Streiflicht
 

Glut unter meterdicker Asche

Meinen Wehrdienst trat ich im Juli 1988 in Lüneburg an. Die Kaserne an der Bleckeder Landstraße trägt auch heute noch den Namen Theodor Körners. Damals wußte ich wohl nicht, wer der Namensgeber war.

Bei einem Besuch in der DDR im Sommer 1989 schenkte mir ein Freund jedoch Ulrich Völkels Roman „Mit Leier und Schwert“. Ganz im Geiste der unter Honecker geförderten Preußenrenaissance wird hier mitreißend Leben und Sterben dieses jungen Freiheitsdichters geschildert, der am 26. August 1813 im Gefecht mit französischen Besatzungssoldaten fiel.

Ich war damals genauso alt wie Körner, als dieser sich 21jährig mit den Lützower Jägern dem preußisch-deutschen Aufstand gegen die napoleonische Besatzung anschloß. Körner schrieb Gedichte und Lieder, die den jungen Freiheitskämpfern bei ihrem Einsatz aus dem Herzen sprachen.

Bewunderung für Körner überdauerte die Jahrhunderte

Daß dieser Dichter den ersehnten Sieg über Napoleon in der Völkerschlacht bei Leipzig nicht mehr erleben konnte, steigerte noch die ihm von der jungen Nationalbewegung entgegengebrachte Verehrung.

Die Bewunderung für den Dichter der Freiheit überdauerte die Jahrhunderte. So zitierten Hans und Sophie Scholl 130 Jahre später sein Lied „Aufbruch“ in den aufrüttelnden Flugblättern der Widerstandsgruppe „Weiße Rose“: Frisch auf, mein Volk! Die Flammenzeichen rauchen; / Hell aus dem Norden bricht der Freiheit Licht. (…) / Der Freiheit eine Gasse! – Wasch die Erde, / Dein deutsches Land, mit deinem Blute rein!

Deutschland war vor der napoleonischen Besatzung zerrissen in einen Flickenteppich impotenter Kleinstaaten. Der französische Imperator überrannte uns mit seiner modernen Armee und provozierte den Widerstand. Napoleon küßte das deutsche Dornröschen wach. Am Widerstand gegen den Okkupanten wuchs die Idee der deutschen Einigungsbewegung.

Erschütternde Geschichtsamnesie unserer Zeit

Theodor Körner und seine Lützower Jäger, aus deren schwarz-rot-goldenen Uniformen die deutschen Nationalfarben hervorgingen, stehen an der Wiege der modernen deutschen Nation. Daß seiner zum 200. Jahr der Wiederkehr der Befreiungskriege nicht groß öffentlich gedacht wird, spricht für die erschütternde Geschichtsamnesie unserer Zeit.

Wir dürfen aber nicht vergessen, auf wessen Schultern wir stehen! Die Glut, die Körner und seine Mitstreiter entfachten, sie ist von meterdicker Asche bedeckt. Doch sie glimmt noch! Erinnern wir uns jetzt daran, da die Europäische Union Züge der napoleonischen Despotie annimmt:

Die wilde Jagd und die deutsche Jagd

Auf Henkersblut und Tyrannen!

Drum, die ihr uns liebt, nicht geweint und geklagt!

Das Land ist ja frei, und der Morgen tagt,

Wenn wir’s auch nur sterbend gewannen.

Und von Enkeln zu Enkeln sei’s nachgesagt:

Das war Lützows wilde, verwegene Jagd.

JF 35/13

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