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U-Bahn-Mord in Hamburg: Der Preis des Schweigens

U-Bahn-Mord in Hamburg: Der Preis des Schweigens

U-Bahn-Mord in Hamburg: Der Preis des Schweigens

Sarg mit dem Opfer des Hamburger U-Bahn-Mordes: Nicht der erste Gewaltexzeß des eingeflogenen Südsudanesen. Für die Streiflicht-Autorin Anabel Schunke ist das der Preis des Schweigens über die Folgen der Migrationspolitik. (Themenbild/Collage)
Sarg mit dem Opfer des Hamburger U-Bahn-Mordes: Nicht der erste Gewaltexzeß des eingeflogenen Südsudanesen. Für die Streiflicht-Autorin Anabel Schunke ist das der Preis des Schweigens über die Folgen der Migrationspolitik. (Themenbild/Collage)
Sarg mit dem Opfer des Hamburger U-Bahn-Mordes: Nicht der erste Gewaltexzeß des eingeflogenen Südsudanesen. Foto: picture alliance / ABBfoto
U-Bahn-Mord in Hamburg
 

Der Preis des Schweigens

Mit staatlicher Hilfe nach Deutschland eingeflogen, dankte er dem Gastland mit einem Mord an einer jungen Frau: Die Tat entlarvt, wie falsch die Prioritäten der Politik sind. Ein Kommentar von Anabel Schunke.
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Eigentlich sollte jedes Menschenleben gleich viel wert sein. Daß es jedoch immer häufiger darauf ankommt, wer Täter und wer Opfer ist, zeigen die vergangenen Wochen.

Wenn ein Mann und eine Frau bei gewalttätigen Auseinandersetzungen mit Beamten der US-Einwanderungsbehörde sterben, melden sich deutsche Politiker zu Wort. Felix Banaszak (Grüne) fragt, „wann wir die neue Realität endlich klar benennen“. Die USA seien unter Trump auf dem Weg zu einem autoritären System. Hessens Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) verlangt, daß die Ereignisse in den Vereinigten Staaten „konsequent und ehrlich aufgearbeitet und Verantwortlichkeiten klar benannt werden“. Und der außenpolitische Sprecher der SPD verkündet, daß solche Bilder „niemals Alltag“ werden dürften.

Es sind exakt die Worte, die man sich auch einmal hier in Deutschland wünschen würde, wenn erneut ein Mädchen einem Asylbewerber zum Opfer fällt. Die 18jährige Fatemeh D. (genannt Asal) war gerade erst aus dem Iran geflohen, als sie der 25jährige Ariop A. aus dem Südsudan vergangene Woche in Hamburg packte und vor eine einfahrende U-Bahn mitriß. Beide waren sofort tot. Täter und Opfer kannten sich nach bisherigen Erkenntnissen nicht. Eine Mordkommission ermittelt.

Der Mord am U-Bahnhof Wandsbek Markt reiht sich in eine lange Liste ein

Auch hier würde man sich wünschen, daß die Realität endlich klar benannt wird. Daß Ereignisse „konsequent und ehrlich aufgearbeitet und Verantwortlichkeiten klar benannt werden“. Denn Ariop A. kam nicht, wie so viele, einfach über die deutsche Grenze. Er wurde auch noch im Rahmen eines Bundesaufnahmeprogrammes eingeflogen. Zudem fiel er bereits öfter durch Gewaltdelikte auf. In mehreren Unterkünften soll er in aggressive Konflikte verwickelt gewesen sein. Zwei Tage vor der Tat am U-Bahnhof griff er auf St. Pauli Polizeibeamte an, Ermittlungen wurden eingeleitet. Nur hilft das eben nichts, wenn potentiell gefährliche Täter in der Zwischenzeit wieder auf freien Fuß gesetzt werden.

Der Fall Fatemeh reiht sich damit in die lange Liste des staatlichen Kontrollverlusts in Sachen Migration ein, über den man hierzulande so ungern spricht. Lieber konzentriert man sich auf die Baustellen anderer Länder, die dieses Problem zumindest versuchen, in den Griff zu bekommen, als sich dem eigenen Versagen zu stellen. Aber mit moralischen Zeigefingern in Richtung der anderen läßt sich keine Wahl mehr gewinnen, wenn im eigenen Land niemand mehr angstfrei am Bahnsteig stehen kann.

Das Sicherheitsgefühl in Deutschland erodiert – und mit ihm das Vertrauen der Bürger untereinander. Das ist der Preis für das Schweigen und die Tatenlosigkeit der Politik. Ein Preis, dessen Höhe hier noch kaum jemand wirklich zu begreifen scheint.

Aus der JF-Ausgabe 7/25.

Sarg mit dem Opfer des Hamburger U-Bahn-Mordes: Nicht der erste Gewaltexzeß des eingeflogenen Südsudanesen. Foto: picture alliance / ABBfoto
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