschland explodiert: Fast eine halbe Milliarde Euro, genau 466 Millionen, fließen in diesem Jahr an die Stiftungen von CDU/CSU, FDP, SPD, Grünen und Linkspartei. Neben 150 Millionen regulärer Parteienfinanzierung sprudeln noch einmal fast 300 Millionen Euro über Bundes- und Landtagsfraktionen in die Strukturen der Parteiapparate. Die Milliardengrenze wird hier unterm Strich bald erreicht.

Mit diesen Steuergeldern wird Politik gemacht. Es wird ein Heer von Zehntausenden Mitarbeitern bezahlt, der vorpolitische Raum mit Vorträgen, Schrifttum, elektronischen Medien, Preisen, Stipendien durchdrungen. Jungakademiker werden scharenweise umarmt für eine Politik, die – Sie ahnen es – im Zweifel links ist. Eine konservative politische Bildung, die den Namen verdient, findet weder bei der Konrad-Adenauer-Stiftung noch – von homöopathischen Restspuren abgesehen – bei der Hanns-Seidel-Stiftung (CSU) statt.

Die Kräfteverteilung scheint unkorrigierbar

Die Kräfteverteilung scheint unkorrigierbar, wenn jemand auf privater Basis dem etwas entgegensetzen will. Die Idee, eine konservative Bibliothek mit angeschlossenem Seminarbetrieb als wissenschaftlichem Kristallisationspunkt eines weltanschaulichen Gegengewichtes zu gründen, ist schon älter. Vor zwanzig Jahren unternahmen Studenten, darunter auch JF-Autoren, einen ersten Anlauf in München, der nicht zuletzt an der fehlenden Finanzierung scheiterte.

Caspar von Schrenck-Notzing, Gründer und Herausgeber der inzwischen untergegangenen legendären Theoriezeitschrift Criticón, gründete im Jahr 2000 die gemeinnützige Förderstiftung Konservative Bildung und Forschung (FKBF). Diese Stiftung realisierte diesen alten Plan vor nunmehr fünf Jahren mitten in Berlin.

Ein Bestand von mittlerweile 60.000 Titeln

Gemeinsam mit einem stetig wachsenden Kreis enthusiastischer privater Förderer ist hier ein Wunder gelungen: Auf drei Etagen in zentraler Berliner Lage entfaltet sich die Bibliothek des Konservatismus, die inzwischen über 60.000 Titel zu ihrem Bestand zählt, davon bereits 27.000 katalogisiert und recherchierbar. Neben Studenten, die für Arbeiten über konservative Autoren und Themen im Lesesaal forschen, zieht diese Institution Interessierte aus allen Schichten durch regelmäßige Vortrags- und Diskussionsveranstaltungen an.

Wer mit der Organisation von philanthropischen Projekten zu tun hat, ahnt, wie schwer die Umsetzung eines solchen Vorhabens ist – zumal in einem gesellschaftlichen Umfeld, das durch die besondere politische Ausrichtung herausgefordert wird. Die Bibliothek beweist nun, daß Bücher nicht tot sind, sondern eine magische Aura entfalten, daß sie eine elektrisierende Zone der geistigen Inspiration und der Ermutigung erzeugen. Sie soll weiter wachsen!

JF 42/14

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