Donald Trump ist nicht der erste US-Präsident, der Interesse am Erwerb Grönlands bekundete. Bereits Harry S. Truman unterbreitete der dänischen Regierung 1946 ein geheimes Kaufangebot: Für 100 Millionen Dollar in Gold sollte die arktische Kolonie in die Hände der USA übergehen. Trumans Offerte, die Dänemarks Regierung brüsk ablehnte, resultierte aus der im Zweiten Weltkrieg offenkundig gewordenen strategischen Bedeutung von Grönland.
Nach der deutschen Besetzung Dänemarks im April 1940 war die größte Insel der Welt quasi herrenlos, was das Risiko barg, dass das Dritte Reich auch nach Grönland griff und Truppen an die Nordostflanke des amerikanischen Doppelkontinents verlegte. Gleichzeitig lehnte Washington aber jegliche Intervention Kanadas, Großbritanniens und Norwegens in Grönland ab. Dies geschah nicht zuletzt, um Gefährdungen der Kryolith-Lieferungen aus der südgrönländischen Mine Ivittuut an die Vereinigten Staaten auszuschließen. Das seltene Mineral wurde damals für die militärisch wichtige Aluminiumproduktion benötigt.
Also verhandelten die USA mit dem dänischen Gesandten in Washington, Henrik von Kauffmann. Dieser weigerte sich, den Anweisungen der unter deutscher Kontrolle stehenden Regierung in Kopenhagen Folge zu leisten, und brachte die beiden grönländischen Verwalter Eske Brun und Aksel Svane dazu, das gleiche zu tun. Anschließend schloss von Kauffmann nach längerem diplomatischen Tauziehen zwischen Dänemark, Grönland und den USA einen Vertrag mit Roosevelts Außenminister Cordell Hull.
USA bauten Stützpunkte auf Grönland
Das am 9. April 1941 unterzeichnete Abkommen namens „Thulesag“ sah vor, dass die Vereinigten Staaten die Verteidigung Grönlands übernehmen, bis „die gegenwärtigen Gefahren für den Frieden und die Sicherheit des amerikanischen Kontinents nicht länger bestehen“. Auf diesen Freibrief hin richteten die US-Streitkräfte bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges mehr als ein Dutzend Militärstützpunkte auf Grönland ein.
US forces come ashore in Greenland from USCGC Eastwind and capture the clandestine German weather station „Edelweiss II“ circa October 1944
The facility had been established only weeks earlier and the 12-man crew was taken prisoner without a fight pic.twitter.com/Q8gJg8wIXg
— hw97karbine (@hw97karbine) January 31, 2026
Dem Schutz der Bergbausiedlung sowie des Hafens von Ivittuut und der Kryolith-Transporte in die Vereinigten Staaten diente die Stationierung von Einheiten der U.S. Coast Guard in der Marinebasis Bluie West Seven in Kangilinnguit. Dazu kamen die Luftwaffenbasen BluieWest One in Narsarsuaq, Bluie East Two in Ikkatteq und Bluie West Eight in Kangerlussuaq. Die erstere fungierte als Hauptquartier des Grönland-Kommandos der US-Luftstreitkräfte und erhielt zunächst eine Piste aus Metallplatten. Hier – an der Südspitze der Insel – wurden zahllose Flugzeuge auf dem Weg nach Europa und Afrika aufgetankt.
Zum Schluss weilten auf dem Stützpunkt, zu dem ab 1943 auch ein großes Militärkrankenhaus gehörte, bis zu 5.000 US-Soldaten. 1958 ging die Basis dann in dänische Hand über, wonach in Narsarsuaq ein Zivilflughafen entstand.
Südspitze Grönlands diente als Brückenkopf für den Luftverkehr
Der Militärflugplatz und die Wetterstation von Ikkatteq wurden von 1942 bis 1947 genutzt und lagen an der grönländischen Ostküste unweit von Sermiligaaq. Bluie East Two diente vor allem als Ausweichlandeplatz, wenn die Pisten im Westen wegen Schlechtwetter unbenutzbar waren. Im westgrönländischen Kangerlussuaq wiederum war das US-Militär von 1941 bis 1992 präsent, wobei der Stützpunkt im Kalten Krieg als Sondrestrom Air Base firmierte. Nach dem Zerfall der Sowjetunion zog das US-Militär hier ab und verkaufte das Objekt für 15 Cent an Grönland.
Zu den vier großen Stützpunkten kamen die kleineren Wetter- und Funkstationen Bluie West Two, Three, Four, Five, Six und Nine im Alanngorsuaq-Fjord, auf Simiutaq Island, bei Marrak Point, in Aasiaat beziehungsweise Thule und auf Cruncher Island. An der anderen Küste der Insel wiederum lagen noch Bluie East One, Three, Four und Five in Torgilsbu, dem Scoresby Sund, auf Ella Island sowie in Eskimonæs. Die letztere Einrichtung wurde als einzige der Anlagen von deutschen Soldaten zerstört: Im März 1943 griff der Wettertrupp Holzauge unter dem Kommando von Leutnant zur See Hermann Ritter die Station der US-Küstenwache an und brannte diese nieder.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges ratifizierte der dänische Reichstag das umstrittene Kauffmann-Hull-Abkommen, wonach der Diplomat in seinem Heimatland nicht länger als Hochverräter galt. Dem folgte am 27. April 1951 die Unterzeichnung des Vertrages „Thulesag 2“ zwischen Kopenhagen und Washington, welcher den USA eine weitere Militärpräsenz auf Grönland zubilligte. Daraufhin kam es vor allem zum massiven Ausbau der Anlagen in Thule 1.200 Kilometer nördlich des Polarkreises.
Heute stehen noch Satelliten-Bodenstationen in Thule
Der Stützpunkt, welcher heute noch existiert und seit 2023 den Namen Pituffik Space Base trägt, war im Kalten Krieg ein Kernelement der amerikanischen Nuklearstrategie: Auf der Thule Air Base warteten Langstreckenbomber, um schnelle atomare Vergeltungsschläge gegen die Sowjetunion über den Nordpol hinweg zu führen. Des weiteren wurden im Bereich der Basis Radaranlagen für das Frühwarnsystem BMEWS errichtet, welches transpolare Raketenangriffe vom russischen Festland und von U-Booten im Arktischen Ozean oder Nordatlantik abgefeuerte Raketen melden sollte. Heute findet man in Thule außerdem auch die Radarsysteme der US-Weltraumstreitkräfte sowie diverse militärische Satelliten-Bodenstationen.
Ansonsten entstanden während des Kalten Krieges noch etliche weitere Radaranlagen im Innern von Grönland, die zur Distant Early Warning Line gehörten. Deren Zweck war die möglichst zeitige Erfassung von anfliegenden sowjetischen Bombern, weswegen sie mit dem Aufkommen der Interkontinentalraketen obsolet wurde.
Und dann gab es das mysteriöse Camp Century im Inlandeis 240 Kilometer östlich von Thule. Hier bohrte das US-Militär zwischen 1958 und 1966 im Rahmen des Geheimprojektes Iceworm zahlreiche Tunnel ins Eis, in denen das Pentagon gegen die UdSSR gerichtete Raketen mit Atomsprengköpfen stationieren wollte. Das Vorhaben scheiterte allerdings wegen der Eisschmelze infolge der Abwärme der Anlage, zu der sogar ein Kernreaktor gehörte. Die Grönländer erfuhren erst 1977 von dem Projekt und der damit verbundenen radioaktiven Verseuchung.






