Er ist das frische Gesicht der deutschen Minderheit in Dänemark: Stephan Kleinschmidt. Die Delegiertenversammlung des Bundes Deutscher Nordschleswiger (BDN) hat den 49jährigen zum neuen Vorsitzenden gekürt. Der gut vernetzte Kommunalpolitiker kommt aus Sonderburg nahe der deutsch-dänischen Grenze. Diese auf der Halbinsel Alsen gelegene Stadt mit fast 30.000 Einwohnern ist ein regional ausstrahlendes Wirtschafts- und Hochschulzentrum und nennt mehrere Einrichtungen der deutschen Minderheit in Dänemark ihr eigen: ein „Deutsches Museum Nordschleswig“, eine „Deutsche Schule“ und eine Zweigstelle der „Deutschen Büchereizentrale“.
Kleinschmidt übernimmt Führung der deutschen Minderheit
Kleinschmidt übernimmt für vier Jahre die Führung der Dachorganisation der deutschen Minderheit. Zu dieser bekennen sich bei einer Gesamtbevölkerung Nordschleswigs von 250.000 Einwohnern aktuell rund 15.000 Menschen – eine seit Jahrzehnten in etwa gleichbleibende Zahl. Keinschmidts Wahl bedeutet auch einen Generationenwechsel: Der als Wunschkandidat Gehandelte tritt die Nachfolge des 1959 geborenen, betont bodenständigen Landwirts Hinrich Jürgensen an, der nach fast zwanzig Jahren als BDN-Vorsitzender nicht wieder zur Wahl angetreten war.
Seit der Kommunalwahl 2006 war Kleinschmidt in Sonderburg Fraktionsvorsitzender der Schleswigschen Partei (SP), der politischen Vertretung der deutschen Minderheit. Den größten Erfolg brachte ihm die Kommunalwahl 2017 mit 4.944 persönlichen Stimmen. Danach amtierte er knapp acht Jahre als erster Vizebürgermeister. Gleichzeitig pendelte der zweifache Vater zur Arbeit nach Flensburg, wo er als Dezernent in der schleswig-holsteinischen Staatskanzlei grenzüberschreitend für Projektkoordination, Dialog und Imagefragen tätig war. Im Mai 2024 beendete er beide Tätigkeiten und machte sich mit einer eigenen Firma selbständig: „Kleinschmidt – Atelier für Politik und Kommunikation“
Debatte um das Identitätsverständnis
Man wird abwarten müssen, ob der mit seiner Person verbundene Vorzeichenwechsel an der BDN-Spitze – mehr Verjüngung, politische Professionalisierung und bessere Vernetzung in den städtischen Zentren – auch inhaltliche Folgen haben wird. Im Zuge der Kampfabstimmung um den Vorsitz zwischen Kleinschmidt und der Apenrader Büchereidirektorin Claudia Knauer, die er mit 171 zu 26 Delegiertenstimmen klar für sich entscheiden konnte, gab es jedenfalls eine spannende Debatte um das Identitätsverständnis der Minderheit – konkret um die Frage, wann man Teil von ihr ist und wann nicht. Während Kleinschmidt den Begriff „EVU“, Kürzel für „eine/einer von uns“, als unproblematisch verteidigte, argwöhnte seine Rivalin, dieser könne Menschen abschrecken, die zur Minderheit hinzugestoßen seien. Stephan Kleinschmidt prägte demgegenüber den Leitsatz „Unsere Identität ist offen, aber nicht beliebig“.
Allerdings muss man zur Relevanz dieser Diskussion in dem als minderheitenpolitisches Musterland geltenden Nordschleswig wissen, dass dort die Zugehörigkeiten zur dänischen beziehungsweise deutschen Nationalität, von Familientraditionen abgesehen, aus Mangel an objektiven Unterscheidungskriterien weitgehend Bekenntnischarakter haben.






