Interview mit dem Betreiber der Hirsemühle

„Die haben ihre Ideologie“

Die Leipziger Bio-Lebensmittelkette Biomare, deren Chef der Grünen-Politiker Malte Reupert ist, hat Produkte der Spreewälder Hirsemühle aus dem Sortiment genommen, weil deren Chef Jan Plessow sich für die AfD engagiert. Mittlerweile sind die großen Bio-Supermarktketten Alnatura und Bio Company diesem Beispiel gefolgt. Wie es dazu kam und wie der Betreiber Jan Plessow zur Nachhaltigkeit steht, lesen sie im JF-Interview.

Zwei sehr große Kunden haben sich von Ihnen getrennt. Wie gehen Sie damit um?

Jan Plessow: Es trifft uns schon, da hängen mehrere Existenzen dran. Meine Familie und etwa 15 weitere Bio-Bauern. Das interessiert aber offenbar nicht. Nun ja, wir arbeiten erst mal normal weiter.

Gibt es neben Alnatura, Bio Company und Biomare noch weitere Abnehmer, die nicht mehr bei Ihnen einkaufen?

Plessow: Ja, die Supermarktkette aus Dresden Vorwerk Podemus, deren Geschäftsleitung hat die Filialleiter angewiesen, unsere Hirse auszulisten, weil sie „politisch nicht mehr korrekt“ ist. Weiter hat Naturkost Grell aus Hamburg auch ein sehr bezeichnendes Schreiben geschickt. Das ist ein Zulieferer von Alnatura. Die schrieben: „Aus bekannten Hintergründen, denen wir uns anschließen, werden wir die Hirse auslisten, da die Nachfrage nicht mehr da ist.“ Ich habe da nochmal nachgehakt. Weil ich merkte, daß das vorgespielt ist.

Und?

Plessow: Die haben kein Interesse, das Problem zu lösen. Da wird einfach behauptet, die Nachfrage sei nicht mehr da. Da gab es keine wirkliche Stellungnahme, weil die Leute wahrscheinlich Angst vor rechtlichen Konsequenzen haben, wenn sie aus politischen Gründen auslisten. Das sind merkwürdige Verhaltensweisen – als gäbe es eine Kontaktschuld. Die haben ihre Ideologie. Das ziehen die durch. Wahrscheinlich hat auch jeder Angst, sich in irgendeiner Form anzustecken. Als wären wir ein Virus.

Wie sind die Reaktionen, die Sie bekommen?

Plessow: Die meisten Zuschriften sind wohlwollend. Viele sagen, daß sie kein Verständnis für das Vorgehen von Biomare-Geschäftsführer Malte Reupert oder Alnatura haben. Es gibt aber auch eine Reihe anderer E-Mails. Ich hatte gerade eine aus Hamburg mit „Nazi“-Beschimpfungen, was aber nicht so ernst zu nehmen ist.

Das klingt schlimm. Gibt es noch Hoffnung für Ihren Betrieb?

Plessow: Ich weiß von einigen Großhändlern und Bio-Supermärkten, die ich jetzt nicht nennen will, um den Druck nicht weiter zu verschärfen, daß die sich ausdrücklich dagegen ausgesprochen haben, uns auszulisten. Ich erhalte auch Zuschriften von Privatpersonen, denen das gegen den Strich geht – die uns unterstützen wollen.

Der Biomare-Betreiber behauptet, daß Sie nicht nachhaltig produzieren können, weil Sie in der AfD sind. Wie denken Sie darüber?

Plessow: (lacht) Ich bin ja das beste Beispiel dafür, daß es doch geht. Ich habe hier vor 15 Jahren angefangen, mit ein paar Biobauern die Hirse in Deutschland wieder einzuführen. Im Vordergrund stand damals ökologisch zu wirtschaften, ohne Spritzmittel und ohne Ackergifte. Artenschutz, Vielfalt, Ökolandwirtschaft und regionale Produktion standen im Vordergrund. Daß das auch gut für das Klima ist, ist ja eine zwangsläufige Folge schon allein durch die kurzen Transportwege. Außerdem haben wir in der Mühle eine Biomasse-Heizung. Unser Produkt ist auch weiterhin regional und bio-zertifiziert.

15 Jahre ging es gut. Was ist plötzlich anders?

Plessow: In letzter Zeit ist das Thema „Klima“ wahnsinnig hochgekocht. Vor allem seit Greta Thunberg in den Medien ist. Man könnte es als eine Folge des sehr heißen Sommers von 2018 sehen. Seither wird überall Ökologie und Bio-Landwirtschaft nur noch auf Klimaschutz runtergebrochen. Artenschutz, Nachhaltigkeit, Pestizidfreiheit und letztlich die Gesundheit des Menschen kommen seither nicht mehr vor.

Und wie soll es weitergehen?

Plessow: Die Alternative, die ich für den Biomarkt sehe, ist momentan Hirse aus China. Das bedeutet wesentlich längere Transportwege, was natürlich viel klimaschädlicher ist. Einige Anbieter produzieren auch bio-zertifizierte Hirse in der Ukraine. Aber das meiste kommt aus China. Da fragt niemand nach der ideologischen Einstellung, geschweige denn nach den Arbeitsbedingungen.

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