KÖLN. Die Stadt Köln hat sich geweigert, rund 500 ausreisepflichtige Migranten aus den Westbalkanstaaten abzuschieben. Das Land Nordrhein-Westfalen habe im November 2024 in einer E-Mail angeboten, sich um die Rückreisedokumente der Illegalen zu kümmern. Die Domstadt lehnte aber das Angebot ab, da die Migranten „seit langer Zeit geduldet sind“, schrieb die Stadt eine Woche später in einer Antwort, die dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ vorliegt. Die Stadt wolle sie lieber dabei unterstützen, eine Aufenthaltserlaubnis zu erlangen.
Hintergrund ist eine Auswertung des nordrhein-westfälischen Flüchtlingsministeriums. Laut dieser hatte eine hohe Anzahl ausreisepflichtiger Personen aus Albanien, Bosnien-Herzegowina, Kosovo, Montenegro, Nordmazedonien und Serbien eine Duldung, weil ihnen Reisedokumente fehlten.
Das Ministerium habe deswegen darum gebeten, bestehende Fälle aufzugreifen und erforderliche Unterstützungsmaßnahmen einzuleiten.
Köln will Migranten mit Sozialpädagogen unterstützen
Die Zentrale Ausländerbehörde (ZAB) Coesfeld bot aus diesem Grund an, die nötigen Rückreisedokumente zu beschaffen. „Die Hürden für die Ausstellung von Rückreisedokumenten für diesen Personenkreis“ seien niedrig, außerdem funktioniere „die Zusammenarbeit mit den ausländischen Behörden seit mehreren Jahren gut“, schrieb die Behörde in der E-Mail. Dem Schreiben hing eine Liste an, in der 500 ausreisepflichtige Migranten aus den Westbalkanstaaten genannt wurden, die aufgrund fehlender Dokumente geduldet wurden.
Köln lehnte das Angebot ab. Die Migranten seien bereits seit längerer Zeit geduldet und man wolle sie mithilfe von Sozialpädagogen dabei unterstützen, eine dauerhafte Bleibeperspektive und eine Aufenthaltserlaubnis zu bekommen.
Tausende ausreisepflichtige in der Stadt
Im Nachgang habe sich die Stadt auch nicht selbst darum gekümmert, Rückreisedokumente für die ausreisepflichtigen Migranten zu beschaffen, wie aus weiteren internen Vermerken hervorgehe. In Köln lebten 2022 rund 1,1 Millionen Menschen. 20 Prozent von ihnen waren Ausländer.

Ende 2025 lebten 3.657 geduldete Ausländer in der Stadt, teilte eine Sprecherin der Domstadt mit. Welche Kosten eine geduldete Person der Stadt verursache, sei technisch nicht gesondert auszuwerten. (mas)





