BERLIN. Die Vorsitzende der Grünen hat mit einem Bekenntnis zur Deutschlandfahne einen Streit im Bundestag ausgelöst. Unter Bezug auf die demokratische Tradition von Schwarz-Rot-Gold seit Beginn des 19. Jahrhunderts sagte sie: „Das sind unsere Farben der Demokraten!“
Und die 46-Jährige ergänzte: „Überlassen wir die Fahne nicht der AfD, hissen wir sie gemeinsam mit der Europafahne.“ An die AfD-Fraktion gerichtet, rief sie: „Ihre Farben, das sind andere, das ist eigentlich Schwarz-Weiß-Rot, das sind die Farben des Kaiserreichs, der Nazizeit – da, wo so viele von Ihnen sich hin sehnen.“
„Das sind unsere Farben!“ Streit im Bundestag um die deutschen 🇩🇪Nationalfarben! Erstaunlich: Grünen-Chefin Franziska Brantner reklamiert Schwarz-Rot-Gold gegen die AfD für „uns Demokraten“. Die grüne Parteijugend wollte die „Scheiß Deutschlandflaggen“ eben noch runterreißen. pic.twitter.com/hbdHdb5DYI
— Dieter Stein (@Dieter_Stein) July 8, 2026
Die Liebe der Grünen zur Deutschlandfahne ist neu. Der Bundessprecher der Grünen Jugend, Luis Bobga, hatte nach dem Ausscheiden der Nationalelf bei der Fußball-WM gerade noch gefordert: „So, und jetzt hängt eure scheiß Deutschlandflaggen wieder ab.“
Brantner: Schwarz-Rot-Gold gehört uns
In Rheinland-Pfalz hatte der Landesverband gefordert: „Patriotismus = Nationalismus. Fußballfans, Fahnen runter!“ Denn Deutschlandfahnen grenzten aus. Auch die damalige Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth hatte sich zur WM 2018 gegen Deutschlandfahnen ausgesprochen: „Feiern ja – Nationalismus nein!“ Sie selbst habe ihren Balkon zur Weltmeisterschaft beflaggt – aber mit der Regenbogenfahne. Die frühere Grünen-Chefin Ricarda Lang sagte anlässlich jener WM, sie verstehe nicht, warum die Grünen die Nationalflagge „plötzlich toll finden“ sollten.
Brantner legte nun am Mittwoch eine scheinbare Kehrtwende ihrer Partei hin und reklamierte die Deutschlandfahne für sich, um gleichzeitig auszugrenzen: „Unsere Flagge Schwarz-Rot-Gold gehört nicht denen, die ihren Hass hineinweben wollen. Sie gehört denjenigen, die in der Vergangenheit für unsere Freiheit unsere Verfassung kämpften und kämpfen.“
AfD kontert Brantner
Der AfD-Abgeordnete und Historiker Stefan Schröder reagierte von seinem Platz aus mit einer vom Bundestagspräsidium zugelassenen Spontan-Intervention. Er antwortete, er stimme Brantner bei der historischen Einschätzung der Deutschlandfahne „voll und ganz zu“. Und fügte an: „Lasst sie uns hissen! Wir sind dafür – absolut: An jedem öffentlichen Gebäude, an jedem Sportplatz, auf jedem Dorfplatz, auf jedem Marktplatz: Schwarz-Rot-Gold!“
Gleichzeitig fügte Schröder ein „Aber“ hinzu: „Ich fürchte Ihre eigene Jugendorganisation hat damit ein Problem.“ Und der AfD-Abgeordnete erinnerte auch an den ehemaligen Grünen-Wirtschaftsminister Robert Habeck, der „Vaterlandsliebe zum Kotzen“ finde. Und er fragte: „Welches Verhältnis hat Ihre Jugend, Ihre Partei zu unserer Nationalfahne?“

Brantner antwortete noch einmal, ging aber nicht auf Schröders Einwände ein, sondern sagte zur AfD: „Sagen Sie niemals, dass Sie für Schwarz-Rot-Gold stehen! Schwarz-Rot-Gold steht für die Demokratie!“ Wenn die AfD die Deutschlandfahne hisse, meine sie eine andere Fahne: „Und diese Täuschung werden wir Ihnen nicht weiter durchgehen lassen. Sondern es sind unsere Farben – und alle Demokraten werden sie gemeinsam verteidigen – gegen Sie gemeinsam!“





