Eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg wird gesprengt Foto: dpa
Kostspielige Kampfmittelbeseitigung

Die Bombenwerfer müssen sich beteiligen

Die Bundesländer fordern mehr Geld vom Bund. Grund sind die zahllosen noch unentdeckten Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg. Am vergangenen Freitag beschloß der Bundesrat, einen entsprechenden Gesetzentwurf in den Bundestag einzubringen.

Nach Schätzungen gebe es noch rund 100.000 Blindgänger unter der Erde Deutschlands, sagte Brandenburgs Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD). Es seien „tickende Zeitbomben“.

Die Räumung dieser Munition der Alliierten aus dem Zweiten Weltkrieg verursacht jedes Jahr Kosten im zweistelligen Millionenbereich, auf die die Bundesländer bislang sitzenbleiben. Der Bund unterstützt finanziell nur, wenn es um die Beseitigung „reichseigener“ Kampfmittel geht.

Kampfmittelräumung bietet eine weite Angriffsfläche

Die Kampfmittelräumung bietet eine weite Angriffsfläche. Ketzerisch könnte man nach einer Kostenbeteiligung der damaligen Koalition gegen Hitler-Deutschland fragen.

Schließlich verwandelte das fünf Jahre andauernde Flächenbombardement deutsche Städte und Gemeinden in Wüstenlandschaften. Bombardiert hatten britische und US-amerikanische Bomber mehr als 1.000 Städte und Ortschaften. Auf rund 30 Millionen Zivilpersonen, überwiegend Frauen, Kinder und Alte, fielen nahezu eine Million Tonnen Spreng- und Brandbomben. Mehr als eine halbe Million Menschen fielen dem Bombenteppich zum Opfer.

Verfolgte dieses systematisch geplante Vernichtungskampagne wirklich kriegsentscheidende Ziele? Und darf 73 Jahre nach ihrem Ende endlich offen über eine angemessene Kostenverteilung auf die damaligen Kriegsparteien diskutiert werden?

Blick auf andere Länder

Wem solche Fragestellungen zu heikel, weil zu deutschlandlastig sind, mag gerne in andere Länder blicken, in denen die Bevölkerung ebenso alleingelassen wird mit den Folgen alliierter Kriegsstrategie.

Die Allianz, die im Jahr 1999 über das ehemalige Jugoslawien Bomben regnen ließ, ist die Nato. Ihr Bombardement, auch ziviler Ziele, darunter Wasserversorgung, Brücken, Schleusen, Elektrizitätswerke, Bahnhöfe, Schulen und Krankenhäuser, dauerte 78 Tage und Nächte. Die Gesamtzahl der Todesopfer durch die Bombardierung Serbiens wird auf 3.500 Menschen geschätzt. Das Militärbündnis setzte nicht nur Splitterbomben, sondern auch die umstrittene Uranmunition ein. Uranmunition kann zu Krebs führen. Daher beklagte Serbien nach dem Krieg gemäß eigenen Angaben 10.000 Krebstote.

Solche Uranmunition setzten die US-amerikanische und britische Luftwaffe auch wenige Jahre später im Irak ein. Es handelt sich um abgereichertes Uran, ein billiges Nebenprodukt der Kernenergie und der Produktion von Atomwaffen. Es ist ein Schwermetall, 1,7 mal dichter als Blei. Artilleriegeschosse, Raketen und Bomben, die in diesem Uran eingeschlossen sind, durchdringen praktisch alles – Panzer, befestigte Bunker, Krankenhäuser, Schulen.

Massenvernichtungswaffe Uranmunition

Das abgereicherte Uran ist radioaktiv. Wenn eine abgereicherte Uranhülle explodiert, brennt sie intensiv und sendet Milliarden mikroskopischer, radioaktiver Uranoxidpartikel in die Luft, die so fein sind, dass sie durch eine Gasmaske eingeatmet werden können. Sie dringen auch ins Wasser ein.

Wenn die Partikel geschluckt oder eingeatmet werden, lagern sie sich in jedem Körperteil eines Menschen ein und emittieren giftige Strahlung, die die DNS schädigt und Zellmutationen verursacht. Die Mutationen wiederum verursachen eine große Vielfalt an Krebserkrankungen, Geburtsschäden, Fehlgeburten und schwächenden Zuständen, die der Behandlung widerstehen.

Bereits in den Jahren 1996 und 1997 verurteilten die Vereinten Nationen die Uranmunition wegen illegaler Verletzung der Genfer Konvention und klassifizierten sie als Massenvernichtungswaffe. Doch die Regierungen der USA und Großbritanniens haben wiederholt bestritten, daß der radioaktive Staub schädlich ist und die Erforschung der Auswirkungen blockiert.

Die Zivilbevölkerung leidet über Jahre 

Im Jahr 1997 berichtete beispielsweise Asaf Durakovic, damals Professor für Radiologie und Nuklearmedizin an der Georgetown University: „Die US-Veteranenverwaltung bat mich, über die Risiken der Aufnahme von abgereichertem Uran in den menschlichen Körper zu lügen. Uran verursacht Krebs, Uran verursacht Mutationen und Uran tötet. Wenn wir mit der unverantwortlichen Kontamination der Biosphäre fortfahren, dann tun wir uns selbst einen schlechten Dienst, einen schlechten Dienst an der Wahrheit, einen schlechten Dienst an Gott und allen nachfolgenden Generationen.“

Unter den oft auch tödlichen Folgen des Krieges hat die Zivilbevölkerung über Jahre hinweg zu leiden. Es wird Zeit, über die angemessene Beteiligung der Bombenwerfer zu diskutieren. Im Irak, auf dem Balkan und genauso auch in Deutschland. Die Eingabe der Bundesländer ist hier nur der erste richtige Anstoß.

Eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg wird gesprengt Foto: dpa

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