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ARD-Zukunftsdialog: Balken im Auge

ARD-Zukunftsdialog: Balken im Auge

ARD-Zukunftsdialog: Balken im Auge

Das Erste ARD
Das Erste ARD
ARD-Logo auf dem Display eines Smartphones Foto: picture alliance / photothek | Thomas Trutschel/photothek
ARD-Zukunftsdialog
 

Balken im Auge

Es soll ja immer noch Menschen geben, die an Selbstheilungskräfte glauben. So offenbar auch in der ARD. Der Beweis: Im vergangenen Juni lief auf der gleichnamigen Webseite der sogenannte ARD-Zukunftsdialog. Auf breiter Front beworben – im Fernsehen, im Radio und natürlich auf den Webseiten der ARD –, forderte die Aktion Zuschauer, Hörer und Nutzer der digitalen Angebote des vielarmigen Kraken auf, sich ihre Wunsch-ARD der Zukunft vorzustellen.

Es gab eine Reihe unterschiedlicher Foren, Ergebnis einer vorgeschalteten Videokonferenz am 8. Mai mit rund 140 zufällig ausgewählten Bürgern aus ganz Deutschland. Man durfte Verbesserungsvorschläge eher allgemeiner Art machen; man konnte sich aber auch an einem Spezialthema wie „Generation Zukunft“ oder „Region und Lebensgefühl“ abarbeiten. Natürlich war damit auch eine erwünschte Richtung vorgegeben: „Generation Zukunft“ war der Wink mit dem Zaunpfahl für Greta & Co.: „Hier seid ihr richtig!“ Und die Regionalprogramme sind das existentielle Rückgrat der vereinigten Rundfunkanstalten; sie müssen sowieso bleiben.

Nun ist es ja so, daß Unzufriedenheit wesentlich mehr aus der Reserve lockt als dickfellige Zufriedenheit. Protest wird aus Frust geboren, Passivität aus Genügsamkeit. Was sollte Klimaschützer am Programm der ARD stören? So mag zu erklären sein, daß der Zukunftsdialog, zumindest in Teilen, ausartete zu eine Generalabrechnung mit der hinlänglich belegten linken Schlagseite des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Im Antifa-Jargon könnte man vielleicht sagen, daß einige Foren des Zukunftsdialogs von der „FCKAFD“ gekapert wurden.

Linke heilige Kühe auf saftig grünen Weiden

Spätestens seit ein sogenanntes Netzwerkdurchsetzungsgesetz für die Regulierung unliebsamer Kommentare im Internet sorgen muß, ist bekannt, daß die sogenannte „Neue Rechte“ vor allem digital recht rege unterwegs ist und schon so manchen Fäkaliensturm entfachte. Anschließend hatte der politische Wasserspülkasten dann ganze Arbeit zu verrichten, um die natürliche Ordnung der Dinge – unbehelligte linke heilige Kühe auf saftig grünen Weiden – wiederherzustellen.

Man hätte also seitens der ARD-Marine eigentlich damit rechnen können, daß es für die im Rahmen des Zukunftsdialogs ausgelaufenen und auf dem endlosen Meer der digitalen Debatten zum Abschuß freigegebenen Flaggschiffe wie „Tagesschau“, „Anne Will“ oder „Maischberger“ erst die volle Breitseite und dann sogar einen Enterversuch geben würde. Jedenfalls hagelte es schrapnellartig Vorwürfe der politischen Einseitigkeit und vor allem Spott und Häme für die lächerlichen Versuche, die privilegierte Stellung des Schiffskapitäns auf der Brücke dazu zu mißbrauchen, Knoten ins Seemannsgarn zu flechten; im Klartext: durch Eingriffe in den Alltagssprachgebrauch politisch genehme Tatsachen zu schaffen.

„Im Projektteam des Zukunftsdialogs haben wir auch überlegt, ob wir gendern sollen oder nicht“, heißt es dazu in schönstem Schulaufsatzdeutsch. „Wir fanden, bei einer Bürgerbeteiligung muß sich jede:r ausdrücklich eingeladen fühlen. So wird in der ARD zurzeit dezentral übers Gendern entschieden, nach bestem Wissen und Gewissen. Eine zentrale Vorgabe – ‘wir gendern nie’ oder ‘wir gendern immer’ – kann und wird es auf absehbare Zeit sicherlich nicht geben.“

Diente nur der Bestätigung

Damit wurde natürlich die eigentliche Frage außen vor gelassen: Welche Legitimation hat überhaupt eine, gemessen am amtlichen Regelwerk für die deutsche Sprache, falsche Schreibweise, die bislang nur in linksideologischen Elfenbeintürmen lebensfähig war, nun aber im Putschverfahren der ganzen Sprachgemeinschaft untergejubelt wird? Und wenn man wirklich jeden einladen möchte, warum schließt man dann erst mal alle aus, die darauf bestehen, in amtlich korrekter Sprache angesprochen zu werden, bei der ein Satzzeichen wie der Doppelpunkt so verwendet wird, wie sie es in der Schule gelernt haben? Das Projekt hatte also von Anfang an die erwartbare Schlagseite. Es diente wohl nur der Bestätigung eines bereits genommenen Kurses.

Wer ernsthaft gehofft hatte, achtzig Prozent Gender-kritische Kommentare im ARD-Zukunftsdialog würden zu einer Art Besinnung bei den Linksdogmatikern des WDR führen (die neomarxistische Kaderschmiede der ARD mischte beim Zukunftsdialog kräftig mit), sah sich getäuscht: Vielsilbig wurde wiederholt, was genervte Bürger seit Monaten als vorgefertigte Standardantwort zu lesen bekommen, wenn sie eine Beschwerde-E-Mail an ARD oder ZDF losschicken: Es werde ja längst nicht überall gegendert, es werde auch in der Redaktion lebhaft diskutiert, es gehe aber um Gleichstellung, Gleichstellung sei wichtig usw. usf.

Konsequent ausgeblendet wurden auch diesmal wieder die fundierten Argumente der Gender-Kritiker: daß das angehängte -innen nur bei bestimmten Pluralendungen beide Genera abbildet, daß das Partizip Präsens einen fortdauernden Verlauf indiziert, daß Gendern Auskunft darüber gibt, ob ein Journalist privat mit einer Partei des linken Spektrums sympathisiert (Verstoß gegen das Neutralitätsgebot), daß von den Mächtigen oktroyierte Sprachtransformationen Kennzeichen von Weltanschauungsdiktaturen sind, daß in einer Demokratie nur das gesamte Volk ein Mandat hat, Sprache zu verändern, nicht aber ein bestimmtes politisches Lager, daß in allen Umfragen mindestens zwei Drittel der Befragten Nein sagen zu dem Gender-Mumpitz.

„Mehr konservative Stimmen“

Statt dessen das nebulöse Fazit: „Die ARD bildet da spiegelbildlich ab, was im Land los ist, hinterfragt sich aber auch laufend – und begleitet das Thema journalistisch.“ Was die Jungs und Mädels vom Zukunftsdialog eigentlich sagen möchten: Für sie stand von Anfang an fest: Bei diesem „Themenschwerpunkt“ gibt es eine dogmatische Festlegung, an der nicht gerüttelt wird. Entsprechend apodiktisch wird den vielen Kritikern nun in dürren Worten mitgeteilt, daß sie sich ihre Zuschriften hätten sparen können, denn: Gendern ist eine der heiligen linken Kühe, „die wir nicht oder zumindest nicht direkt angehen werden oder können“.

Geschickt werden die von den Egalitätsdogmatikern durchgeboxten neurotischen Wortdoppel à la „Ministerpräsidenten und Ministerpräsidentinnen“ aus der Definition von „Gendern“ exkludiert, um Augenwischerei zu betreiben und den Zuschauer zu verwirren. Denn nun kann man forsch behaupten: „Aktuell wird in der Mehrheit der ARD-Programme im gesprochenen Wort nicht gegendert.“

Einen kleinen Erfolg hat die rechte Revolution beim ARD-Zukunftsdialog gleichwohl erzielt: Bei „Menschen und Meinungen“ gingen so viele kritische Stellungnahmen ein, daß die ARD nun „ein breiteres Meinungsspektrum“ mit „thematisch ausgewogenen Politformaten“ und „mehr konservativen Stimmen“ verspricht. Was wird das praktisch heißen? Daß Markus Söder (CSU) noch öfter eingeladen wird? Daß Melanie Amann ihren Stammplatz bei Anne Will für Jan Fleischhauer räumen muß?

Es ist klar, daß die Sendeanstalten der ARD, um ihre Linkslastigkeit wirksam zu bekämpfen und auch nur halbwegs parlamentarische Vielfalt abzubilden, aktiv um AfD-affine Journalisten werben müßten, die anschließend unbedrängt ihre Themen setzen dürfen. Es ist ebenso klar, daß genau das nicht geschehen wird. Denn dafür müßte man ja den Balken im eigenen Auge sehen können. Der ARD-Zukunftsdialog aber hat erwiesen: Der sitzt viel zu fest.

ARD-Logo auf dem Display eines Smartphones Foto: picture alliance / photothek | Thomas Trutschel/photothek
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