BERLIN. Nach dem Rückzug von Kai Wegner als CDU-Spitzenkandidat zur Berlin-Wahl (die JF berichtete) gerät eine weitere Aussage des Regierenden Bürgermeisters unter Druck. Das Bundeskanzleramt widerspricht der Darstellung, Wegner habe während des großen Stromausfalls im Januar mit Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) persönlich gesprochen.
In einem Schreiben an das Berliner Verwaltungsgericht heißt es, Merz habe „während der Dauer des fragegegenständlichen Stromausfalls in Berlin im Januar 2026 kein persönliches Gespräch“ mit Wegner geführt.
Das gelte sowohl für ein persönliches Treffen als auch für ein Telefonat. Wegner hatte Anfang Januar im RBB gesagt, er habe am Vortag „einmal mehr“ mit Merz gesprochen. Auch die Berliner Senatskanzlei hatte später den Eindruck bestätigt, es habe ein solches Gespräch gegeben. Das Kanzleramt spricht nun von einem Kommunikationsmissverständnis.
Evers soll Spitzenkandidat werden
Für die Berliner CDU kommt die Korrektur zur Unzeit. Wegner hatte kurz zuvor erklärt, nicht mehr als Spitzenkandidat zur Wahl des Abgeordnetenhauses antreten zu wollen. Er begründete den Schritt damit, dass die Debatte um sein Verhalten beim Blackout inzwischen alle anderen Themen überdecke.
Die CDU-Kreisvorsitzenden haben sich inzwischen auf Finanzsenator Stefan Evers als neuen Spitzenkandidaten verständigt. Der Landesvorstand soll die Personalie nun bestätigen. Nach Angaben der „Welt“ ist vor der Wahl kein Parteitag mehr geplant. Die CDU steht damit unter Zeitdruck: Die Wahl zum Abgeordnetenhaus findet am 20. September statt.
Evers muss nun eine Kampagne übernehmen, die ursprünglich auf Wegner zugeschnitten war. Plakate, Auftritte und Botschaften müssen kurzfristig umgestellt werden. Inhaltlich soll der Wahlkampf nach Angaben aus der Partei aber unverändert bleiben.
Kann man sich nicht ausdenken: Letzte Amtshandlung von Kai Wegner! pic.twitter.com/DBteq1eTAf
— Dieter Stein (@Dieter_Stein) July 11, 2026
Wegner will auch CDU-Vorsitz abgeben
Wegner hatte auf seiner Pressekonferenz „kommunikative Fehler“ eingeräumt. „Ja, das war Mist“, sagte der CDU-Politiker. Er habe sich bei den Berlinern entschuldigt. Zugleich kündigte er an, auch den CDU-Landesvorsitz abgeben zu wollen.
Die Affäre begann mit Wegners Verhalten während des massiven Stromausfalls in Berlin im Januar. Der CDU-Politiker hatte zunächst den Eindruck erweckt, er habe von seinem Büro aus die Krise gemanagt. Später wurde bekannt, dass er am ersten Tag des Blackouts Tennis gespielt hatte. Wegner sagte dazu, er habe den Kopf freibekommen wollen.
Auch seine Angaben zu dienstlichen Telefonaten gerieten ins Wanken. Nach Recherchen des „Tagesspiegel“ hatte Wegner am Morgen des Stromausfalls nicht, wie von ihm dargestellt, seit 8.08 Uhr Krisentelefonate geführt. Sein erstes dienstliches Telefonat soll demnach erst kurz vor 13 Uhr mit Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) stattgefunden haben.
Die CDU geht schwer angeschlagen in den Wahlkampf. In einer aktuellen Infratest-dimap-Umfrage liegt sie nur noch bei 17 Prozent und damit hinter Linkspartei, Grünen und AfD. Schlechter steht nur die SPD mit 13 Prozent da. (rr)






