Kampagne gegen Thomas Rauscher

Mob schleift Universität

„Wir schulden den Afrikanern und Arabern nichts, denn die so genannten Fluchtursachen sind überwiegend hausgemacht.“ Der Tweet des Leipziger Jura-Professors Thomas Rauscher enthält eine Selbstverständlichkeit. Für die Bevölkerungsexplosion zum Beispiel, die jeden wirtschaftlichen Fortschritt in Afrika buchstäblich auffrißt, können die Europäer nun wirklich nichts.

Seit mehreren Wochen erlebt Rauscher, wie gefährlich es ist, das Selbstverständliche auszusprechen. Studenten tragenRauscher, rausch ab!“-Plakate über den Campus, eine Vorlesung wurde gestürmt. Im Internet, in den gedruckten und elektronischen Medien tobt eine Kampagne gegen ihn. Die Universität hat dienstrechtliche Maßnahmen eingeleitet, die bis auf die psychische Zermürbung anscheinend erfolglos bleiben.

Die Protestler sind außerstande, zwischen Recht und ihrer von politischer Korrektheit durchtränkter Moral zu unterscheiden. Man müßte Sorge haben, daß eine neue Generation politischer Volksrichter heranwächst, wie man sie in Deutschland schon zweimal hatte, doch Rauscher hat mitgeteilt, die Störer seiner Vorlesung hätten „ganz überwiegend nicht der Juristenfakultät“ angehört, sondern der Antifa und dem SDS.

Toleranz-Bekenntnisse

Dieser Mob bestimmt aber den Geist der altehrwürdigen Institution. Der Senat der Universität Leipzig ist vor ihm in die Knie gegangen und hat das „menschenfeindliche Weltbild“ in Rauschers Äußerungen einstimmig „aufs Schärfste“ verurteilt. Die Universität verstehe sich als „weltoffener und toleranter Ort der Wissenschaft“.

Die Juristenfakultät Leipzig schloß sich mit dem donnernden Bekenntnis an: „Lehre und Forschung betreiben wir nach dem Leitbild eines weltoffenen und toleranten Miteinanders, unabhängig von Herkunft, Hautfarbe, Geschlecht und sexueller Orientierung. Wir setzen uns für einen freien Meinungsaustausch ein, der jedoch seine Grenze bei Äußerungen findet, die rassistisch oder in sonstiger Weise diskriminierend sind.“

Der Ton erinnert an die Ergebenheitsadressen, die Künstler und Wissenschaftler bei Gelegenheit an die SED-Führung adressieren mußten. Sachsens Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange kann zufrieden sein, denn sie hatte zuvor getwittert: „Sachsens Hochschulen sind weltoffen und international. Die ausländerfeindliche Meinung von Rauscher kritisiere ich scharf.“

Wissenschaft hat nur der Wahrheit zu dienen

Nun ja, in der DDR sollte die Wissenschaft der Sache des Sozialismus dienen, die führenden Rolle der SED stärken sowie die Völkerfreundschaft im allgemeinen und die ewigen Liebe zur Sowjetunion insbesondere fördern. Heute soll sie eben der Toleranz, der Antidiskriminierung und der Weltoffenheit nützen. Das eine wie das andere ist ein großer Quatsch. Wissenschaft hat auf die Erkenntnis der Wahrheit hinzuwirken und sonst gar nichts. Die Offenheit zur Welt ergibt sich dann ganz von allein.

Apropos: Was meinen diejenigen überhaupt, die sich ihrer „Weltoffenheit“ rühmen? Worin besteht die weltoffene Qualität der Politikerin Stange? Wir vermuten einfach mal, daß die Weltkenntnis der meisten Schlagwort-Benutzer nicht über den impressionistischen Wissensstand umtriebiger Touristen hinausgeht.

Wer es nötig hat, seine Weltoffenheit zu betonen, projiziert und transzendiert nur die eigene Beschränktheit ins vermeintlich Weltweite – und verfehlt damit die Realitäten in der Welt. Genau das hat Rauscher in seiner Kritik an der Asyl- und Einwanderungspolitik angemahnt.

Verfälschende Schlagzeilen

Für die Kampagne gegen ihn sind Schlagzeilen wie die des MDR symptomatisch: „Keine Konsequenzen für Rauscher“. Die Insinuation lautet. Nicht der Dauerbeschuß, nicht die Hexenjagd ist das Außerordentliche und Berichtenswerte, sondern der unterbliebene Rausschmiß, das unterlassene Berufsverbot. Ähnlich die Leipziger Volkszeitung, die schreibt: „Im Fall des mit Rassismusvorwürfen konfrontierten Leipziger Jura-Professors Thomas Rauscher sieht das sächsische Wissenschaftsministerium (SMWK) keine Handhabe, um gegen ihn dienstrechtliche Schritte einzuleiten.“

Statt „keine Handhabe“ hätte es „keinen Grund“ heißen müssen, um klarzustellen, daß die Vorwürfe substanzlos sind. Denn „keine Handhabe“ bedeutet: Formale Schranken hindern uns daran zu tun, was moralisch, politisch und auch rechtlich geboten wäre. Man kann darin sogar die Aufforderung an den Mob sehen, die staatliche Handlungslücke anderweitig zu schließen.

Niveauverlust der Bildungsabschlüsse

Die geistige Unreife und aggressive Bosheit, die Rauschers Tweets zu einem „Fall“ werden ließen, haben ihren Grund auch in der Inflationierung und im Niveauverlust der Bildungsabschlüsse. Wenn die Hälfte der Schüler zum Abitur geführt wird und an die Universitäten drängt, dann ist es ganz natürlich, daß viele dieser Studenten alsbald feststellen, zu wissenschaftlicher Arbeit überhaupt nicht befähigt und vom Lehrbetrieb überfordert zu sein.

Was dann folgt, kennt man bereits aus der Grundschule, wo die einen das ABC im Schlaf und andere es überhaupt nicht lernen. Diese versuchen kompensatorisch Wirkung zu erzielen, indem sie den Unterricht stören oder die anderen drangsalieren. An den Unis weichen sie in den politischen Aktivismus aus, formieren sich als Mob und schleifen den freien Geist, vor dem sie allen Grund haben, sich klein zu fühlen.

> Ein ausführliches Interview mit Thomas Rauscher ist in der aktuellen Ausgabe der JUNGEN FREIHEIT (Nr. 51/17) erschienen.

Proteste gegen Thomas Rauscher an der Universität Leipzig Foto: picture alliance/dpa

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