Trotz Irankrieg und Energiekrise: Der Goldpreis ist im März spürbar gefallen. Am Montag lag die Börsennotierung unter 4.400 Dollar pro Feinunze und damit fast ein Viertel unter dem Höchststand vom 28. Januar und gut 15 Prozent seit dem Ausbruch der Kriegshandlungen. Der Silberpreis hat noch stärker nachgegeben: Er hat die Hälfte von seinem Hoch eingebüßt. Die Verwunderung vieler Anleger über diese Entwicklung ist groß. Denn ist nicht das Gold der „sichere Hafen“ in unsicheren Zeiten?
Zunächst muss man daran erinnern, dass die Edelmetallpreisee im Vorfeld der geopolitischen Turbulenzen bereits massiv angestiegen sind: Der Preisanstieg des Goldes beträgt immer noch gut 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr und 95 Prozent in den letzten zwei Jahren; bei Silber beträgt der entsprechende Anstieg 86 Prozent beziehungsweise 149 Prozent.
So gesehen handelt es sich zunächst einmal „nur“ um eine Preiskorrektur, die den unterliegenden Aufwärtstrend der Edelmetallpreise nicht beendet hat. Man kann spekulieren, was den Verkaufsdruck bewirkt hat. Sehr wahrscheinlich das Folgende: Die Zentralbankräte haben den Finanzmärkten mitgeteilt, dass sie die Leitzinsen anheben werden, damit der Energiepreisschock nicht eine neuerliche Inflationswelle auslöst. Steigende Zinsen sind bekanntlich Gift für die Gold- und Silberpreise. Aus Investorensicht steigen nämlich dann die Kosten der Edelmetallhaltung: Schließlich entgeht einem der Ertrag, den man alternativ mit zinstragenden Papieren erzielen kann. Folglich liquidieren vor allem institutionelle Investoren ihre Papiergold- und Silberkontrakte, lösen dadurch einen Abwärtsdruck auf die Preise aus.
Gold und Silber funktionieren am besten unterm Kopfkissen
Zudem geht der Anleger fehl, der meint, die weltweit steigenden Energiepreise seien in erster Linie eine Inflationsgefahr. Sie sind es nämlich nicht. Die Verteuerung von Öl, Gas und auch Kohle verarmen die Menschen: Wollen sie weiterhin die gleiche Energiemenge verbrauchen, müssen sie ihre Nachfrage nach anderen Gütern einschränken. Das schwächt das Wirtschaftswachstum, nimmt den Preisdruck von anderen (Nicht-Energie-)Gütern. Den Volkswirtschaften droht dadurch vor allem Rezession, während die Güterpreisinflation eingehegt bleibt – zumal die Zentralbankräte nun auch noch die Zinsen anheben wollen. Und entsprechend entledigen sich viele Investoren ihrer Gold- und Silberpositionen, treiben die Preise weiter nach unten.
Was in den Märkten vermutlich jedoch übersehen wird: Ein weltweiter Wirtschaftseinbruch, vor allem auch verbunden mit steigenden Zinsen, bringt die Architektur des internationalen Fiatgeldsystems ins Taumeln. Die vielerorts hoffnungslos überschuldeten Staaten, Konsumenten und Produzenten werden große Probleme haben, ihre Schuldenlasten zu tragen, gerade wenn die Wirtschaften in eine Rezession gehen. Es kann dann nur allzu leicht zu einer neuerlichen Kreditkrise kommen, die vermutlich alles in den Schatten stellt, was in der jüngeren Vergangenheit zu beobachten war – und die Zentralbanken werden dann genau das Gegenteil machen von dem, was sie aktuell verkünden: die Geldschleusen öffnen, die Geldmengen drastisch ausweiten.
Gold- und Silberanleger, die mit einem langfristigen Horizont (von drei, fünf oder mehr Jahren) operieren, sollten daher an ihren Positionen festhalten und die aktuellen Turbulenzen, die mit gewaltigen Eskalationsgefahren verbunden sind, aussitzen. Die zentrale Gefahr für Sparer und Investoren ist die Geldentwertung, und Gold und Silber sind ein Mittel dagegen.






