CEUTA/MADRID. Die spanische Polizei hat eindringlich vor Teilen der in Ceuta verbliebenen Migranten gewarnt. Unter den nach Angaben der Behörden in Madrid etwa 2.000 Verbliebenen befänden sich viele Kriminelle, auch Dschihadisten. Diese Personen seien „sehr gefährlich“ und gehörten zu „den Schlimmsten überhaupt“, wie die spanische Zeitung La Razón unter Berufung auf anonyme Sicherheitskreise berichtet.
Die Einschätzung der Gefahrenlage beruhe dabei auf Hinweisen spanischer und marokkanischer Behörden, schreibt die spanische Zeitung. Erschwerend komme hinzu, dass sich die gefährlichen Migranten in dem bergigen Gebiet der Exklave Ceuta verstecken könnten und nicht lokalisierbar seien. Sicherheitskräfte befürchten deshalb Gewaltverbrechen und suchen derzeit die Stadt ab, heißt es in dem Bericht. Während der illegalen Massenmigration in die Stadt war es zu schweren Straftaten gekommen, darunter Einbrüche, Brandstiftung und Straßenschlachten mit der Polizei (JF berichtete).
Bereits zuvor war bekanntgeworden, dass sich unter den etwa 80.000 Migranten, die am vergangenen Wochenende widerrechtlich die spanische Grenze überquert hatten, behördlich bekannte Dschihadisten befanden (JF berichtete). Die Zeitung El Español hatte unter Berufung auf spanische Terrorfahnder von „mindestens einem Dutzend“ solcher Gefährder berichtet.
Madrid und Lokalregierung widersprechen sich zur Anzahl der verbliebenen Migranten
Unterdessen geht in Ceuta die Angst vor einem erneuten Massenansturm um. Die Regierung der spanischen Stadt auf marokkanischem Boden warnte davor, dass in zahlreichen TikTok- und WhatsApp-Gruppen Pläne geschmiedet würden, die Stadt erneut zu stürmen. Regierungssprecher Alejandro Ramirez sagte, man habe entsprechende Hinweise an die zuständigen Behörden weitergeleitet, wie die Zeitung El Mundo meldet. In diesen Gruppen mit Hunderttausenden Mitgliedern werde sich bereits für den 15. August als Tag einer neuen Massenmigration geeinigt. Nachrichten wie „Wir sehen uns am 15. August“ sowie Angaben zu Treffpunkten kursierten dort. Außerdem berichtet das Medium El País von Online-Gruppen, in denen sich die Mitglieder über die Funktionsweise von Schlauchbooten, die Überwindung von Grenzanlagen und möglichst erfolgversprechende Migrationsrouten austauschen.
Unklar ist, wie viele illegale Migranten sich derzeit noch auf Ceuta aufhalten. Während die sozialistische spanische Regierung von 2.000 bis 3.000 Personen spricht, geht der Präsident von Ceuta, Juan Jesús Vivas, von 6.000 aus. Er äußerte scharfe Kritik am Krisenmanagement der Regierung in Madrid und fragte: „Wie ist es möglich, dass wir noch nicht die genaue Zahl derer haben, die noch in Ceuta sind? Wie ist es möglich, dass nicht alle identifiziert wurden? Wie ist es möglich, dass die Ausweisungsverfahren noch nicht eingeleitet wurden?“
Viele Marokkaner leben auf Ceuta
Am vergangenen Wochenende hatten Zehntausende Migranten aus Marokko Ceuta gestürmt, als Auslöser gelten vor allem Falschinformationen in sozialen Medien, wonach Spanien die nationalen Einreiseregeln erheblich gelockert habe.
Warum #Ceuta eine spanische Exklave wurde👀 pic.twitter.com/bUPQ7LX0GI
— Geschichte mit Denise (@jfGeschichte) August 4, 2026
Inzwischen gibt es in Spanien hitzige Diskussionen über den Umgang mit minderjährigen Migranten, die noch in Ceuta verweilen. Während etwa die Region Valencia bereits Einwanderer von der Exklave aufnimmt, lehnen andere Gemeinden das vehement ab.
Ceuta liegt umgeben von marokkanischem Staatsgebiet an der nordafrikanischen Mittelmeerküste, ist heute eine autonome Stadt, die zu Spanien gehört, und hat etwa 84.000 Einwohner. 1415 wurde der Ort von Portugal erobert und stand während der Fusion der beiden Königreiche von 1580 bis 1640 unter gemeinsamer Verwaltung von Spanien und Portugal. Nach der Unabhängigkeit Portugals 1640 blieb Ceuta bei Spanien, 1668 wurde das im Vertrag von Lissabon geregelt.
Etwa 4.400 Marokkaner leben heute auf Ceuta, also fünf Prozent der Gesamtbevölkerung, Schätzungen zufolge haben etwa 40 bis 50 Prozent der Einwohner von Ceuta marokkanische Wurzeln. Bei den vergangenen Wahlen zur Versammlung von Ceuta wurde die christdemokratische Partido Popular mit 34,4 Prozent der Stimmen stärkste Kraft, gefolgt von der sozialistischen PSOE mit 20,9 Prozent und der rechten Vox mit 20,6 Prozent. (st)






