AfD-Chef beleidigt und bedrängt

Verrohtes Land

Wie eine Furie hetzt die Lautsprecherstimme den älteren Herrn, der in Frankfurts restaurierter Altstadt einen Spaziergang unternimmt, beschimpft ihn als unerwünscht und fordert ihn auf, die Innenstadt zu verlassen, sie wolle ihn hier nicht sehen. Keine Szene aus finsterer Vergangenheit, sondern aus dem besten Deutschland, das es je gegeben haben soll. Der ältere Herr: Alexander Gauland, Partei- und Fraktionschef der AfD. Die Hetzerin: Daniela Cappelluti, Kreisgeschäftsführerin der Grünen in der Main-Metropole.

Alles an diesem Auftritt ist gespenstisch: Eine Person aus der dritten Reihe, die sich ermutigt sieht, sich im Namen einer hinter sich gefühlten Meute als Einpeitscher aufzuspielen und Pogromstimmung zu verbreiten. Haßerfüllte Claqueure, die sie in den elektronischen Medien dafür auch noch feiern. Die eigene Partei, der das enthemmte Treiben der Megäre aus ihren Reihen zwar irgendwie peinlich ist, die sich aber auch nicht davon distanzieren mag.

Der Andersdenkende als Freiwild, gegen den alles erlaubt ist, wenn man sich nur auf der richtigen Seite wähnt: Anscheinend nichts Besonderes in einem Land, in dem auch keiner was dabei findet, wenn linksextreme Schlägertrupps „Krawall-Reiseführer“ mit Anleitungen zu Übergriffen gegen Mitglieder einer mißliebigen Partei veröffentlichen.

Merkeldeutschland 2018 präsentiert sich als verrohtes Land. Ein Land, in dem Richtigmeiner sich ermächtigt fühlen, physischen Ekel vor der Gegenwart von Menschen mit abweichender Meinung zu empfinden und diesen öffentlich zu zelebrieren. Der totalitäre Ungeist ist nicht tot, er kann jederzeit wieder um die Ecke schauen. Aktuell besonders gern im grünen Gewand.

Alexander Gauland: Foto: picture alliance / NurPhoto

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